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War der Jugendring dem Landkreis zu kritisch?

Das mutmaßen Politiker der Linken. Sie üben ihrerseits scharfe Kritik am Umgang mit der Jugendförderung.

Anne Seifert vom Oberlausitzer Jugendring in dem ans Nieskyer HOLZ angrenzenden Raum, in dem der Makerspace, eine Projektwerkstatt, enstanden ist. Sollte Projekte sind jetzt gefährdet.
Anne Seifert vom Oberlausitzer Jugendring in dem ans Nieskyer HOLZ angrenzenden Raum, in dem der Makerspace, eine Projektwerkstatt, enstanden ist. Sollte Projekte sind jetzt gefährdet. © André Schulze

Landkreis Görlitz. Ob ein kritischer Geist zum Schweigen gebracht werden solle, fragen Politiker der Linken in einer Mitteilung an die Medien in der Region. Es geht um die Arbeit des Jugendrings Oberlausitz. „Das Jugendamt des Landkreises Görlitz gefährdet mit seiner Uns-kritisiert-man-nicht-ohne-Folgen-Politik bewusst die unersetzliche Arbeit für junge Menschen in der Oberlausitz“, schreiben die Landtagsabgeordneten Antonia Mertsching aus Weißwasser und Mirko Schultze aus Görlitz, der zugleich der Linken-Fraktion im Kreistag vorsteht.

Über 30 Vereine sind Mitglied

Demnach sei der Fortbestand des Jugendrings akut gefährdet. Es könne nicht sein, dass das Jugendamt Beschlüsse des Ausschusses ignoriert, Zahlungen verweigert und ohne Offenlegung von Beweisen Probleme andeutet und so die Handlungsunfähigkeit eines Trägers suggeriert, um letztlich den Träger zu eliminieren. Diese drastischen Worte wählte Schultze, der ergänzt: „An der fachlichen Arbeit haben weder der Landrat, so seine Aussage im letzten Jugendhilfeausschuss, noch die Verwaltung Zweifel. Da gegen den Verein nach unserer Kenntnis weder Insolvenzverfahren oder Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden und die Mitgliederversammlung, immerhin über 30 Vereine mit eigener Erfahrung auf diesem Gebiet, den Vorstand immer entlastet hat, kann nur die Vermutung nahe liegen, dass hier ein kritischer Geist endgültig zum Schweigen gebracht werden soll.“ Ein kritischer Blick, so der Abgeordnete weiter, sei aber ein wichtiger Bestandteil des demokratischen Gemeinwesens. Die Vereine der Jugendhilfe seien nicht Erfüllungsgehilfen des Amts, sondern Partnerin und Partner.

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Für den heutigen Montag war ab 9.15 Uhr seitens der Mitarbeiter des Jugendrings eine Demonstration vor dem Görlitzer Landratsamt geplant, um für den Erhalt des Jugendrings „und damit der wichtigen Jugendarbeit im Landkreis“, wie es heißt, zu demonstrieren. Die Partei Die Linke im Landkreis Görlitz solidarisiere sich mit den Forderungen und stelle sich im Kampf um den Erhalt eines kritischen Begleiters der öffentlichen Jugendhilfe, eines wichtigen Beraters und Mahners im Kampf für eine am Menschen orientierte Jugendarbeit klar hinter die Forderung, den Jugendring Oberlausitz zu erhalten, teilt die Partei mit.

Die Mitarbeiter des Jugendrings begründen ihren Protest so: „Der Verein setzt sich inzwischen seit 30 Jahren für die Belange und Bedürfnisse von jungen Menschen in der Oberlausitz ein. Angebote wie das Flexible Jugendmanagement, die Aktivierende Kinder-, Jugend- und Familienarbeit in Niesky, Reichenbach und Umgebung sowie Familienbildung im Mehrgenerationenhaus Görlitz sind etablierte Projekte, die jahrelang Strukturen und Netzwerke für die Menschen in der Region geschaffen haben.“ Die aktuelle Situation bedrohe nicht nur die Arbeitsplätze vieler Mitarbeiter, sondern auch die Stellen von Praktikanten, Bundesfreiwilligendienstleistenden und Ehrenamtlichen. Der Wegfall bestehender Netzwerke könne durch einen Wechsel des Arbeitgebers nicht ausgeglichen werden und habe langfristige Konsequenzen. „Der Jugendring Oberlausitz hat sich für unsere Projekte eingesetzt, sich um bestmögliche Arbeitsbedingungen bemüht und uns jederzeit transparent zu den aktuellen Entwicklungen informiert. Daher treten wir für den Erhalt unseres Trägers ein“, erklären die Mitarbeiter.

Ein Motiv zur Heimatflucht?

Antonia Mertsching, Chefin der Linken im Kreis, kritisiert den Umgang mit dem Jugendring und generell mit der Jugendarbeit im Landkreis und sieht darin einen weiteren Grund, warum junge Menschen ihre Heimat verlassen: „Neben schlecht bezahlten Arbeitsplätzen oder geringer Auswahl an Entwicklungsmöglichkeiten, sind es genau diese Grabenkämpfe, die junge Leute dazu bringen, sich kopfschüttelnd abzuwenden. Ansprechende und angemessene Jugendarbeit ist ein Schlüsselfaktor für die Zukunftsfähigkeit unserer Region.“

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