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Schokoladenmädchen mit Groove

In Weißwasser haben vier Frauen die Band „Zartbitter“ gegründet und rocken als Hobbymusikerinnen das Revier.

Die Frauenband „Zartbitter“ aus Weißwasser: Sandra Arlet (Mitte), Sandy Dahley, Juliane Friebel und Annelie Weser (von links nach rechts). Die Hobbymusikerinnen machen deutschsprachigen Pop-Rock, komponieren und texten ihre Songs selber und suchen zu
Die Frauenband „Zartbitter“ aus Weißwasser: Sandra Arlet (Mitte), Sandy Dahley, Juliane Friebel und Annelie Weser (von links nach rechts). Die Hobbymusikerinnen machen deutschsprachigen Pop-Rock, komponieren und texten ihre Songs selber und suchen zu © Sabine Larbig

Wenn montags im Hinterhaus im Kromlauer Weg in Weißwasser Musik ertönt, wissen die drei Kinder von Sandy Dahley, ihr Mann und selbst Kater Hugo, dass sie die nächste Zeit besser nicht stören. Dann sind auch die Familienrollen vertauscht, wenn Sandy mit drei weiteren Hobbymusikerinnen probt. „Zartbitter“ heißt ihre Band, die sie 2018 gründeten.

Musik für das und aus dem Revier

Seither komponieren, texten und proben die Mittdreißigerinnen zusammen im Studio bei Sandy. Ruhig geht es da nur beim Texten zu. Sonst wird kräftig in die Saiten gehauen, getrommelt, gesungen. Immer wieder und so lange, bis Sound und Text für alle stimmig sind.„Irgendwie konnten wir alle uns nie lösen vom Spaß am Musik-Machen“, erzählt Annelie Weser, die zu Schulzeiten am Gymnasium Weißwasser mit Sandy eine Band hatte. Auch Annelies Schwester Juliane hat an der 1. Mittelschule Weißwasser ihre eigene Band gehabt. Später, durch Ausbildung und Beruf, blieb allen keine Zeit mehr für die Bands. Auch, weil die Mädels Weißwasser verließen. Den Kontakt zueinander hielten sie jedoch. „Als wir alle wieder zurück in Weißwasser waren, kam uns spontan die Idee, mal wieder zusammen zu spielen“, erzählt Gitarristin Sandy. 

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Aus den musikalischen Treffen entstand wiederum der Wunsch nach einer gemeinsamen Band. Der fehlte aber noch eine Sängerin. Und so setzte sich Sandy mit Sandra aus Bad Muskau in Verbindung. „Sie sang auf meiner Hochzeit. Deshalb rief ich sie an und fragte, ob sie mit uns in einer Band mitmachen würde. Sie hat Ja gesagt. Na, und dann legten wir einfach los.“ Sieben eigene, deutschsprachige Pop-Rock-Songs hat die Band schon. Wie „Sommer im Revier“, eine lässig-groovige Liebeserklärung an die Heimat Lausitz, gepaart mit ironisch-optimistischem Blick auf Covid-19 und die Folgen. „Corona kann uns mal. Wir rocken den Sommer im Revier“ heißt es im Refrain des Songs, dessen selbst gedrehter und geschnittener Videoclip ebenso witzig-heimatverbunden ist wie der Text selbst.

Starke Frauen und Familien

Das war vor knapp drei Jahren. Seitdem rocken Sandy, Sandra, die auch Keyboard spielt, Schlagzeugerin Juliane und Bassgitarristin Annelie nicht nur im Probenraum, den eigenen Gärten oder in Grundstücken von Freunden. Sie absolvieren als Frauenband auch öffentliche Auftritte. Beispielsweise im Volkshaus-Garten und der Telux, wo „Zartbitter“ mit Bernadette La Hengst im Rahmen der Veranstaltungen zu „Modellfall Weisswasser“ mit dem „Bela Woda“-Lied – einer Hommage an Weißwasser – überraschte und für Aufhorchen und Begeisterung beim Publikum sorgte.

Seit letztem November ist es auftrittstechnisch wieder still um „Zartbitter“ geworden. Weil sie an neuen Songs feilten und das Motto „Musik muss Spaß machen und darf kein Stress werden“ leben. Immerhin sind die Frauen fernab der Bühne als Landschaftsarchitektin, Rechtsanwaltsfachangestellte, Vermessungsingenieurin und IT-Verfahrensentwicklerin tätig, haben Familien und Kinder. Ihr gemeinsames Hobby, Auftritte und Alltag vereinen ist oft nicht leicht. „Ohne die Unterstützung unserer Männer könnten wir uns als Band gar nicht ausleben“, sagt Sandy. Weil Partner und Kinder zudem die größten Fans und Kritiker der Band seien, würden ihnen zuerst neue Lieder vorgespielt. „Zum Schluss klingt aber meist jeder Song ganz anders. Das liegt daran, dass wir so lange proben, bis alle in der Band mit dem Ergebnis zufrieden sind“, verrät Sandra.

Wie die anderen Mädels ist auch sie froh, dass die Band seit diesem Juni wieder regelmäßig und gemeinsam Musik machen kann. „Da wir fast ein halbes Jahr keine Proben und Auftritte hatten, fangen wir leider fast bei Null an.“ Während Sandra ihre Stimme „ölen“ muss, kämpfen die anderen mit Muskelkater in Schultern, Armen und Händen oder fehlender Hornhaut an den Fingerspitzen. „Das ist nach so langer Pause normal. Wir sind ja nur Hobbymusikerinnen und keine Profis“, so Juliane.

Sie und ihre Bandkolleginnen haben sich in den letzten Monaten natürlich, wie andere Menschen auch, so ihre Gedanken zu Corona gemacht. Verarbeitet haben die Musikerinnen das Thema und ihre Gefühle in „Sommer im Revier“ und „Schwarze Krone“. „Mit «Schwarze Krone» wollen wir zudem die Message transportieren, dass die Leute ihre Stadt und Unternehmen unterstützen und so Weißwasser wieder beleben sollen, damit es keine ausgestorbene Stadt wie zu Corona-Zeiten wird“, umschreibt Annelie. „Wir sind gerade dabei, aus eigenen Videos, Fotos und Kurzclips ein Songvideo zusammenzuschneiden. Spätestens Anfang Oktober wollen wir es ins Netz stellen“, ergänzt Sandy, die wie alle Mädels an PC und Tontechnik fit ist. Die Technik hat sich die Frauenband erst im Sommer gekauft, um Songs und Videos selbst produzieren zu können. Professionelle Studios seien „viel zu teuer“.

Neues Jahr, neue Songs, neue Pläne

Aktuell feilt „Zartbitter“ am „Kumpel-Lied“. Auftritte, bekennen die Mädels, würden ihnen inzwischen ebenfalls fehlen. Sie hätten welche im November haben können. Die sagten sie aber ab, weil sie „erst wieder reinkommen“ müssten und „mehr eigene Songs für längere Auftritte und Konzerte“ bräuchten. Abgesehen davon würden sie noch eine Gitarristin und/oder Keyboarderin suchen. Ab Frühjahr 2021 wollen die Schokoladenmädchen mit Groove wieder durchstarten. Auch live. „Vielleicht bucht uns da jemand mal als Vorband oder einen Mädelsband-Abend. Das wären so Wünsche von uns.“

Bleibt nur noch die Frage zu klären, warum die Band „Zartbitter“ heißt. „Weil wir immer und überall Schokolade und Knabberei dabei haben“, so die einhellige Antwort. „Und es klingt doch auch gut.“

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