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Weitere 150 Asylbewerber in Zittau

Die Asylbewerber sollen in einem ehemaligen Armeegelände untergebracht werden. Es wäre das zweite Asylbewerberheim in der Stadt.

© Rafael Sampedro

Von Thomas Mielke

Die Zahl der in Zittau lebenden Asylbewerber wird erneut steigen: Die Stadt nimmt weitere 150 Asylbewerber auf. Angesichts des aktuellen Flüchtlingsstroms „möchte die Stadt Zittau nicht abseits stehen und ebenfalls einen Beitrag leisten“, heißt es in einer gestern von Stadtverwaltung und Landratsamt verbreiteten Mitteilung. „In der derzeitigen Lage halte ich es für geboten, den Landkreis Görlitz im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen“; so Oberbürgermeister Thomas Zenker (ZKM).

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Anrainer seien bereits informiert

Deshalb hätten sich er, der zuständige Dezernent des Landkreises, Werner Genau, und die Leiterin des Kreis-Ordnungsamtes, Elke Glowna, in den vergangenen Wochen intensiv darum bemüht, eine geeignete Immobilie zu finden. Sie haben sie gefunden: Das neue Heim soll am Portsmouther Weg 1, im ehemaligen Armeegelände im Süden der Stadt, eröffnet werden. „Vorbereitet und begleitet wird die Unterbringung der Menschen durch eine Arbeitsgruppe mit Beteiligung von Landkreis, Stadt, Landespolizei, Anrainern und dem Willkommensbündnis Zittau“, heißt es in der Mitteilung.

Die Anrainer des Geländes seien bereits informiert. „Die Stadtverwaltung befindet sich in Gesprächen zu den nächsten Schritten und bietet auch laufend Informationsgespräche für Anwohner an“, heißt es.

Wann die ersten neuen Asylbewerber kommen, ist offen. „Das steht noch nicht genau fest“, teilte Marina Michel, Sprecherin des Landratsamtes, auf Anfrage mit. Nach SZ-Informationen war bisher der 1. Oktober im Gespräch. Der Einzugstermin hängt unter anderem von der weiteren Zahl nach Deutschland kommender Asylbewerber und von dem Tempo, mit dem das Gebäude am Portsmouther Weg für sie vorgerichtet werden kann, ab.

In dem roten Backsteinhaus, das früher als Unterkunft für Unteroffiziere diente und zuletzt vom Kreis genutzt wurde, ist derzeit nur noch das Fraunhofer-Institut untergebracht. Die Forscher hätten nach einem Gespräch mit Stadt und Landratsamt „sehr verständnisvoll und unterstützend reagiert“, so Frau Michel. Sie werden so lange in einem Gebäude mit den Asylbewerbern bleiben, bis ihr Technikum am Stadtring fertiggebaut ist.

Das neue Heim liegt nur wenige Hundert Meter von dem bereits bestehenden an der Sachsenstraße entfernt. Das wurde im März 2013 eröffnet und bietet ebenfalls Platz für 150 Asylbewerber. Zuvor waren – erstmals seit der Schließung des nach der Wende eröffneten Heims an der Hochwaldstraße im September 1999 – Ende 2011 wieder Flüchtlinge in der Stadt untergebracht worden. Sie lebten in Wohnungen im Neubaugebiet Zittau-Ost. Ob der Betreiber des Heims an der Sachsenstraße, die Firma ABUB, sich für den Landkreis auch um das neue kümmert, steht noch nicht fest. „Es werden verschiedene Angebote eingeholt“, so Frau Michel gegenüber der SZ.

Marodes Kasernengebäude zwischen beiden Heimen

Zwischen beiden Heimen liegt nicht nur der ehemalige Exerzierplatz, sondern stehen auch viele marode ehemalige Kasernengebäude. Bereits mehrfach hatte es im Zittauer Stadtrat geheißen, dass von ihnen eine Gefahr zum Beispiel für spielende Kinder ausgeht. Um das Problem einzudämmen, hatte die Verwaltung die vor den Häusern verlaufende Straße sperren lassen. Nun soll sich generell etwas tun. „Die in unmittelbarer Umgebung liegenden ungenutzten Kasernenbauten werden zeitnah gesichert“, heißt es in der Mitteilung von Stadt und Kreis. „Die Maßnahmen werden in Abstimmung mit der Stadt erfolgen; dazu laufen Kostenvergleichsuntersuchungen“, so Frau Michel zur SZ.

Mit der Aufnahme von zusätzlichen 150 Asylbewerbern werden in der Stadt insgesamt 440 leben, 300 in den zwei Heimen, der Rest in Wohnungen im gesamten Stadtgebiet. Damit ist Zittau die Stadt im Kreis, die derzeit die meisten Flüchtlinge aufnimmt. In Görlitz leben rund 360, in Löbau 380, in Niesky 180. Allerdings können sich die Zahlen täglich ändern. In Zittau „sind weitere über diesen neuen Standort hinausgehende Unterbringungseinrichtungen derzeit nicht zu erwarten“, heißt es in der Mitteilung.

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