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Tipps für Ukraine-Hilfe: So spenden Dresdner richtig

Auto beladen und ab an die ukrainische Grenze? Wer Geflüchtete unterstützen will, sollte auf den Rat erfahrener Initiatoren hören. Wie die Dresdner Direkthilfe auf Effizienz setzt.

Von Nadja Laske
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Helferinnen wie Christine und Nadine sind gefragt. Sie packen beim Sortieren der Sachspenden für Kriegsflüchtlinge im Zentralwerk Pieschen mit an. Aber noch viel mehr Dienstleistungen braucht die Initiative.
Helferinnen wie Christine und Nadine sind gefragt. Sie packen beim Sortieren der Sachspenden für Kriegsflüchtlinge im Zentralwerk Pieschen mit an. Aber noch viel mehr Dienstleistungen braucht die Initiative. © Marion Doering

Dresden. Die Nachrichten machen betroffen, lassen die Gedanken kreisen: Wie kann ich helfen? Was können wir für die ukrainischen Frauen und Kinder auf der Flucht vor dem Krieg in ihrem Land tun? Womit die Menschen vor Ort unterstützen? Ein Auto hat fast jeder oder vermag es zu organisieren. Kleidung, Decken, Lebensmittel auch. Also lass uns losfahren, Spenden zur Grenze transportieren, Geflüchtete in Sicherheit bringen!

Die Hilfsbereitschaft in Dresden ist enorm. Doch gut gemeint ist nicht immer gut getan. Das Sprichwort kennt auch Denise Kunze. Sie ist eine der Gründerinnen der Initiative "Direkthilfe Dresden", die derzeit noch im Zentralwerk Pieschen Sammelstelle für Hilfsgüter betreibt und in Kürze in die Messe Dresden umzieht.

Es gäbe noch eine Reihe weiterer Sprichwörter, doch der Anlass ist für Floskeln ungeeignet. Täglich stehen Tausende Verzweifelte an Grenzen und Aufnahmelagern an. Da denkt sich manch Dresdner: Ich habe Zeit, Benzin im Tank und den Wunsch mitzuhelfen.

Leerfahrten sind unsinnig, deshalb kommt es den Ehrenamtlichen der Dresdner Direkthilfe grundsätzlich entgegen, wenn private Fahrer auf ihrem Weg zur polnisch-ukrainischen Grenze auch gleich den Kofferraum voller Dinge packen, die nach Polen oder von dort ins Landesinnere der Ukraine gebracht werden sollen.

Busse statt Pkw's

"Es ist aber wichtig, dass uns die Fahrer der Hilfskonvois sagen können, wohin sie genau fahren, wer in den Flüchtlings-Zentren an den Grenzen ihr Ansprechpartner ist und welche Güter sie ganz konkret dorthin mitnehmen sollen", erklärt Denise Kunze.

Was sie und ihr Team vermeiden wollen, sind Spenden, die nicht gebraucht werden oder dort ankommen, wo sie keinen Sinn ergeben. Deshalb verfahren sie nach dem Motto: So gute Organisation wie möglich, aber auch nur so viel wie nötig. Außerdem soll die Hilfe nicht nur punktgenau, sondern auch effektiv sein.

"Wenn jemand mit seinem Auto losfährt, Zeit und Geld investiert, ist das ehrenwert, aber er trägt dazu bei, die ohnehin überlasteten Autobahnen und Straßen zu den Grenzübergängen in Polen noch mehr zu verstopfen", warnt sie. Ein PKW hat im besten Fall drei bis vier freie Plätze für Flüchtlinge. Auch von der ökologischen Seite her betrachtet, seien solche Aktionen zu bedenken.

Von der psychologischen ganz abgesehen: "Jeder sollte sich vor einer solchen Fahrt unbedingt klarmachen, was vor Ort passiert. Da stehen Tausende Menschen, und du musst auswählen, wen du rettest und wer zurückbleibt. Das verkraftet nicht jeder."

Denise Kunze koordiniert die Hilfe für Kriegsflüchtlinge und hat die Direkthilfe Dresden mit gegründet.
Denise Kunze koordiniert die Hilfe für Kriegsflüchtlinge und hat die Direkthilfe Dresden mit gegründet. © Marion Doering

Deshalb setzt die Direkthilfe Dresden auf Partner, die im größeren Stil und professionell Hilfsgüter transportieren und Geflüchtete nach Deutschland bringen. Dazu zählt nicht nur, dass ein Reisebus beispielsweise des sehr engagierten Unternehmens Idealtours 120 freie Plätze hat. Die Fahrten begleiten meistens russisch- oder ukrainischsprachige Helfer. Es sind ausreichend Kindersitze vor Ort, es gibt medizinische Betreuung und sonstige Versorgung. Auch mit dem Fanprojekt Dynamo gegen Rassismus arbeitet die Direkthilfe Dresden eng zusammen. Um nur zwei zu nennen.

Auf ihrer Homepage gibt die Initiative Tipps fürs effektive Helfen und veröffentlicht auch die Namen der großen Kooperationspartner: die Osteuropahilfe Deutschland e. V. aus Dresden und deren Partnerorganisationen. Beispielsweise über den Hilfsfonds "Sila Ednannja Ukrainciv", lassen sie den Großteil der Hilfsgüter nach Chmelnitzky, einer Stadt in der Westukraine transportieren. "Von der Verteilstelle dort werden die Güter mit kleineren Transporten an Krankenhäuser, Kinderheime, Einrichtungen humanitärer Hilfe im ganzen Land verteilt", erklärt Denise.

Ganz dringend warnt sie davor, auf eigene Faust in die Ukraine zu fahren. "Es fällt sehr schwer, sich das von hier aus vorzustellen, aber es ist extrem gefährlich!" Offizielle Konvois werden von der polnischen Grenze aus vom Militär ins Landesinnere begleitet. Wer schutzlos unterwegs ist, müsse mit dem Schlimmsten rechnen, und Denise weiß von Fällen, in denen das Schlimmste passiert ist.

Mit Schnapsideen bei Weinlaune ist also niemand gut beraten. Der kühle Kopf sollte sich fragen: Was ist wirklich sinnvoll. Deshalb raten die Initiatoren der Dresdner Direkthilfe auch dazu, sich größeren Organisationen anzuschließen. Außerdem gibt es zahlreiche Möglichkeiten zu helfen, ohne mehr als tausend Kilometer weit stundenlang unterwegs zu sein. Auch die Dresdner Initiative braucht noch Unterstützer und macht diesen Bedarf auf ihrer Website konkret.

Sammelstelle zieht in die Messe Dresden um

"Hier vor Ort helfen pro Tag 30 bis 40 Ehrenamtliche", sagt Denise Kunze, die neben ihren Einsätzen im Zentralwerk arbeiten geht. Dennoch sind Anpacker jederzeit willkommen - für das Sortieren und verpacken der Spenden, für Transporte innerhalb Dresdens und der Region. Übersetzter sind gefragt ebenso wie Organisatoren, die im Lager als Ansprechpartner fungieren und die Fäden zusammenhalten.

Menschen, die sich mit Logistik auskennen und Transporte in die Ukraine sowie die Zusammenarbeit mit verschiedenen Gewerken koordinieren, werden gebraucht. Außerdem Helfer im Telefondienst, Buchhalter, Personalplaner. "Und unbedingt jemand, der unsere Homepage betreut und immer aktuell hält", sagt Denise.

Viele helfende Hände sind gerade dieser Tage zusätzlich vonnöten. Denn die Direkthilfe zieht am 18. März um und wird ab dem 24. März in der Messe Dresden größere Räumlichkeiten nutzen. Am Donnerstag und Freitag können Hilfsbereite von 14 bis 19 Uhr und am Sonnabend von 10 bis 19 Uhr in Halle 4 ihre Spenden und Dienste anbieten. Oder sie melden sich per Telefon oder Kontaktformular auf der Homepage. Dort sind auch Informationen darüber zu finden, welche Hilfsgüter tatsächlich nötig sind.

Denise Kunze fasst es knapp zusammen: "Wir bringen das, was gebraucht wird, dorthin, wo es gebraucht wird, und dann, wann es gebraucht wird."