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Trommelwirbel zum verspäteten Jubiläum

Die Brüder-Grimm-Schule Weißwasser feiert mit heißen Rhythmen. Dabei wäre ihr 100. Geburtstag schon 2020 gewesen.

Zum 100-jährigen Bestehen war das Schulhaus liebevoll geschmückt. Jetzt könne man den Kindern das Jubiläum aber nur noch schwer vermitteln, es liege zu lange zurück, weiß Schulleiterin Ilona Schindler. Gefeiert wird trotzdem.
Zum 100-jährigen Bestehen war das Schulhaus liebevoll geschmückt. Jetzt könne man den Kindern das Jubiläum aber nur noch schwer vermitteln, es liege zu lange zurück, weiß Schulleiterin Ilona Schindler. Gefeiert wird trotzdem. © Joachim Rehle

Sie sind nicht zu überhören, die afrikanischen Rhythmen in der Brüder-Grimm-Schule in Weißwasser. Angefeuert von David Frick schlagen die Mädels und Jungs der 1. bis 4. Klassen auf die vor ihnen stehenden kleinen Djembé-Trommeln. Der Musiker von der Argandona Trommelwelt aus Köln versteht es, die Kinder mitzureißen. „Man weiß ja nicht, was einen in einer Förderschule erwartet“, waren seine anfänglichen Bedenken. Doch die sind ganz schnell weggetrommelt. „Wir haben keinen Lehrauftrag. Wir wollen mit den Kindern eine schöne Zeit erleben und ihnen quasi durch die Hintertür etwas mitgeben“, erklärt er. Die Kinder machen so toll mit, dass selbst David Frick ein bisschen aus der Puste gerät. Die Pause haben sich alle verdient.

Ein paar Räume weiter versuchen acht Schüler, ihre Gefühle zu Papier zu bringen. Unter Anleitung von Joshua Wulf soll daraus ein Rap werden. Die 15-jährige Lucy, die auf Hiphop steht, findet die Abwechslung Klasse. „Ich bin sehr klug und smart – und habe immer noch keinen Bart“, heißt es indes bei Matteo (12) und Ramirez (15). Zu rappen, das macht den Jungs Spaß. „Weil man kreativ sein kann“, wie Ramirez begründet. Froh ist der Achtklässler aber, dass sein Rap aufgenommen und später abgespielt wird und er ihn nicht beim Abschlusskonzert selber vortragen muss.

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Nachgeholte Festwoche

Der Trommelworkshop ist Teil einer Festwoche, die jetzt in der Brüder-Grimm-Schule in Weißwasser gefeiert wird. Einst als Hilfsschule gegründet, hätte die Einrichtung nunmehr als Schule zur Lernförderung im Vorjahr ihren 100. Geburtstag gehabt. Schon 2019 begannen die Vorbereitungen darauf. Die Festwoche im Mai 2020 musste Corona bedingt ausfallen, ein zweiter Anlauf zum 101. Geburtstag im Mai 2021 ebenso abgesagt werden. Und zwar endgültig, wie Schulleiterin Ilona Schindler sagt. „Das Jubiläum 100 Jahre noch später zu feiern, hätte man den Kindern nicht mehr vermitteln können, wo es doch schon lange zurückliegt“, begründet sie. Und so kommt es, dass im Schulhaus von der liebevoll gestalteten Dekoration zum Jubiläum nichts mehr zu sehen ist.Dass dennoch in dieser Woche gefeiert wird, hat einen ausgesprochen schönen und bemerkenswerten Grund. Viele Sponsoren haben dem Team der Märchenschule, wie sie im Volksmund heißt, in den Jubiläums-Vorbereitungen finanziell unter die Arme gegriffen. Dieses Geld soll den Kindern nun trotz allem zugutekommen.

Die Festwoche begann am Montag mit Märchen und einem Imbiss. Mit dem Trommelprojekt gestern und heute soll der Bewegungsarmut in der Corona-Pandemie etwas entgegengesetzt werden. Die Schüler lassen sich auch gar nicht lange bitten: Sie trommeln, rappen, singen und tanzen. In einem Abschlusskonzert – wegen der Corona-Beschränkungen nur für Schüler und Lehrer – zeigen sie heute, was sie in dem Workshop gelernt haben. Morgen erfahren die Jüngeren im Museumsdorf Markersdorf, wie Schule vor 100 Jahren war, während die Älteren in Einsiedel ihrem Bewegungsdrang folgen dürfen. Zum Abschluss gibts am Freitag eine große Festtagstorte mit Bildern zu den Märchen der Brüder Grimm, deren Namen die Schule seit 2000 trägt und was sich wie ein roter Faden auch durch diese Festwoche zieht.

In der Märchenschule lernen aktuell 125 Schüler von 6 bis 16 Jahren in zwölf Klassen. Betreut und gefördert werden sie von 18 Lehrkräften, zwei Schulassistenten und zwei Horterzieherinnen. Zum Team gehören Hausmeister und Sekretärin, jedoch kein FSJler. Das bedauert die Schulleiterin sehr. Denn über das Freiwillige Soziale Jahr gewinnen junge Leute vielfältige Einblicke in die Arbeit der Förderschule – und sind in der Regel begeistert. Eine frühere FSJlerin ist zur Kollegin geworden, nachdem sie in der Brüder-Grimm-Schule ihr Referendariat gemacht hat. Ihr Nachfolger steht kurz vor dem Studienabschluss. Und auch die junge Frau, deren freiwilliges Jahr erst im August endete, hat sich für das Lehramt Sonderpädagogik entschieden. „Sie kommt hoffentlich zum Praktikum zu uns zurück“, wünscht sich Ilona Schindler.

Hauptsache wieder Schule

Man sei nach den Ferien normal in den Schulbetrieb gestartet. Die dreimal wöchentlich geforderten Tests seien zwar ein großer Aufwand, Lehrer und Schüler aber „froh, dass alle wieder in die Schule gehen dürfen“. Nächste Woche beginnen die Analysen zum Lernstand, werden danach die Förderpläne geschrieben, um dann richtig in die Arbeit einsteigen zu können. Es sei ein großer Aufwand, der neben dem eigentlichen Unterricht läuft. „Aber wir tun alles dafür, dass wir lange persönlich mit den Kindern arbeiten können“, betont Ilona Schindler. Die Trennung der Gruppen, die Nutzung der drei Höfe und andere Corona-Schutzmaßnahmen hätten einen positiven Nebeneffekt: Es ist ruhig geworden im Haus, zumal es kaum noch Klingelzeichen gibt. „Wenn mir das jemand gesagt hätte, das hätte ich nicht geglaubt. Aber jetzt vermisse ich die Klingel nicht mehr. Es geht auch ohne“, so die Schulleiterin.

Bis Oktober laufen Malerarbeiten. Das seit 1994 bestehende Schulhaus ist in die Jahre gekommen, auch wenn man es ihm gar nicht ansieht. Für 2022 plant der Landkreis als Schulträger Bauarbeiten zur Digitalisierung. So bleibt die Förderschule trotz ihrer über 100 Jahre auf der Höhe der Zeit.

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