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Trump will Berufung nach Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs

Der ehemalige Präsident schäumt vor Wut, sein mutmaßliches Opfer gibt sich "überwältigt vor Freude": Ein Gericht hat Donald Trump wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Das dürfte nicht das Ende des Falls sein.

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In dieser Gerichtsskizze im Prozess gegen Donald Trump verliest Richter Lewis Kaplan die Anweisungen für die Geschworenen vor deren Beratungen im Bundesgericht in Manhattan.
In dieser Gerichtsskizze im Prozess gegen Donald Trump verliest Richter Lewis Kaplan die Anweisungen für die Geschworenen vor deren Beratungen im Bundesgericht in Manhattan. © Elizabeth Williams/AP/dpa

New York/Washington. Die Verurteilung Donald Trumps wegen sexuellen Missbrauchs in einem Zivilverfahren wirft einen Schatten auf die Wiederwahlpläne des ehemaligen US-Präsidenten. Während Trumps Anwalt Joe Tacopina ankündigte, in Berufung zu gehen, reagierte das mutmaßliche Opfer, die Autorin E. Jean Carroll, mit Erleichterung: "Ich bin überwältigt, überwältigt vor Freude und Glück und Frohsinn für die Frauen in diesem Land", sagte sie dem Sender NBC am Mittwoch. Trump selbst veröffentlichte mehrere Stellungnahmen, in denen er den Prozess etwa als "Travestie der Justiz" und Betrug bezeichnete. Der zuständige Richter Lewis Kaplan hasse ihn mehr als es Menschen möglich sei.

Eine New Yorker Geschworenenjury hatte es am Dienstag als erwiesen angesehen, dass Trump die Schriftstellerin Carroll 1996 in einem New Yorker Nobelkaufhaus angegriffen und sexuell missbraucht hatte. Sie ordnete auch wegen Verleumdung an, dass Trump insgesamt fünf Millionen Dollar (rund 4,56 Millionen Euro) an die heute 79-Jährige zahlen muss. "Hier geht es nicht ums Geld", betonte Carroll am Mittwoch. "Hier geht es darum, meinen Namen zurückzubekommen. Und das ist uns gelungen."

Bei einem Zivilverfahren gilt für die Jury eine niedrigere Schwelle als bei Strafprozessen: Die Geschworenen müssen lediglich überzeugt sein, dass es wahrscheinlicher ist, dass der Angeklagte eine Tat begangen hat, als nicht. Trump hatte die Vorwürfe, die strafrechtlich verjährt sind, stets zurückgewiesen. Die Jury sah am Dienstag dabei den Vorwurf Carrolls der Vergewaltigung durch Trump nicht als belegt an.

Für Trump, der im kommenden Jahr als Kandidat der Republikaner in die Präsidentenwahl ziehen will, ist das Urteil eine weitere juristische Schlappe. Einige seiner Parteikollegen äußerten sich nach der mit Spannung erwarteten Entscheidung kritisch mit Blick auf die Bewerbung des 76-Jährigen für das höchste Staatsamt.

Jean Carroll trifft am Dienstag vor dem Bundesgericht in New York ein.
Jean Carroll trifft am Dienstag vor dem Bundesgericht in New York ein. © John Minchillo/AP/dpa

"Die Republikaner sollten dies nicht abtun und sagen, dass dies nicht von Bedeutung ist", sagte der Ex-Gouverneur des Bundesstaates Arkansas, Asa Hutchinson. Er bewirbt sich ebenfalls um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Der republikanische Senator Kevin Cramer sagte, das Urteil sei nicht "disqualifizierend", habe aber Auswirkungen auf Trumps Wählbarkeit. "Das und einige andere Dinge lassen mich daran zweifeln, ob er der beste Kandidat für die Partei wäre", zitierte ihn der Sender CNN. Der Trump-Verbündete Kevin McCarthy als Vorsitzender des Repräsentantenhauses wollte das Urteil am Nachmittag auf Nachfrage nicht kommentieren.

Anfang April war Trump als erster ehemaliger US-Präsident in einem anderen Verfahren strafrechtlich angeklagt worden. Gegen ihn wird wegen einer Reihe möglicher Verbrechen ermittelt. Zuletzt waren seine Umfragewerte in parteiinternen Befragungen gestiegen - Trump liegt darin deutlich vor anderen möglichen republikanischen Bewerbern, die 2024 US-Präsident Joe Biden herausfordern wollen. Trotz aller Vorwürfe gegen Trump stehen die Republikaner immer noch weitgehend geschlossen hinter ihm.

Diverse Frauen haben Trump in der Vergangenheit sexuelle Belästigung vorgeworfen, was dieser stets zurückwies. Während seines Präsidentschaftswahlkampfes 2016 wurde eine alte Tonaufnahme publik, in der sich Trump anzüglich und herabwürdigend über Frauen äußerte - und darüber, dass man Frauen auch an ihren Genitalien anfassen könne, wenn man es wolle und ein Star sei wie er. Mit den damaligen Aussagen hatte Carrolls Anwaltsteam ihre Vorwürfe gegen Trump in dem nun abgeschlossenen Prozess untermauert. (dpa)