Weißwasser
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Freud und Leid mit dem Wassermann

Die Scheune des Schusterhofs in Trebendorf wurde zum Spielort des Lausitz Festivals. Erstmals.

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Der Siebtklässler Lennox aus Halbendorf hatte seinen großen Auftritt während der zweisprachigen Aufführung „Der Nix – Tanz mit dem Wassermann“ auf dem Schusterhof in Trebendorf. Die Zuschauer waren begeistert.
Der Siebtklässler Lennox aus Halbendorf hatte seinen großen Auftritt während der zweisprachigen Aufführung „Der Nix – Tanz mit dem Wassermann“ auf dem Schusterhof in Trebendorf. Die Zuschauer waren begeistert. © Jost Schmidtchen

Trebendorf. „Bei einer Generalprobe wird eigentlich nicht geklatscht“, konstatierte Frank Düwel, Autor des Stückes „Der Nix – Tanz mit dem Wassermann“ am Sonnabend. Auf dem Schusterhof in Trebendorf interessierte das jedoch niemanden. Die Besucher einer überaus gelungenen Generalprobe applaudierten am Sonnabend in der Scheune für die schauspielerischen, gesanglichen und tänzerischen Leistungen der Mitwirkenden. Erstmals war Trebendorf Spielort des Lausitz Festivals. Die Resonanz darauf war riesig, die Karten für die Premiere am Sonntag schon beizeiten weg. Deshalb gab es wegen der Nachfrage am Montag noch eine Zusatzvorstellung.

Mit dabei waren vom Sorbischen Folkloreensemble Schleife die Musiker Wolfgang Kotissek und Hanka Sarodnik mit Dudelsack und dreisaitiger Geige; den modernen Musikteil bestritt Wenzel Konjen. „Das Lausitz Festival fragte nach einer Inszenierung mit Inhalten sorbischer Kultur“, erzählt Frank Düwel. Ausgangspunkt dessen war die bereits erfolgreiche Zusammenarbeit mit Wolfgang Kotissek im Vorjahr bei einem Theaterstück über Strittmatter in Bohsdorf (ein daCapo gab’s 2022). „Diese Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Sorbischen Folkloreensembles Schleife habe wir nun fortgesetzt in Kooperation mit der neuen Bühne Senftenberg. Dort konnten wir sechs Wochen lang proben und dann noch eine Woche hier in Trebendorf“.

Der Inhalt des Stücks stimmte die Besucher nachdenklich: Der Wassermann ist in der Ober- und Niederlausitz mit ihren Flüssen, Bächen, Gräben, Teichen und Mooren allgegenwärtig. Als Sagengestalt greift er in das Leben der Menschen ein – mal als hilfreicher Geist, mal als quälender Dämon. Der Sage nach zieht der Nix, wie der Wassermann in dem Stück bezeichnet wird, die Menschen unter die nasse Oberfläche in die Untiefen des Wassers. Junge Menschen nehmen sie aber auch gerne mit in ihr Unterwasserreich für die Liebe. „Von der Lust und Gefahr zwischen den Menschen und Nixen“ erzählt der Autor Frank Düwel zweisprachig. Beispielsweise davon, wie sich junge Menschen und der Nix in der Scheune und bei der Spinte treffen. Es ist eine fröhliche Annäherung des Nix an den Menschen im Rhythmus der Herzen, die ihren Ausdruck im Tanz findet. Im Gegensatz dazu zeigt das Finale die grausamen Seiten des Nix: Er ist angeklagt, eine Mutter ermordet zu haben. In dieser Szene hatte Lennox seinen großen Auftritt. Der Halbendorfer besucht die Klasse 7b der Oberschule Schleife im 2+-Unterricht.

Das Bühnenbild von Hanna Lauch zeigte die geheimnisvolle Unterwasserwelt des Nix in beeindruckender Weise. Zudem wurde die gesamte Aufführung in der Dramaturgie von Hanka Rjelka und Maren Simoneit ins Halbdunkel der Schusterhof-Scheune versetz. Gekonnt umgesetzt wurde das Bühnengeschehen von den Schauspielern der Neuen Bühne Senftenberg, Catharina Struwe und Roland Kurzweg, sowie den freiberuflichen Tänzern Artha Jurowski und Etienne Aweh.

Mit der Aufführung von „Der Nix – Tanz mit dem Wassermann“ empfahl sich der Schusterhof als Spielstätte des Lausitz Festivals. Dieses begeistert auch in seiner vierten Auflage 2022 mit Kunst und Kultur an Austragungsstätten der Lausitz, die „entweder schon etabliert sind oder sich überraschend zu solchen mausern“, wie es von den Organisatoren hieß. Zu letzteren gehört ganz zweifelsfrei nun auch der Schusterhof in Trebendorf.

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