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Gablenz schmückt nun ein Schwibbogen

Seit Freitag steht der riesige Lichterbogen vorm Gemeindeamt. Am heutigen 4. Advent soll er erstmals leuchten.

Peter Weszkalnys (li.) und Holger Schiffner gehörten zu jenen, die mit als Erste den in Gablenz aufgestellten Schwibbogen bewunderten.
Peter Weszkalnys (li.) und Holger Schiffner gehörten zu jenen, die mit als Erste den in Gablenz aufgestellten Schwibbogen bewunderten. © Joachim Rehle

Gablenz. Er war kaum aufgebaut, da sorgte er auch schon für Aufsehen. Fast jeder Autofahrer verlangsamte seine Fahrt, um einen näheren Blick auf den Schwibbogen zu werfen. Auch Holger Schiffner machte auf dem Weg zu Barthels Hof, wo er gemeinsam mit Peter Weszkalnys angelieferte Kohle in den Keller schippen wollte, eigens einen Umweg mit dem Rad, um sich den Schwibbogen anzusehen. Er sieht wirklich toll aus und ist was Besonderes. „Wird er noch beleuchtet?“, fragte er seinen Begleiter Peter Weszkalnys. „Ja, das wird er“, antwortete der Gemeinderat, bevor die beiden Mitglieder des Heimatvereins weiter zu Barthels Hof fuhren.

Sorbische Motive als Schmuck

Dieses historische und sanierte Gebäude gehört, neben der evangelischen Kirche, der Puschtina-Brücke und einem Maibaum, zu den ortstypischen Motiven, die den Schwibbogen zieren. Selbst der Ortsname Gablenz findet sich hier in sorbischer und deutscher Sprache. Immerhin ist das „Apfeldorf“, wie Gablenz übersetzt bedeutet, sorbischen Ursprungs. Davon zeugen noch heute viele Straßennamen, Flurbezeichnungen, Gebäude oder gelebte Traditionen wie das Maibaumstellen.

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Und weil all dies der Lichterbogen vereint, steht er nun ganzjährig auf der Wiese vorm Gemeindeamt: als Hingucker, touristischer Botschafter und Schmuck in der Ortsmitte. Beleuchtet wird der rund zwei Meter hohe und knapp vier Meter breite Bogen jedoch ausschließlich in der Weihnachtszeit. Eine Reminiszenz an das erzgebirgische Vorbild, das dort seit dem 18. Jahrhundert zur Weihnachtstradition gehört. Der erzgebirgische Schwibbogen vereint uralte erzgebirgische Weihnachtsbräuche, die Verkörperung bergmännischen Gedankengutes und das Illuminieren, die bewusste Darstellung des Lichtes als Ausdruck der Wärme, Geborgenheit und Friedenssehnsucht. Mit Licht den Zechenheiligabend und in fröhlich-besinnlicher Runde die Mettenschicht feiern: das war für die Bergleute aber schon davor Brauch. Der alten Sitte des Schenkers zur Weihnachtszeit folgend, verehrte der Bergschmied seiner Knappschaft einen Weihnachtsleuchter aus Eisen, den er in Anlehnung an den Stützbogen in der Architektur, wie er auch in bergmännischen Stollenausmauerungen angewandt wurde, „Schwebebogen“, heute eben umgangssprachlich „Schwibbogen“, nannte.

Die Idee wurde „abgeguckt“

Nun haben Bergleute zwar nichts mit Gablenz zu tun. Doch Schwibbögen unterschiedlicher Größe und Gestaltung finden sich heutzutage überall in Deutschland und der Welt und längst nicht mehr nur auf Fensterbänken. Ein Grund, weshalb die Firma Meister Stahlbau aus Schwarze Pumpe inzwischen riesige Lichterbögen aus Stahl und mit Farbanstrich herstellt. Ganz nach Wunsch der Kunden. „Für Gablenz dort so einen Bogen zu bestellen, kam als Idee auf, weil ein Ausschussmitglied in der Firma arbeitet, uns irgendwann davon erzählte und Bilder von einem Schwibbogen in Dörgenhausen bei Hoyerswerda zeigte“, schildert Bürgermeister Dietmar Noack. „Die Variante gefiel uns so gut, dass wir uns als Gemeinde für einen Auftrag für einen Schwibbogen mit Gablenzer Motiven entschieden.“

Und weil der rund 500 Kilo schwere und auf drei Fundamenten stehende Ganzjahres-Schwibbogen ausschließlich sorbische Motive enthält, konnte er sogar über ein Programm des Sächsischen Staatsministeriums des Innern finanziert werden, welches die Umsetzung der Zweisprachigkeit und die aktive Pflege der sorbischen Sprache fördert. Die rund 4.500 Euro Kosten musste die Kommune somit nicht aufbringen. Lediglich die Kosten für die Beleuchtung waren/sind zu zahlen.

Da der Gablenzer Schwibbogen erst gestern aufgestellt wurde, leuchtet er am 4. Advent, also am morgigen Sonntag, offiziell das erste Mal und dann bis voraussichtlich mindestens 6. Januar. In den kommenden Jahren wird der Schwibbogen natürlich mit Beginn der Adventszeit echte Weihnachtsstimmung und Lichterglanz in Gablenz verbreiten und Einwohner sowie Besucher erfreuen.

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