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Frühjahrsputz auf dem Campingplatz

Am Halbendorfer See gibt es viel zu tun – und kühne Ideen, mit Kohleausstiegsgeld das Erholungsgebiet aufzupeppen.

Geschäftsführer Lothar Ahr (links) und Mitarbeiter Dirk Siegemund haben alle Hände voll zu tun. Hecken werden beschnitten, Schneebruch und Totholz beseitigt. Die Sanitäranlagen müssen überprüft werden. In Vorbereitung der neuen Saison gibt es eine
Geschäftsführer Lothar Ahr (links) und Mitarbeiter Dirk Siegemund haben alle Hände voll zu tun. Hecken werden beschnitten, Schneebruch und Totholz beseitigt. Die Sanitäranlagen müssen überprüft werden. In Vorbereitung der neuen Saison gibt es eine © Joachim Rehle

Würden Sie im Winter am Halbendorfer See surfen? Zugegeben, das ist so etwas wie eine Vision. Ins Gespräch gebracht hat sie jetzt André Böhme in der Verbandsversammlung des Zweckverbands Erholungsgebiet Halbendorfer See. Für eine ganzjährige Nutzung stellt er sich ein Gebäude mit Surfwelle vor: mit einem Trampolinpark, Bowlingbahn und Imbiss – kurzum, einen Anziehungspunkt für die ganze Familie. „Es ist eine große Hausnummer“, dessen ist sich der Betreiber von Wake and Beach am Halbendorfer See sehr wohl bewusst. Er selber denkt über einen Hochseilgarten auf dem Wasser nach und hat Wasserfahrräder zum Testen bestellt.

Die Fördermillionen des Strukturwandelpakets eröffnen die nahezu einmalige Chance, diese Ideen oder zumindest einen Teil davon zu realisieren. Wenn es nach André Böhme geht, täten die Gemeinden des Zweckverbands als Betroffene im Bergbaugebiet gut daran, die Fördermittel in voller Höhe abzugreifen.

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Saison trotz Corona ausgeglichen

Dafür sei es aber wichtig, bald zu Potte zu kommen. Lieber heute als morgen solle man sich zusammensetzen, um sich klar darüber zu werden, was man tatsächlich will. Über den Strukturwandelfonds könnten sogar die planerischen Vorarbeiten abgebildet, sprich finanziert, werden. Für André Böhme steht fest: „Wenn wir den Tourismus voranbringen wollen, müssen wir größer werden.“ Das macht auch für den Schleifer Bürgermeister Jörg Funda (CDU) als Vorsitzendem des kommunalen Zweckverbands Sinn. Und dennoch bremst er André Böhme ein. „Er legt ein Tempo vor, dem wir als öffentliche Verwaltung nicht folgen können“, gibt er zu bedenken.

Das Jahr 2020 war auch für Touristiker in der Oberlausitz kein leichtes. Doch trotz des corona-bedingten verspäteten Saisonstarts weist die Statistik für das Erholungsgebiet am Halbendorfer See ein ausgeglichenes Ergebnis aus. „Eine gute Nachricht“, wie Jörg Funda betont. Es wurden 16.574 Tagesgäste zum Baden gezählt sowie 24.440 Übernachtungen auf dem Campingplatz, davon allein 8.190 im FKK-Bereich (2019: 6.912). Auf der Einnahmeseite stehen: 46.800 Euro Eintritt der Badegäste, 188.700 Euro für Übernachtungen, 39.100 Euro für die Vermietung von Bungalows sowie 27.200 Euro Parkgebühren, um nur einige Positionen zu nennen. Damit war es auch nach den Worten von Kämmerin Carmen Petrick „keine schlechte Saison“.

Mobilheimstandort hat Priorität

Während auf dem Campingplatz die Vorbereitung der neuen Saison begonnen hat, überdenken die Verbandsmitglieder, wie man das Erholungsgebiet am Halbendorfer See für die Zukunft aufpeppen könnte. Geschäftsführer Lothar Ahr muss da nicht lange überlegen. Die Erweiterung für den Mobilheimstandort wäre dringend. Und das nicht erst seit heute. „Seit zwei Jahren sind wir damit zugange, aber es gibt noch immer kein Baurecht“, erklärt er. Einzig in Deutschland sei das erforderlich, hatte er schon damals auf TAGEBLATT-Nachfrage erklärt. Dass es mit dem Vorhaben nicht vorwärtsgeht, nervt ihn sehr. Die vorhandenen Mobilheime sind ausgebucht. „Die Nachfrage ist so groß, dass wir absagen müssen“, bekräftigt er. Die alten Bungalows aus DDR-Zeiten aufzuarbeiten, bringe hingegen nichts. Ohne Baurecht aber ist die Aufstellung weiterer zehn geplanter Mobilheime nicht erlaubt. Es gibt auch keine Fördermittel. Bei 20.000 Euro pro Haus lagen die Kosten mal. Jörg Funda schätzt eher 30.000 Euro, was einen Investbedarf von insgesamt 300.000 Euro bedeuten würde.

Lothar Ahr benennt weitere Punkte. Ein neues Sanitärgebäude müsste her, da sich das alte weder erweitern noch verbessern lässt. Die schätzungsweise 400.000 Euro teure Investition wäre ein Kriterium für die Bewertung des Platzes mit einem Stern.

Wegen der vielen Seen ringsherum kämen weniger Badegäste, so dass man einen Teil des Textilstrands für Komfortplätze (mit Ver- und Entsorgung) nutzen könnte. Jedoch bräuchte es auch dafür ein kleines Sanitärgebäude. Nötig wäre ebenso ein neuer Spielplatz. Der jetzige ist zwar noch bespielbar, aber schon 25 Jahre alt ist. Seine Erneuerung würde 80.000 bis 100.000 Euro erfordern. Wegen der großen Nachfrage könnte der FKK-Bereich erweitert werden. Und auch dafür wäre ein zusätzliches Sanitärgebäude erforderlich, womit dann aber auch dort die Möglichkeit bestünde, für FKK-Fans Komfortplätze auszuweisen. Und grundsätzlich müsste die Versorgung für alle Gäste verbessert werden. Das wünschen sich die Camper sehr.

Der Trend, Urlaub in Deutschland zu machen, hält unvermindert an. Deshalb sollte man das Geschäft nicht aus der Hand geben. Darin ist man sich in der Verbandsversammlung einig. In diesem Jahr möchte die Gemeinde Schleife mit der Erneuerung des Parkplatzes beginnen.

Was die Kohleausstiegsgelder angeht, da sei man noch nicht so weit, ein Projekt bei der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung (SAS) einzureichen. „Wenn wir sportlich sind, schaffen wir es im nächsten Schritt“, sagt Funda. Das bedeute: Baubeginn nicht vor 2022! Erst einmal aber käme es auf das Geschick an, die Vorstellungen von Campingplatz, André Böhme und der Gemeinde übereinanderzulegen. „Wenn es ein Wurf sein soll, dann soll es auch ein großer sein. Solche Chancen kriegen wir nicht wieder“, betont der Bürgermeister. Und müsse man links und rechts gucken, was die Nachbarn machen, etwa am Waldsee Groß Düben. Erste Gespräche gab es mit TGG und Kreisentwicklungsamt. „Egal, wie man es anpackt – es geht immer um nicht unerhebliche Summen.“

Für Kommunen kaum Spielraum

Für den Groß Dübener Bürgermeister Helmut Krautz (SPD) ist vor allem eins wichtig: „Die Maßnahmen müssen sich selber tragen. Man kann es vergessen, dass die kommunalen Haushalte das finanzieren können.“ Auch die Gemeinde Schleife kann es sich nicht leisten, in Größenordnungen Investitionen nachzuschieben. André Böhme beziffert den Finanzbedarf für die Vorschläge mit 2,5 Millionen Euro (ohne Surfhalle). Was bei einer Förderung aus dem Strukturwandelpaket 250.000 Euro Verbands-Eigenanteil bedeuten würde. Über branchenübliche Mieten wäre das in zehn Jahren refinanziert, sagt er. Und Ires Fercho (WV Groß Düben) ermuntert: „Ein bisschen Mut muss man haben, sonst nimmt man der Jugend die Perspektive.“

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