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Tierpark Weißwasser klagt gegen Schließung

Mit einem Eilantrag beim OVG Sachsen soll die erneute Schließung des Tierparks ausgesetzt werden. In Niedersachsen hat das funktioniert.

Gestatten: Casper! Der 10-jährige Karpatenluchs ist der lang ersehnte Neuzugang im Tierpark Weißwasser.
Gestatten: Casper! Der 10-jährige Karpatenluchs ist der lang ersehnte Neuzugang im Tierpark Weißwasser. © Tierpark

Seit gestern ist der Tierpark in Weißwasser wieder geschlossen. Der Landkreis Görlitz hatte das am Sonntag mit einer Corona-Allgemeinverfügung auf Grund der Inzidenzzahlen angeordnet. Dagegen haben am Montag die Zoos von Weißwasser und Zittau in einem Eilantrag beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen Klage erhoben. „Wir haben beantragt, die inzidenzabhängige Schließung zu streichen und die fortwährende Schließung außer Vollzug zu setzen“, bestätigt Tierparkchef Gert Emmrich.

Tierparks wollen Einordnung wie Parks

In der Begründung heißt es, dass Zoos und Tierparks nicht mit Theatern, Museen und Galerien vergleichbar, sondern auf einer Stufe mit Wäldern und Parks zu sehen sind. Und ein Spaziergang an frischer Luft sei ja nicht verboten. Zudem gebe es keine nachgewiesene Corona-Infektion durch einen Zoobesuch. „Was wir probieren konnten, haben wir mit rechtsstaatlichen Mitteln versucht“, sagt der Tierparkchef in Weißwasser, der sich mit seinem Amtskollegen in Zittau einig ist. Der Görlitzer Tierpark hatte sich dieser Klage nicht angeschlossen. Aus internen Gründen, wie es hieß.

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Seit langem argumentiert die Deutsche Tierparkgesellschaft (DTG), Deutschlands mitgliederstärkster Zooverband, dass die Tierparks gute Hygienekonzepte, Platz und viel frische Luft haben. Dieser Argumentation ist jetzt der 13. Senat des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts gefolgt. Mit drei Eilentscheidungen vom 19. März 2021 bestätigte er die Auffassung vollumfänglich. Nach Ansicht des Niedersächsische OVG sei eine Schließung als Infektionsschutzmaßnahme nicht mehr erforderlich und auch nicht mehr angemessen.

Das Infektionsrisiko bei Aufenthalten im Freien sei von vornherein vergleichsweise gering und könne durch mildere Maßnahmen als eine Schließung hinreichend effektiv reduziert werden. Benannt sind all jene Maßnahmen, wie sie auch in den Tierparks in Sachsen seit dem Vorjahr längst umgesetzt werden. Das OVG hat die Corona-Verordnung des Bundeslandes Niedersachsen hinsichtlich der Zoos und Tierparks außer Kraft gesetzt. Sie dürfen auch dann öffnen, wenn die Inzidenz im jeweiligen Landkreis über 100 liegt – unter der Bedingung, dass die Hygienekonzepte eingehalten werden.

Für Gert Emmrich, der auch Präsident der DTG ist, hat das Urteil Signalcharakter. „Es sollte für die anderen Bundesländer wegweisend sein. Wir vertrauen darauf, dass die Erkenntnisse in den anstehenden Verordnungen berücksichtigt werden“, erklärt er. Ausdrücklich betont der Tierparkchef, dass sich der Eilantrag beim OVG Sachsen gegen den Freistaat richtet, nicht aber gegen die Corona-Schutzvorschriften an sich. Der Zoo habe alle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mitgetragen und tue das auch weiterhin. Das sei man Mitarbeitern und Besuchern schuldig.

Zoos sollen "Ventil" für die Menschen sein

Ziel des Antrags beim OVG Sachsen sei, „die Zoos als ein Ventil für die Menschen offenzuhalten“. Zudem wollen die Tierparks in Weißwasser und Zittau eine Gleichbehandlung erreichen. Andere Zoos – wie der in Hoyerswerda – haben geöffnet, die im benachbarten Brandenburg sowieso. Das führe zu einem Zootourismus, der nicht gewollt sein kann und wie ihn auch das OVG Niedersachsen durch einheitliche Öffnung der Tierparks verhindert wissen möchte.

Am 15. März durfte der Tierpark Weißwasser nach viermonatiger Schließung wieder öffnen. Zu den auferlegten Hygienevorschriften gehört unter anderem, dass sich nicht mehr als 400 Besucher gleichzeitig im Zoo aufhalten dürfen. Auf die Fläche berechnet, könnten sogar 800 Leute rein. Mit den erlaubten 400 habe man einen Puffer. „Ich wäre froh, wenn wir mal so viele Gäste hätten“, relativiert Gert Emmrich die Vorgabe. Beim Mindestabstand von 1,5 Metern müssten zwei Quadratmeter pro Person Platz sein; im Tierpark sind es zehn Quadratmeter. Auch das sei großzügig – für den Fall, dass Besucher doch mal etwas länger vor einem Gehege verweilen.

So viele Kinder wie am Montag waren im Tierpark Weißwasser noch so gut wie nie – und alle waren glücklich. „Die Zoos haben eine wichtige Funktion für den sozialen Ausgleich. Die Woche hat gezeigt, dass das dringend notwendig ist“, erklärt Emmrich. Die Leute wollen und müssen raus, ist sein Eindruck. Obwohl in der Vorwoche recht ekliges, also absolut kein Zoowetter war, stieg die Zahl der Besucher auf das bis zu Fünffache im Vergleich zum Normalbetrieb. Damit war der Tierpark Weißwasser gut, beim schönen Wetter am Wochenende sogar sehr gut besucht. Alle Gäste, die sich vorher anmelden und Kontaktdaten hinterlegen mussten, verhielten sich diszipliniert, obwohl das Warten an der Kasse erheblich länger dauerte.

Tierpark begrüßt Neuzugang

Wer dieser Tage im Tierpark war, konnte den Neuzugang beobachten. Der zehnjährige Luchs namens Casper wurde im französischen Mulhouse geboren und lebt seit dem 24. Februar in Weißwasser. Der Karpatenluchs, eine Unterart des europäischen Luchses, gilt als gefährdete Art. Der Zoo wurde ins europäische Zuchtbuch aufgenommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der bildschöne Kater eine Partnerin – und hoffentlich Nachwuchs – bekommt.

Besucher werden den Luchs vorerst nicht bewundern dürfen. Denn bis zu einer Entscheidung des OVG Sachsen bleibt der Tierpark Weißwasser geschlossen. „Ich hoffe, dass über unseren Eilantrag schnell entschieden wird“, sagt Gert Emmrich. Bis Dienstagmittag war das noch nicht der Fall. Man darf also gespannt sein, wann das OVG Sachsen reagiert – und vor allem, wie.

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