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Bautzen

Werkzeughersteller bezieht neue Halle

Roland Lehmann rettet ein altes Gehöft in Kleinförstchen vorm Verfall. So schafft er Platz für mehr Maschinen und Mitarbeiter – aber auch Wohnungen.

In der neuen Halle der Präzisionswerkzeug-Firma erfolgen letzte Arbeiten. Bald werden die Maschinen aufgestellt. Chef Roland Lehmann freut sich darauf. © SZ/Uwe Soeder

Kleinförstchen. Am Fußboden in der neuen Produktionshalle erledigen Fließenleger letzte Arbeiten. Im Hof dahinter nehmen Fachleute eine Kläranlage in Betrieb. Daneben wird Material für das neue Dach eines alten Gebäudes abgeladen. In einem Gewölbe verfugen Handwerker Natursteinwände und Ziegelsteinbögen… Auf dem großen Gehöft im Gödaer Ortsteil Kleinförstchen, das einst der Wirtschaftshof des Rittergutes war, herrscht reges Baustellenleben.

„Manchmal sind hier zehn Gewerke gleichzeitig tätig“, berichtet Roland Lehmann. Der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Lehmann Präzisionswerkzeuge macht die Immobilie, die lange dem Verfall preisgegeben war, wieder nutzbar. Einige Teile wurden abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, andere werden saniert. So schafft der 53-Jährige mehr Platz für sein Unternehmen, das er 1991 als Ein-Mann-Betrieb gründete. Inzwischen hat es rund 110 Beschäftigte und trotz mehrfacher Erweiterungen zu wenig Platz. Das ändert sich jetzt. Nachdem die Arbeiten am Gehöft vor etwa zwei Jahren starteten, kann jetzt die Nutzung beginnen.

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Draußen vorwärts, drinnen vornüber

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Produktion geht weiter

Der Umzug erfolgt Schritt für Schritt, damit die Produktion nicht stockt. „Die Kunden können ja nicht auf unsere Produkte warten“, begründet Roland Lehmann. Sein Unternehmen entwickelt und produziert Werkzeuge für Firmen, die Teile für die Medizintechnik, für Automobil- und Flugzeugindustrie sowie andere Branchen herstellen. „Wir machen alles, was schneidet, stanzt, bohrt, fräst“, umreißt der Chef.

Die neue Halle ist der erste Raum des Gehöftes, der in Betrieb geht. Eigentlich war das schon für Januar geplant. Aber Roland Lehmann musste einige Rückschläge verkraften. So wurde das gesamte Gelände im letzten Frühjahr bei starken Regenfällen überflutet. Für Verzögerungen sorgte außerdem der Fakt, dass wegen Qualitätsmängeln große Teile des Estrichs und der Fliesen wieder herausgerissen werden mussten. Doch jetzt ist der Neubau, der direkt an der Ortsdurchfahrt steht, fertig.

Ehemaliger Stall als Pausenraum

Große Fenster lassen viel Licht herein. Eine Klimaanlage mit Wärmetauscher kann kühlen oder heizen. Allein sie hat eine halbe Million Euro gekostet. Auch eine Brandmelde- und eine Alarmanlage sind installiert. Aufgestellt werden in der Halle vor allem Maschinen zum Schleifen und Erodieren. Einige davon ziehen aus den wenige Meter entfernten bisherigen Produktionsräumen um, die weiter in Betrieb bleiben. Andere kommen neu hinzu. Die Erste davon wurde dieser Tage geliefert. Weitere folgen, unter anderem eine große Schleif- und eine Messmaschine. – Über dem neuen Produktionsbereich sind Räume für die Arbeitsvorbereitung angeordnet sowie Umkleiden und Duschen. Das angrenzende historische Gewölbe, das früher ein Stall war, wird als Pausenraum hergerichtet. Die Kapazitäten sind so ausgelegt, dass die Zahl der Beschäftigen der Firma auf 150 wachsen kann. Wie viele es tatsächlich werden, hänge davon ab, wie sich die Auftragslage entwickelt, betont Lehmann. Neue Mitarbeiter werden ständig gesucht. Auch Quereinsteiger sind willkommen. „Sie sollten aber Erfahrungen in der Metallbranche haben“, sagt der Unternehmer. Auszubildende sind ebenfalls gefragt. Von den vier Lehrstellen für Zerspanungs- und Werkzeugmechaniker, die die Firma jedes Jahr anbietet, ist für 2019 erst eine besetzt. Um die Bedingungen für die Ausbildung zu verbessern, richtet das Unternehmen auf dem neuen Gelände extra eine Lehrwerkstatt ein.

Von den drei großen Gebäuden des ehemaligen Wirtschaftshofes, die saniert werden, will Roland Lehmann das Erdgeschoss jeweils gewerblich nutzen. In den Räumen darüber plant der Mann, der in Kleinförstchen aufgewachsen ist, etwa acht Wohnungen. Die künftigen Bewohner können sich auf Wandheizung, Lehmputz und manch weitere Besonderheit freuen – und auf einen Park mit Teich gleich am Haus.

Bisher hat Roland Lehmann etwa 1,7 Millionen Euro in das Gelände investiert; die Klimaanlage nicht mitgerechnet. Fördergeld setzt er nicht ein. Dass alles unter Denkmalschutz steht – damit hat er kein Problem. „Ich bemühe mich ohnehin darum, möglichst viel Altes zu erhalten und alles wieder so zu gestalten, wie es früher war“, sagt der Kleinförstchener. So wurden zum Beispiel alte Dielen gebürstet und geölt und bilden jetzt in einem Raum die Decke. Jedes Detail hat der Investor im Blick, der die Arbeiten selbst leitet. Drei bis vier Stunden ist er jeden Tag auf der Baustelle. „Das geht, weil ich sehr gute Mitarbeiter habe, auf die ich mich verlassen kann“, sagt Roland Lehmann.