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Macht Polen die Grenze wieder dicht?

Das Gerücht folgt den steigenden Coronazahlen. Im Landkreis Görlitz wächst die Nervosität.

Bilder von der geschlossenen Grenze zwischen Bad Muskau und Łeknica sind noch so präsent wie Dramen, die sich in getrennten Familien auf der Brücke abspielten.
Bilder von der geschlossenen Grenze zwischen Bad Muskau und Łeknica sind noch so präsent wie Dramen, die sich in getrennten Familien auf der Brücke abspielten. © Sabine Larbig

Landkreis/Stadt Görlitz. Es war eine seltsame Stimmung am 14. März 2020, kurz vor 24 Uhr. Ein paar Pressevertreter hatten sich an der Görlitzer Stadtbrücke versammelt. Vereinzelt fahren noch Autos von Görlitz nach Zgorzelec, bevor Punkt Mitternacht polnische Grenzschützer Baken auf der Brücke aufstellen. Damit war die Grenze zu. So ähnlich passierte es auch in Bad Muskau, im Fürst-Pückler-Park, in Podrosche und allen Grenzübergängen nach Polen: als Schutzmaßnahme wegen der Fallzahlen auf deutscher Seite.

Nun geht erneut die Angst um, das Szenario könnte sich wiederholen. Grund sind die Corona-Fallzahlen in Deutschland und Polen. Wegen ihnen gelten in Polen nun landesweit die Regelungen der gelben Stufe. Dazu zählt die Maskenpflicht im öffentlichen Raum, auch im Freien. Daran müssen sich ebenfalls Besucher auf dem Markt in Łęknica oder Spaziergänger im polnischen Teil des Muskauer Parks halten. Aber die Grenzen sind auf. Anders als im Frühjahr, als bewaffnete polnische Grenzschützer sogar an der Englischen Brücke und der Doppelbrücke im Welterbepark Tag und Nacht hinter den Absperrungen standen.

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Kretschmer: "Alle haben sich die Finger verbrannt"

„Glauben Sie, dass sie die Grenzen wieder dicht machen?“, fragt ein polnischer Händler in Łęknica eine deutsche Kundin. „Das wäre schlecht“, antwortet sie. „Nicht nur das. Es wäre eine wirtschaftliche Katastrophe“, sagt der Händler. Solche und ähnliche Gespräche sind jetzt oft auf dem polnischen Markt, in Tankstellen, Gaststätten und bei Friseuren zu hören. Auch auf deutscher Seite herrscht Unsicherheit bei Unternehmen, Bürgern, Kunden und Touristen. Die Angst vorm zweiten Lockdown ist auf beiden Seiten groß, seit es in Polen rote Zonen gibt. Die gelten für knapp 40 Regionen und Städte, allerdings keine unmittelbar an der sächsischen Grenze.

Trotzdem geht Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nicht von einer erneuten Grenzschließung aus, wie er bei einer Visite in Polen jüngst laut Nachrichtenagentur dpa sagte: „Ich glaube, es haben sich alle hier ordentlich die Hände daran verbrannt und versuchen, eine Lösung zu finden, die ohne das auskommt.“ Tatsächlich hatte die Grenzschließung vom März deutlich spürbare Auswirkungen auf beiden Seiten. Und Kretschmer erklärte via Facebook: „In Sachsen sind wir uns einig: Die Grenzen zu Polen und Tschechien bleiben offen. Wir wollen keinen zweiten Lockdown!“ Dies gilt auch für Polen. Dort gäbe es auch keine Grenzschließung-Diskussion, erklärte Bartosz Grodecki, stellvertretender Leiter des polnischen Ministeriums für Inneres und Verwaltung, auf Anfrage im Portal „Polen Inside“. Man habe nicht vor, zu Kontrollen an den Binnengrenzen zurückzukehren und hoffe, das bleibe auch so.

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Gehofft wird dies auch in Bad Muskau und Łęknica. „Ich kenne die Schließungsgerüchte. Doch erst am Wochenende traf ich meinen Amtskollegen aus Łęknica und sprach mit ihm. Piotr Kuliniak versicherte, dass es derzeit kein Thema sei“, so Bad Muskaus Bürgermeister Thomas Krahl zu Tageblatt. Vielmehr setze, seines Wissens nach, die polnische Seite darauf, dass Deutschland nicht seine Grenzen schließt. Denn, so Kuliniak kürzlich in Tageblatt, allein der Markt in Łęknica bringe 30 Prozent der Jahressteuereinnahmen. „Eine zweite Grenzschließung verkraften wir nicht.“

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