merken
PLUS Weißwasser

Das ist der neue Erlebniswelt-Chef

Michael Weihrauch aus Weißwasser setzt in Krauschwitz auf Trends und Netzwerke.

Michael Weihrauch aus Weißwasser (re.) löst Jörg Funda (2.v.r.) als Badchef ab. Der Wechsel wurde in der Ratssitzung verkündet.
Michael Weihrauch aus Weißwasser (re.) löst Jörg Funda (2.v.r.) als Badchef ab. Der Wechsel wurde in der Ratssitzung verkündet. © Joachim Rehle

Noch ist das Bad zu, wird die Corona-Zwangsschließung für Modernisierungen, Wartungen und kleinere Reparaturen genutzt, das neue Kassensystem erprobt. Es ermöglicht bei Wiedereröffnung künftig die separate Nutzung von Außenbecken und Volleyballplatz, bargeldlose Zahlung im ganzen Bad und kürzere Wartezeiten.

Wegen der Covid-Pandemie hatte das Badeparadies schon im Vorjahr fünf Monate geschlossen. Nun warten die Einrichtung mit Saunadorf, Gradierwerk, Solebecken, Wellnessbereich und Gastronomie sowie die Mitarbeiter erneut auf den Start. „Ich hoffe, dass im April wieder Gäste kommen dürfen“, sagt Michael Weihrauch. Er ist der neue Geschäftsführer der Erlebniswelt, löst den seit 2002 tätigen Vorgänger Jörg Funda ab. Grund für den Wechsel war vorigen November die Wahl Fundas zum hauptamtlichen Bürgermeister in Schleife.

StadtApotheken Dresden
Die StadtApotheken Dresden sind für Sie da
Die StadtApotheken Dresden sind für Sie da

Die StadtApotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Die Gemeinde Krauschwitz, einziger Badgesellschafter, schrieb daher den zu besetzenden Chefposten aus. 32 Bewerbungen gingen ein. Laut Bürgermeister Tristan Mühl führten Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren mit Kandidatengesprächen durch. Geeinigt habe man sich unter den letzten drei Kandidaten auf Weihrauch. „Die Herausforderungen sind groß. Wir freuen uns aber auf die Zusammenarbeit mit dem Neuen“, erklärte Mühl am Dienstag in der Ratssitzung.

Offizieller Chefwechsel verkündet

Hier wurde der Geschäftsführerwechsel amtlich vollzogen, Jörg Funda zum 28. Februar 2021 abberufen und Michael Weihrauch ab 1. März bestellt. „Wir danken Jörg für sein langjähriges Engagement, seine schlagkräftige Truppe und die geleistete Arbeit“, so Mühl nach dem offiziellen Akt. Auch Ex-Bürgermeister Rüdiger Mönch, heute aktives Mitglied im Förderverein Krauschwitzer Neißeland (der Pächter und Betreiber des Gletscherwelt-Spielplatzes neben dem Badgelände) würdigte Funda. „Wir haben viele Jahre viele Dinge im Gemeinderat durchgekämpft, insbesondere Finanzierungen und Modernisierungen im Bad, und viel erreicht. Bekanntheitsgrad und Besucherzahlen beweisen es.“ Mönch betonte, dass der Verein weiter das Bad unterstützen und Synergien mit dem Spielplatz schaffen wolle.

Zusammenarbeit und Kooperationen, weitere Ausrichtung auf Freizeitspaß für Familien und Gesundheitsvorsorge durch Saunalandschaft, Sole, Sportkurse – das alles sieht der neue Badchef als unverzichtbar an. „Hier müssen wir anknüpfen und ausbauen, weil diese Bereiche trotz sinkender Einwohnerzahlen Gewinn bringen.“ Er sei überzeugt, dass die Erlebniswelt so gute Chancen zur vollen Auslastung, Weiterentwicklung und Wirtschaftlichkeit habe. Die Fakten sprechen dafür. Trotz Corona. Noch im Oktober 2020 erklärte der Krauschwitzer Bürgermeister, dass das Bad keine Liquiditätsprobleme oder Mehrausgaben verursacht habe. Grund: Das Badteam setzte auf Kostenoptimierungen und moderate Preisanhebungen; zu Öffnungszeiten lagen die Besucherzahlen auf Höchstniveau; Rücklagen wurden möglich. Mit denen zahlte man Eigenanteile wie für die Anschaffung des neuen Kassensystems. Auch die Wartungskosten trägt nun das Bad, nicht die Gemeinde. Beantragt wurden zudem staatliche Corona-Hilfen zur Sicherung der Einrichtung und 20 Arbeitsplätze.

Dennoch braucht es mittel- und langfristig Ideen und Lösungen zur wirtschaftlicheren Betreibung. Das ist dem neuen Erlebniswelt-Chef klar, der Kooperationen mit regionalen Partnern und Netzwerken und Unterstützung durch Kreis und Land anvisiert. Nicht nur, weil der Strukturwandel dafür Möglichkeiten bietet. Auch, weil das verschuldete Krauschwitz seinen Schuldenberg abbauen und ab 2022 die Badzuschüsse auf 100.000 Euro im Jahr senken muss. Somit gilt für Badchef, Gemeinde, Aufsichtsrat, Gesellschafterversammlung und Räte ebenfalls, sich mit möglichen künftigen Betreibermodellen zu befassen.Zuerst aber muss sich Michael Weihrauch einarbeiten. Von Vorteil ist, dass sich der 33-Jährige mit Betriebswirtschaft auskennt, einst in der Logistikbranche und zuletzt als Projektcontroller im Bereich Kraftwerke der Leag arbeitete. Jobs, die Umgang mit Menschen, Kunden und Wirtschaftlichkeit voraussetzen. Und der Weißwasseraner hat Lust auf Herausforderungen, neue Wege. „Deshalb bewarb ich mich auf die Ausschreibung.“ Zudem will der ehemalige aktive Leichtathlet sich schnell ins Badteam integrieren, dafür sogar eine Befähigung zum Rettungsschwimmer ablegen, um „bei enger Personaldecke“ aktiv mithelfen und einsetzbar sein zu können. Bis es so weit ist, muss er alle Mitarbeiter, Badbereiche und Vorgänge kennen. „Es wird nicht leicht, aber ich bin bereit fürs Risiko.“

Mut zum Risiko für Problemlösung

Das war einst auch Jörg Funda, als er am 1. Mai 2002 als Badchef in Krauschwitz begann, nachdem es in dem zwei Jahre zuvor eröffneten und 21 Millionen Mark teurem Bau bereits Insolvenz und Geschäftsführerwechsel gab. „Die ersten vier Jahre habe ich nichts Privates ins Büro gestellt, da ich immer befürchtete, bald wieder weg zu sein“, erinnert sich Funda.Aber als gebürtiger Krauschwitzer habe er seit seiner Kinder- und Jugendzeit eine enge Verbindung zum Bad – damals noch ein Freibad, an dessen Stelle die Erlebniswelt entstand – gehabt. „Von da kenne ich noch viele Menschen, selbst Räte und Aufsichtsratmitglieder, mit denen ich als Erwachsener die Geschichte der Gemeinde und des Bades gestalten durfte. Trotz aller Schwierigkeiten hat es großen Spaß gemacht – ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“

Auch in und um Krauschwitz wird der Abschied von Jörg Funda bedauert. Mit ihm stieg die Akzeptanz der Einrichtung bei Einheimischen, polnischen Nachbarn, Touristen und Gästen bis aus 200 Kilometern Entfernung. Besuchten noch 2001 „nur“ fast 50.000 Gäste im Jahr das Badeparadies, waren es 2019 mit 90.000 fast doppelt so viele in der Einrichtung, die Funda und sein Team stets an Trends anpassten. Der Neubeginn heißt für Michael Weihrauch, in große Fußstapfen treten und sich beweisen zu müssen. „Ich traue ihm die Problemlösungen zu“, meint sein Vorgänger.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser