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Wer profitiert vom Lehrerpaket?

CDU und SPD haben ein 1,7 Milliarden Euro-Programm beschlossen, um den Lehrerberuf in Sachsen attraktiver zu machen. Es gibt Gewinner und Verlierer:

© ddp images/Nigel Treblin

Von Andrea Schawe

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Unterrichtsausfall und Lehrermangel – Sachsen will im Bildungsbereich eine Trendwende schaffen. Die Regierung hat dafür ein Handlungsprogramm beschlossen, mit dem in den kommenden Jahren viel Geld investiert wird. Die SZ analysiert, wem das Geld zugutekommt.

Berufsanfänger und junge Lehrer werden verbeamtet

Ziel des Programms ist es, mehr Lehrer für Sachsen zu gewinnen. Deswegen profitieren die jungen Lehrer am meisten. Der Freistaat investiert einen Großteil des Geldes in die Verbeamtung der Berufsanfänger – inklusive der Absicherung der Pensionszahlungen. Sie werden ab 2019 ein Einstiegsgehalt von etwa 3 944 Euro brutto verdienen. Außerdem können etwa 6 000 der 33 000 Lehrer an Sachsens Schulen bis 42 Jahre entscheiden, ob sie verbeamtet werden wollen. Auch Referendare werden im Beamtenverhältnis auf Widerruf eingestellt, damit sie in Sachsen bleiben.

Grundschullehrer verdienen deutlich mehr

Die etwa 6 700 Lehrer an Sachsens Grundschulen bekommen genauso viel Geld wie ihre Kollegen an Oberschulen und Gymnasien. Das war eine langjährige Forderung der Gewerkschaften. Bisher wurden Grundschullehrer in der Entgeltgruppe 11 bezahlt. Ab Januar gilt für sie die Besoldungs- bzw. Entgeltgruppe 13. Berufseinsteiger verdienen als Beamte etwa 400 Euro brutto mehr als bisher. Eine Grundschullehrerin über 42 Jahre, die nicht verbeamtet werden kann und schon seit 15 Jahren arbeitet, verdient brutto etwa 570 Euro mehr als bisher.

Oberschul- und Förderschullehrer wurden schon 2017 höhergestuft

Lehrer an Oberschulen profitieren vom aktuellen Handlungsprogramm nicht unmittelbar. Sie werden schon seit dem Lehrermaßnahmenpaket vom Oktober 2016 besser bezahlt. Damals hat die CDU-/SPD-Regierung beschlossen, Oberschul- und Förderschullehrer ab Januar 2017 in der Gehaltsklasse 13 statt 11 zu bezahlen. Sie verdienen nun etwa 460 Euro brutto mehr.

Lehrer an weiterführenden Schulen können befördert werden

Lehrer an Gymnasien verdienten bisher am besten. Sie werden in der Entgeltstufe 13 bezahlt. Ein Gymnasiallehrer, Ende 40, verdient mit den im Tarifsystem vorgesehenen Gehaltserhöhungen etwa 5 300 Euro brutto. In der Lohnsteuerklasse 1, ledig und ohne Kinder, ergibt das einen Nettoverdienst von etwa 3 000 Euro. Ein verbeamteter Kollege würde zwischen 500 und 1 000 Euro netto mehr verdienen. Um das auszugleichen, sind in dem Programm für etwa 2 000 Lehrer an weiterführenden Schulen ab Januar 2019 Beförderungen in die Entgeltstufe E 14 möglich. Das wäre ein Gehaltsplus von etwa 300 Euro brutto. Außerdem will Sachsen möglichst vielen angestellten Lehrern Zulagen zahlen. Dazu müssen noch Absprachen in der Tarifgemeinschaft der Länder getroffen werden. Neun Millionen Euro stehen den Schulleitern zur Verfügung, um Prämien zu zahlen.

Gewerkschaft und Lehrerverband kritisieren Ungerechtigkeiten

„Ein finanzieller Ausgleich für die Lehrkräfte, die nicht verbeamtet werden können oder wollen, findet nicht statt“, heißt es von der Gewerkschaft Erziehung und Wissen (GEW). Wenn Lehrer höhergruppiert werden wollen, müssen sie sich einem Beurteilungsverfahren stellen. „Ungerecht und entwürdigend“, sagt die GEW. Auch Prämien für einzelne Lehrer würden den Unterschied im Nettoverdienst zu den verbeamteten Kollegen nicht ausgleichen. Die Regierung darf die entstehende Nettolohnlücke nicht ignorieren, fordert Jens Weichelt vom Lehrerverband. Der Verein will bei den Beförderungsämtern auch eine deutlich höhere Quote, „um möglichst vielen erfahrenen Lehrkräften diese Wertschätzung zukommen zu lassen“.

Gymnasiallehrer fühlen sich benachteiligt

Das Handlungsprogramm wird in den Lehrerzimmern heftig diskutiert. Lehrer am Gymnasium Dresden-Cotta wenden sich mit einem Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Das Programm stelle „eine ernste Bedrohung für den Frieden im Lehrerzimmer dar“, heißt es. Die Lehrer über 42 Jahre – etwa drei Viertel der Belegschaft – seien „empört“ und fühlen sich „von der Regierung verhöhnt“. Über Jahre hätten sie den Schulbetrieb „unter dauerhaftem Sparzwang, Zwangsteilzeit oder Stundenzahlerhöhung“ aufrechterhalten – um nun leer auszugehen. „Unter Wertschätzung verstehen wir: gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit!“

Auch die Lehrer am Radebeuler Gymnasium Luisenstift äußern sich: Die überwiegende Mehrzahl der sächsischen Lehrer sei enttäuscht, frustriert und fühle sich geohrfeigt, heißt es in einem Brief. „Gerade diese Gruppe wird im Programm vergessen und dadurch benachteiligt.“ Das sei weder Gerechtigkeit noch Wertschätzung. Die Lehrer befürchten „einen Motivationsverlust in den Kollegien“.