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Weißwasser

Zuversicht und Freude für Einsame

20 Menschen engagieren sich im Besuchsdienst der evangelischen Kirche Weißwasser.

Kerstin Bittner aus Klitten erläutert den Ehrenamtlichen des Besuchsdienst biblische Düfte und Öle. Das diesjährige Treffen stand unter dem Leitmotiv „Tu´ Deiner Seele Gutes. Damit der Körper Lust hat, darin zu wohnen“.
Kerstin Bittner aus Klitten erläutert den Ehrenamtlichen des Besuchsdienst biblische Düfte und Öle. Das diesjährige Treffen stand unter dem Leitmotiv „Tu´ Deiner Seele Gutes. Damit der Körper Lust hat, darin zu wohnen“. © Andreas Kirschke

Weißwasser. Um biblische Düfte und Öle geht es im Seminar. „Weihrauch steht sinnbildlich für unser Gebetsleben… Myrrhe steht für Jesu Leiden am Kreuz, für unsere eigene Endlichkeit und Begrenztheit… Narde war das am weitesten verbreitete, meist genutzte, kostbarste Öl. Das Nardenöl verleiht seelische Stabilität, wo Standhaftigkeit gefordert ist. In der Bibel steht dazu die Geschichte von der Sünderin, die Jesus die Füße salbt“, erläutert Kerstin Bittner aus Klitten am Sonnabendmorgen in der Evangelischen Kreuzkirche Weißwasser. Gespannt hören Ehrenamtliche des Besuchsdienstes der ärztlich geprüften christlichen Gesundheitsberaterin zu.

„Der Besuchsdienst ist wichtiges Bindeglied zwischen Kirche und Gemeindegliedern. Er gibt Ermutigung, Trost, Stärkung und Beistand“, sagt Diakonin Marita Friebel. Seit 1999 ist sie in der Seniorenarbeit der Gemeinde aktiv. Seit 2007 engagiert sie sich mit in der Krankenhaus-Seelsorge. In der Gemeinde organisiert sie zugleich den Besuchsdienst.

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Manche Besuchte wundern sich

„Insgesamt 20 Ehrenamtliche bringen sich ein“, sagt sie. „Es gibt zwei Gruppen. Die einen besuchen mit dem Pfarrer regelmäßig Gemeindeglieder zu Geburtstagen. Die anderen besuchen regelmäßig Senioren zu Hause oder in Pflegeheimen.“ Gerade der Besuchsdienst, so betont sie, ist wichtig für ältere Menschen in Trauer, in Krankheit und in Einsamkeit. Oft sind die Besuchenden selbst bereits hochbetagt. Umso beachtlicher ist ihr Engagement.

Manche der Besuchten haben kaum noch Bezug zum Glauben. Umso mehr erstaunt und verwundert sind sie, wenn Kirche sich auf den Weg zu ihnen macht. „Wer einmal mit Menschen gearbeitet hat, kann nicht damit aufhören“, meint Luise Noack (78). Im Rentnerkreis, im Haus-Bibelkreis und im Besuchsdienst engagiert sie sich. Gelernt hat sie Krankenschwester. Später war sie Fürsorgerin für Rehabilitation in der Behindertenarbeit. Zuletzt arbeitete sie in der Kreisstelle für ärztliches Begutachtungswesen zur Rehabilitation. Seit ihrer Jugend steht sie fest im Glauben. Im Besuchsdienst geht sie einmal im Monat zu einer 83-Jährigen und einer 94-Jährigen im Betreuten Wohnen in der Hegelpromenade Weißwasser. Im März, April – zu Corona-Beginn – war Besuchsdienst oft nur telefonisch möglich. „Wir haben an die zu Besuchenden Briefe geschrieben, wir haben Blätter für Hausgottesdienste verteilt. Der Geburtstagsgruß war oft nur am Fenster oder an der Sprechanlage der Haustür möglich“, sagt Martin Zinkernagel, seit 2013 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Weißwasser.

Die Älteste ist 84

Der Besuchsdienst ist in der Kirchengemeinde unverzichtbar. „Er ist Kontaktpflege auf Augenhöhe mit den Senioren. Er ist Entlastung für mich als Pfarrer. Er ist Wertschätzung für die Älteren“, sagt der Pfarrer. Jährlich sind allein 250 bis 300 Geburtstagsbesuche für Gemeindeglieder ab 80 Jahren zu organisieren. Älteste im Besuchsdienst ist Anneliese Lepsa (84). Jüngste im Besuchsdienst ist Silvia Wobst (58). Nicht zu kurz darf der Humor kommen, meint Heinz Willi Richter (80). Gelernt hat er Dreher. Später leitete er im Bau- und Montagekombinat Boxberg die Abteilung Material-wirtschaft. Im Besuchsdienst der Kirchengemeinde geht er regelmäßig zu zwei Bewohnern im Pflegeheim Kursana.„Ich höre viel zu. Ich muntere sie auf, heitere sie auf“, sagt Heinz Willi Richter. „Wir reden viel über frühere Zeiten. Dann blitzt Erinnerung auf. Besuchsdienst heißt für mich: ganz konkret Dienst am Menschen leisten.“ (Andreas Kirschke)

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