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Döbeln

Wenn eine Generation fehlt

Das Jugendhaus besteht seit 25 Jahren. Doch seine Existenz stand schon mehrfach auf der Kippe.

Im Mai 2016 gingen junge Roßweiner für den Erhalt des Jugendhauses auf die Straße. Das Haus gibt es zwar noch, wird aber wenig genutzt.
Im Mai 2016 gingen junge Roßweiner für den Erhalt des Jugendhauses auf die Straße. Das Haus gibt es zwar noch, wird aber wenig genutzt. © André Braun (Archiv)

Roßwein. Die Mitglieder und Nutzer des Roßweiner Jugendhauses wollen am Wochenende gemeinsam dessen 25-jähriges Bestehen feiern. Doch wie geht es dort weiter? Diese Frage stand bereits mehrfach im Raum.

Der Beginn war vielversprechend. Unter dem Dach des Vereins Die Falken gründeten etwa zehn Jugendliche 1994 in der Gaststätte Geige den Verein Jugendhaus Roßwein – Die Falken. Die jungen Leute wollten etwas mehr Platz, als die Räume im Dachgeschoss der alten Mühle boten, erzählt Marc Martin vom damaligen Vorstand. 

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Mit Unterstützung des Ortsverbandes der SPD stellte ihnen die Stadt einen Flachbau an der Mulde zur Verfügung. Der befand sich hinter dem jetzigen Jugendhaus an der Goldbornstraße und wurde inzwischen abgerissen. Das Schmiedewerk habe die Fläche für eine Erweiterung beansprucht.

Stattdessen wurde den Jugendlichen das heutige Domizil, eine ehemalige Berufsschule des Schmiedewerks, angeboten. „Wir wussten, dass das Haus viel zu groß ist“, sagt Astrid Sommer, damals ebenfalls Vorstandsmitglied. Deshalb sei der Umzug drei Jahre lang abgelehnt worden. Doch ein anderes Objekt außerhalb von Wohngebieten fand sich nicht. „Den Verein aufzulösen, stand nicht zur Debatte“, meint Karolina Kempe, die heutige Vorsitzende. Er sei für viele der Lebensmittelpunkt und immer etwas los gewesen, ergänzt Astrid Sommer.

Die Jugendlichen hätten versucht, das Beste daraus zu machen, einen Tischtennis- und Billardraum sowie ein Fotolabor, Kreativwerkstatt und Probenräume für Bands eingerichtet. Letztere würden auch heute noch genutzt. Allerdings seien nur noch etwa 30 Prozent der Musiker aus der Region. Mit dem Summer Bash im Freibad Wolfstal wurde das Jugendhaus als Organisator auch überregional bekannt. 

Allerdings sei der Aufwand so groß geworden, dass die Veranstaltung nach dem Bau des Schiffs auf dem Areal des Jugendhauses in dessen Garten verlegt wurde. Einen Rückschlag brachte die Flut 2002. „Wir waren gerade erst eingezogen, da stand der Saal unter Wasser“, so Karolina Kempe. Aber der Zusammenhalt beim Aufräumen sei einmalig gewesen.

Ein weiterer Einbruch kam mit den Umbauten, die durch diverse Brandschutzbestimmungen nötig wurden. In diesen Jahren gab es im Jugendhaus nur ein begrenztes Angebot. Und es ist eine ganze Generation weggebrochen. Einige Acht- bis 15-Jährige kommen regelmäßig. Aber es fehlen die Macher, die in den 20er-Jahren. Von denen wurde früher die Bar, das Café und Kinoabende betreut. Jetzt wird abends abgeschlossen, wenn die beiden Sozialarbeiter das Jugendhaus verlassen.

Marc Martin würde sich eine bessere Zusammenarbeit mit den Schulen wünschen, die die Räume zum Beispiel für den Ganztagsunterricht oder Vorbereitungsstunden für die Jugendweihe nutzen könnten. So könnte das Jugendhaus wieder mehr ins Bewusstsein der jungen Leute rücken. Denn auch wenn es gerade nicht so gut läuft, ist Aufgeben kein Thema. „Hier steckt zu viel Herzblut drin“, meint Karolina Kempe.

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