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Biergarten-Laune statt Corona-Blues

Trotz nur gebremster Aussichten auf eine Außenöffnung bleiben Gastronomen im Nordkreis kreativ und optimistisch.

Amy Petrova (rechts im Bild) und Jerome Reichelt werden im Kurhotel „Fürst Pückler Park“ in Bad Muskau zu Köchen ausgebildet. Gemeinsam mit auszubildenden Hotelfachleuten arbeiteten sie während des Lockdowns in einem Projekt, bei dem gemeinsam Mit
Amy Petrova (rechts im Bild) und Jerome Reichelt werden im Kurhotel „Fürst Pückler Park“ in Bad Muskau zu Köchen ausgebildet. Gemeinsam mit auszubildenden Hotelfachleuten arbeiteten sie während des Lockdowns in einem Projekt, bei dem gemeinsam Mit © Joachim Rehle

Bis 28. März verlängert wurde der Lockdown. Der von Bund und Ländern vereinbarte stufenweise Öffnungsplan erlaubt Außengastronomie ab 22. März – wenn der Inzidenzwert unter 100 liegt. Voraussetzung ist eine Reservierung. Auch bräuchten Gäste aus verschiedenen Hausständen, die an einem Tisch sitzen wollen, dafür einen tagesaktuellen Schnelltest. Am 22. März soll über weitere Öffnungsschritte für Gastronomie/Hotellerie und erforderliche Auflagen entschieden werden. Damit haben sich die großen Hoffnungen der Branche nicht erfüllt. Dabei stehen die Gastronomen längst in den Startlöchern. Nun bleibt ihnen weiterhin nur, sich nicht unterkriegen zu lassen. Auch im Nordkreis versuchen sie, mit Kreativität und Optimismus das Beste aus der Situation zu machen.

Bad Muskauer Hotel sorgt mit Lehrlingsprojekt für neues Angebot

Im Kulturhotel Fürst Pückler Park in Bad Muskau waren die Auszubildenden im Januar und Februar – neben der Betreuung geschäftsreisender Hotelgäste – auch dafür verantwortlich, dass Privat- und Firmenkunden in der Stadt und in Krauschwitz von Montag bis Freitag mit leckeren Mittagsmenüs per Abholung oder Lieferservice versorgt wurden. Vorausgesetzt, sie hatten vorbestellt. Seit einigen Tagen haben die Azubis nun wieder Berufsschule – und das mit ganz neuen Erfahrungen. Denn die künftigen Köche und Hotelfachleute haben trotz Lockdowns in der Praxis viel gelernt.Das Hotel beschritt damit einen neuen Weg, der Vorteile für alle brachte. „Mit dem Projekt hatten unsere Auszubildenden mit Unterstützung der Ausbilder die Möglichkeit, von der Planung über Kalkulation, Einkauf, Herstellung, Kundengewinnung, Marketing bis Lieferung alles selbst zu erarbeiten und umzusetzen“, erläutert Hoteldirektorin Kerstin Vogel. Das Hotel wiederum hatte zusätzliche Einnahmen, und Kunden konnten gut zwei Monate eine Art Mittags-Abo nutzen. Auf die Leistung der Lehrlinge ist die Chefin übrigens sehr stolz. „Eine durch sie erfolgte Kundenbefragung zeigte, dass Geschmack, Gerichte-Auswahl, Preis, Service und mehr gelobt wurde.“ „Machbuba“-Wrap oder Rösti mit warmer Beerengrütze sind keine typischen Großküchen-Gerichte – trotz selbigen Preises.

Erlebnisgastronomie in Gablenz steht in den Startlöchern

Auf Mittagessen „to go“ wird seit Monaten auch im Gasthof „Gablenzer Freizeit“ gesetzt. Alle 14 Tage sonntags gibt es das. Hier gibt es auf 4.000 Quadratmetern Fläche normalerweise Erlebnisgastronomie mit Bowling, Badminton, Squash, Minigolf, Billard, Airhockey, Kicker, Tischtennis und Kinderspielanlage sowie Platz für Feiern bis 200 Personen. Angegliedert sind Ferienwohnungen. Doch seit November 2020 herrscht überall gespenstische Stille. Alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. „Ja, es ist seit Wochen ein Komplettausfall“, bestätigt Inhaberin Sandra Noack. Selbst das Mittagsangebot für Firmenkunden sei eingebrochen. Bauarbeiter & Co. würden in ihrer kurzen Pause am Tisch sitzen und schnell bedient werden wollen, statt Speisen abholen und im Auto essen zu müssen.Doch die junge Unternehmerin hat ihren Optimismus behalten. „Wir fertigen auf Anfrage weiter Buffets, und an Feiertagen wie Ostern gibt es Speisen von der Festtagskarte zum Mitnehmen.“ Was genau, erfahren Gäste im Internet und am Telefon. Noch hofft Sandra Noack auf baldige Lockerungen. Möglichst vor Ostern. „Wir stehen in den Startlöchern.“ Mit „wir“ meint sie die Gastronomiebranche ebenso wie ihre sieben Mitarbeiter, die alle blieben, sich keinen anderen Job suchten. Ab kommender Woche bereitet das Team die neue Saison inklusive Ostern und Biergarten-Zeit vor. Dazu gehören gemeinsames Putzen, Unkraut-Zupfen im Außengelände, Biergarten-Zaun-Streichen ... „Wir ziehen auch die Wartungsarbeiten an der Bowlingbahn vor, damit sie im Sommer stets offen ist.“

Zuspruch der Gäste macht in der Musikkneipe Weißwasser Mut

Zum dritten Mal bietet die Musikkneipe „Quetsche“ in Weißwasser an diesem Sonntag Essen „to go“ aus der Gulaschkanone sowie Eisbein und Pferderouladen an. „Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Inhaber Daniel Koch, der sich im Frühjahrs-Lockdown 2020 an der Aktion „leere Stühle“ der Wirte in Weißwasser beteiligt hatte. Schwer enttäuscht ist er, dass es für Musikkneipen noch keinerlei Öffnungsperspektive gibt. So könnten Gäste für Familienfeiern in der „Quetsche“ noch immer nicht planen. Dennoch schaut er mit Hoffnung auf ein halbwegs normales Leben in die Zukunft. Zumindest sei nun Bewegung in den Stillstand gekommen, sagt er. Das Essen „to go“ werde richtig gut angenommen. Aber vor allem freut sich Daniel Koch über den Zuspruch der Gäste, die ihm mit „Haltet durch“ immer wieder Mut machen.

Schleifer Wirt hofft zu Ostern auf richtig schönes Biergartenwetter

Zwölf verschiedene Pizzen sind der Renner im Außer-Haus-Geschäft der Gaststätte „Zur Schlangenkrone“ in Schleife. Bestellen kann man aus der kompletten Speisekarte jeweils 11 bis 14 und 17 bis 20 Uhr. Am Wochenende läuft es gut mit dem Essen „to go“, in der Woche eher schleppend. „Schleife ist ja nur ein kleiner Ort; da gibt es kaum Büros“, sagt Geschäftsführer Kamberi Kamber. Vor vier Jahren kam er mit seiner Familie aus Berlin, weil sie aufs Land wollten. Bereut habe den Schritt noch nie.Mit maximal zwei Monaten Lockdown hat Kamber gerechnet, aber nicht, dass es so lange dauern würde. Er beschäftigt drei Mitarbeiter voll und drei geringfügig. Entlassen musste er niemanden. Die seit Monaten geschlossene Pension werde in Familie geführt. Extra Mitarbeiter dafür hätte er nicht halten können. Der Außer-Haus-Verkauf hält das Unternehmen über Wasser. Der Chef der Schlangenkrone schaut nach Berlin: Schließlich habe der Bundeswirtschaftsminister versprochen, dass niemand vergessen wird. Die versprochene Hilfe sei wichtig, um Fixkosten decken zu können. Er hofft, Ostern öffnen zu dürfen. Allerdings sei Ostern diesmal sehr früh ... Ob das Wetter für Außengastronomie im Biergarten mitspielt? Kamber blickt dennoch positiv in die Zukunft: „Die Menschheit hat schon viele Pandemien überstanden. Wir werden auch das schaffen.“

Boxberger Gaststätte setzt auf Saisonstart am Bärwalder See

Der Betrieb in der Gaststätte fehlt. Da geht es Hagen Reinert nicht anders als anderen Wirten. Seit 1988 betreibt er die Gaststätte „Zum Findling“ in Boxberg. Dass er schon seit 20 Jahren Außer-Haus-Essen anbietet, rettet ihn durch die Corona-Zeit. Donnerstag bis Sonntag kann man über Mittag bestellen, Dienstag bis Sonntag auch am Abend. Etwa 60 Prozent der Aufträge liefert er ins Kraftwerk, alles andere zu Stammkunden, die schon immer bestellt haben. „Damit allein kann man noch nichts verdienen, aber wir konnten zum Glück unsere Kosten decken“, erklärt Hagen Reinert. Während in anderen Wintern mitunter Monteure aus dem Kraftwerk bei ihm übernachteten, hatte das Energieunternehmen wegen Corona diesmal darauf verzichtet. Somit waren die Einnahmen auch aus der Vermietung gleich Null. Am 1. April würde bei ihm (wie am Bärwalder See überhaupt) die neue Saison starten – mit verlängerten Öffnungszeiten der Gaststätte „Zum Findling“ und der Vermietung von Ferienwohnungen. Was daraus wird, ist derzeit noch völlig unklar. Seine Devise trotz allem: „Den Mut nicht verlieren!“

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