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Rechenzentrum soll Kommunen zukunftsfit machen

Die Idee ist von Krauschwitz, Weißwasser und Rietschen ziehen mit. Es geht um Arbeitsplätze und Alltagslösungen.

So etwa könnte das Rechenzentrum Krauschwitz aussehen. Ein kleiner Bau mit großer Wirkung für die Region.
So etwa könnte das Rechenzentrum Krauschwitz aussehen. Ein kleiner Bau mit großer Wirkung für die Region. © Gemeinde Krauschwitz

Krauschwitzer Plan ist es, mit Kohlegeldern ein Rechenzentrum zu errichten. Das hört sich wenig innovativ an. Doch mit der Dienstleistungseinrichtung für Verwaltung, Schule(n), Unternehmen und Einwohner will Krauschwitz auf allen Ebenen den Sprung ins digitale Zeitalter schaffen. Und das Rechenzentrum soll Arbeitsplätze erhalten sowie neue schaffen.

Auf dem Wege zur „Smart City“„Es geht es also nicht nur darum, die steigenden Datenmengen in der Gemeindeverwaltung technisch und personell zu bewältigen“, unterstreicht Bürgermeister Tristan Mühl. „Es geht auch um Themen wie Telemedizin, die durch Ärztemangels im ländlichen Raum immer mehr an Bedeutung zunimmt; um leistungsfähige IT-Technik für bestehende und neue Firmen diverser Branchen und mehr.“ Gemeint sei, so Mühl, auch der relativ junge Sammelbegriff „Smart City“. Mit dem werden Ideen und Konzepte für Städte und Gemeinden beschrieben, die durch Einsatz modernster Technologie effizienter, klimaschonender, lebenswerter werden sollen. Dafür braucht es wiederum Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und Infrastrukturen, die durch hochintegrierte und vernetzte Informations- und Kommunikationstechnologien gestützt werden. „Die Basis dafür kann und soll das Rechenzentrum sein“, sagt Mühl.

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Ein normaler Zweigeschosser

Vorgesehen ist es auf einer rund 5.000 Quadratmeter großen Fläche im Ortskern. „Es wird kein Riesengebäude. Nur ein normale Zweigeschosser“, beschreibt Mühl das Vorhaben, mit dem er sich schon lange intensiv beschäftigt. Auch, weil das Rechenzentrum zu den wichtigsten Strukturwandelprojekten der Gemeinde zählt und im beschlossenen Entwicklungskonzept von Krauschwitz verankert ist. Mit dem Zentrum, erklärt Mühl – der vor seiner Wahl in der IT-Branche tätig war –, könnten anfangs 18 neue Arbeitsplätze entstehen. Je nach Bedarf und Entwicklung sei eine dreistellige Zahl möglich. Und Mühl geht von einer Sogwirkung aus. „Wenn es das Rechenzentrum gibt, werden sich auch IT-Firmen in unserer Gemeinde ansiedeln.“ Das Zentrum steht in Zusammenhang mit einem weiteren Ziel des örtlichen Entwicklungskonzepts: der Spezialisierung der Oberschule auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Kommunikationstechnik. Mit dem so genannten MINT-Profil will und soll die Schule für Facharbeiternachwuchs in Krauschwitz er Firmen sorgen.

Noch ist das Rechenzentrum ein Wunschprojekt, noch stehen Kosten und Machbarkeit nicht fest. Doch schon 2022, so die Hoffnung, sollen dem Begleitausschuss, der im sächsischen Kohlerevier eingereichte Förderanträge bewertet und je Entscheidung an den Bund weiterleitet, Machbarkeitsstudie, Grobkosten und mögliche Betreibermodelle vorliegen. Als fachlichen Begleiter und Unterstützer der Studie hat sich Krauschwitz die kreisliche Entwicklungsgesellschaft ENO, speziell deren für Kommunen und Firmen unentgeltlich arbeitendes Strukturwandel-Task-Force-Team, ins Boot geholt. Das arbeitet mit Experten der Firma Grantiro zusammen, die sich vom klassischen Firmensanierer zum Spezialisten für Geschäftsmodelle von morgen und innovative Transformationsprozesse entwickelte und im Landkreis Görlitz offiziell im Strukturwandelverfahren „Vitalisierungsprozess“ tätig ist. Mit ENO und Grantiro an seiner Seite hofft Krauschwitz auf den Zuschlag für das Rechenzentrum und weitere Strukturwandelprojekte. Dafür stimmte der Gemeinderat am Dienstag einer Willensbekundung zur Zusammenarbeit mit der Task-Force zu.

Nachbarn haben Interesse bekundet

Indes haben schon Nachbarkommunen Interesse am Rechenzentrum bekundet, wollen es mit nutzen, davon profitieren. So will Weißwasser beispielsweise ein baugleiches Zentrum errichten. Als Backup, falls Krauschwitz mal ausfällt, um Daten zu sichern. Und die Stadt will damit die eigene Digitalisierung voranbringen.

Dritter Partner im Betreiber- und Nutzerbund will Rietschen sein. Laut Bürgermeister Ralf Brehmer passe das Projekt ideal ins energetische Konzept „Klimaneutrale Kommune Rietschen“. Geplant sei daher, im örtlichen Ex-Glaswerk einen auf Elektrolyt-Basis arbeitenden Stromspeicher zu errichten. „Die großen Flüssigtanks brauchen Platz. Ihr Vorteil ist aber die Befüllung aus umweltverträglichen Abfallstoffen der Holzindustrie.“ Mit dieser grünen Energie könne das Zentrum in Krauschwitz mit Strom versorgt und Strom gespeichert sowie ins öffentliche Netz gespeist werden. „Wir arbeiten schon mit Windenergieunternehmen, der Hochschule Zittau/Görlitz und unserem Energieversorger zusammen. Noch sind nicht alle technischen Details geklärt“, bekennt Brehmer. Aber er ist optimistisch, dass das Projekt gefördert wird. Zum einen, da die Machbarkeitsstudie nun auf den Weg komme. Zum anderen wegen der vielen Nutzungsmöglichkeiten. „Nicht nur durch digitale Umstellung, Archivierung und Serviceleistungen werden Datenmengen immer größer. Auch medizinische Einrichtungen und Praxen könnten über ein Netzwerk medizinische Daten austauschen, was Bürgern zusätzliche Wege und Untersuchungen erspart. Selbst regionale Rettungsdienste müssen immer mehr mit Geodaten von Kartenmaterial bis Standorten von Hydranten und Feuerlöschern arbeiten“, begründet er seine Zuversicht.

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