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Alltag zwischen Verantwortung, Wut, Verzweiflung

In Weißwasser organisiert eine Elterninitiative öffentliche Protestaktionen. Denn viele Familien sind am Corona-Ende.

Stopp von Masken- und Testpflicht für Kinder ist nur ein Teil, auf den die Protestaktion der Elterninitiave in Weißwasser abzielt. Denn die Probleme vieler Eltern sind wesentlich größer und vielschichtiger.
Stopp von Masken- und Testpflicht für Kinder ist nur ein Teil, auf den die Protestaktion der Elterninitiave in Weißwasser abzielt. Denn die Probleme vieler Eltern sind wesentlich größer und vielschichtiger. © Joachim Rehle

Kinder spielen ausgelassen auf dem Parkplatz neben der Schwimmhalle, malen mit Kreide auf dem Boden und rennen mit bunten Luftballons umher, während Musik über dem Platz ertönt. Eine ganz normale Alltagssituation, die man jedoch seit der Pandemie und den damit verbundenen Regeln in Weißwasser lange nicht mehr sah. Kein Wunder, dass so mancher Passant stehenbleibt, kurz zuschaut und sich an einem aufgebauten Stand informiert, was los ist. So, wie eine ältere Frau, die mit der Bemerkung „Es wird Zeit, dass jemand auf die Lage der Kinder aufmerksam macht“ ihre Unterschrift auf eine ausgelegte Sammelliste setzt.

Grund für das ungewohnte Bild an der Schwimmhalle ist eine angemeldete Aktion der Initiative „ElternStehenAufWSW“, die sich gegen Masken- und Testpflicht an Schulen und Kitas, für Kindeswohl und Demokratie einsetzt. Dass die Probleme, mit denen Familien seit einem Jahr täglich zu kämpfen haben, wesentlich vielschichtiger sind als das Protestmotto, wird bei Gesprächen mit Eltern, Großeltern und Passanten schnell klar. Denn Corona und die Regeln belasten enorm. Vor allem psychisch.„Ich weiß bald nicht mehr weiter“, sagt eine junge Mutter unter Tränen, die mit Mann, Tochter (2,5 Jahre) und Sohn (6 Jahre) zur Protestaktion kam.

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Da seit Corona die Kitas mal auf und mal zu sind, müssen sich Eltern und Großeltern in die Betreuung der Kinder teilen. „Wir Eltern gehen beide täglich arbeiten. Weil mein Mann in einem systemrelevanten Beruf in Schichten ist, mein Job aber nicht als systemrelevant gilt, haben wir keinen Anspruch auf Notbetreuung der Kinder. Irgendwann weiß man nicht mehr, wie man den Kindern erklären soll, dass sie nicht zu ihren Freunden und in die Kita dürfen, wie man die Betreuung mit Job und Arbeitgeber vereinbaren kann. Leute ohne Kinder sind seit einem Jahr besser dran. Das meine ich nicht einmal finanziell“, so die 32-Jährige.

„Ja, die Nerven liegen blank. Wir sind am Ende“, bekennt auch der Vater, während er seiner weinenden Frau tröstend über die Schulter streichelt. „Unser Sohn konnte durch Corona nicht am Vorschulunterricht teilnehmen. Die Tochter hat inzwischen Sprachprobleme. Es interessiert in Berlin und Dresden keinen, was die Auswirkungen der Corona-Regelungen physisch und psychisch mit unseren Kindern machen. Das hat man bei allen Maßnahmen vergessen“, kritisiert der Familienvater. Und selbst in der Notbetreuung, sagt er, seien Kinder unglücklich, weil oft nur ein oder zwei pro Gruppe da seien.

Mit ihren Eltern und Großeltern vor Ort sind auch Mia (10 Jahre), Maike und Hannah (je 6 Jahre). Auf die Frage, was ihnen am meisten fehlt, erzählt Maike. „Ich wünsche mir, dass meine Freunde endlich mal wieder bei mir schlafen dürfen und das es eine richtige Geburtstagsfeier mit ihnen gibt.“ Hannah fehlen Ausflüge in die Schwimmhalle und ins Tobeland. Und Mia vermisst ihre Schulkameraden. „Das Lernen zu Hause geht schon. Aber ich würde lieber regelmäßig richtigen Unterricht haben.“

Die Polizei beobachtete, ob bei der genehmigten Aktion an der Šchwimmhalle alles coronakonform ablief. Dies galt auch für den Informationsstand der Elterninitiative.
Die Polizei beobachtete, ob bei der genehmigten Aktion an der Šchwimmhalle alles coronakonform ablief. Dies galt auch für den Informationsstand der Elterninitiative. © Joachim Rehle

Die Wünsche der Kinder und die Sorgen der Eltern kann auch die 55-jährige Dagmar nachvollziehen. Als Oma und als Berufstätige, die dienstlich selbst mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. Sie merke täglich, wie sehr die Kinder durch die Pandemie-Folgen belastet werden, wie ihnen Freundschaften fehlen und wie ihnen soziale Kompetenzen verloren gehen. „Wir erziehen eine Generation vor dem Computer, ohne die Fähigkeiten von Kommunikation und Konfliktlösung“, meint sie. Klar müssten Kinder Regeln haben. „Aber nicht solche, die jetzt gelten, wo sie nicht frei aufwachsen können und auch gar nicht verstehen, was los ist.“

Die 33-jährige Eva kritisiert, dass Menschen wie sie, die an Protesten teilnehmen, sofort in „irgendwelche Ecken“ geschoben würden, „nur weil man sich Gedanken über die Gesundheit und das Wohl seiner Kinder“ mache. Und sie beteuert, kein Corona-Leugner und nicht unverantwortlich zu sein. „Unsere ganze Familie hatte Corona, begab sich freiwillig in Quarantäne. Hätten wir bis zur Kontaktaufnahme durchs Gesundheitsamt gewartet, hätten wir noch eine Woche viele angesteckt.“

Während der einstündigen Aktion an der Schwimmhalle sammelte die Elterninitiative weitere Unterschriften, informierte über ihr Anliegen. „Schade, wir hätten uns mehr Teilnehmer erhofft. Beim Volkshausbrand standen Massen und sahen zu. Wenn es um Kinder und ihr Wohl geht, kommen sie nicht“, ärgert sich Marcel Schwertle von der Elterninitiative. Doch die Initiative gibt nicht auf, fordert weiter Entlastungen und Lösungen, plant weitere Proteste. Immer freitags von 16 bis 17 Uhr an der Schwimmhalle. Der nächste ist am 7. Mai. Danach alle 14 Tage.

„Wir haben einen Anfang gemacht, werden weiter darauf hinweisen, dass es langfristige Lösungen statt Auf und Ab braucht und es Alternativen gibt. Beispielsweise beim Testen mit Lollipop-Test, wie sie schon Friseure in Weißwasser anwenden“, begründet Diana Knaack weitere Aktionen. Bei denen, so Marcel, hoffe man auch darauf, dass mal jemand „von der Obrigkeit“ vorbeikomme. „Unser OB ist ja auch Familienvater, könnte mit uns mal über Probleme und Lösungen sprechen.“

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