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Wie ein Neugersdorfer sein geklautes Auto wiederfindet

Dank Facebook taucht der seltene Sportwagen wieder auf. Fündig wird aber schließlich die tschechische Polizei.

© Matthias Weber

Von Romy Kühr

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Wenn es um sein Auto geht, hört für Kay Menzel der Spaß auf. Das hat in der vergangenen Woche ein dreister Autodieb erfahren. Er hatte den Toyota Supra, Baujahr 1991, geklaut, aber nicht mit dessen Besitzer gerechnet. Jetzt ist der Supra, wie Menzel seinen Wagen liebevoll nennt, wieder aufgetaucht. Er selbst hat das Auto in einer spektakulären Aktion gesucht.

Die unglaubliche Geschichte beginnt am Sonntag, dem 1. Juni. Da schaut Menzel eher zufällig an der Garage vorbei, in der er sein Sommerauto untergestellt hat. Und traut seinen Augen nicht: Das Tor steht offen, die Garage ist leer. „Das kommt einer Kriegserklärung gleich“, sagt Menzel ernst. Denn der Wagen ist nicht einfach nur ein Auto. Der japanische Sportwagen ist einer von nur etwa 300 Stück, die in Deutschland unterwegs sind. Die Seltenheit des Modells und die vielen Umbauten, die Menzel selbst vorgenommen hat, machen das Auto so wertvoll. Der Schrauber hat viel Zeit und Geld in den Toyota gesteckt, pflegt ihn und dreht nur im Sommer ab und zu eine Runde damit. Der Neugersdorfer beziffert den Wert seines Wagens mit rund 60.000 Euro – mindestens. Und an diesem Sonntag im Juni ist das gute Stück, seit 1998 in Menzels Besitz, einfach weg. Mit ihm ein Grill, ein Fahrrad und ein Satz Winterreifen für Menzels Alltagsauto. Für den Besitzer ist das zunächst unerklärlich. Denn dieses Jahr hat er die Supra noch gar nicht bewegt und die Batterie ausgebaut. Das stört die Diebe nicht, sie haben mehrere geparkte Autos in der Umgebung aufgebrochen und eine Batterie geklaut, um den wertvollen Toyota zu starten. Die Polizei nimmt alles auf, sichert Spuren an der Garage – und muss auch bald weiter zum nächsten Einbruch in der Nachbarschaft.

Menzel lässt das alles keine Ruhe. Er fürchtet, dass der Fall erfolglos eingestellt wird, wie bei so vielen Autodiebstählen. „So nicht!“, sagt er sich. Nicht mit ihm und nicht mit seiner Supra. Der 36-Jährige beschließt, selbst nach dem Auto zu suchen. Das Ziel ist klar: Tschechien. Er druckt Flugblätter auf Deutsch und Tschechisch, verteilt sie an den Polizeistationen in Rumburk, Jirikov und Filipov und an allen Tankstellen. „Wer mit dem Auto fährt, muss beizeiten tanken“, sagt Menzel. Und er startet einen Suchaufruf bei Facebook. Am Montag bekommt er über das Internetportal prompt den ersten Tipp: Die Supra soll schon am Sonntagmittag in Jirikov gesehen worden sein. Menzel kann die Dreistigkeit der Diebe nicht fassen. „Wer klaut so ein auffälliges Auto und fährt damit auch noch rum?“ Am Dienstagabend fährt er selbst mit seiner Freundin das tschechische Grenzgebiet ab, die Supra entdecken sie nicht. Dafür aber einen neuen Informanten. Er schreibt ihm am Mittwoch, dass er das Auto nahe dem ehemaligen Neugersdorfer Transitübergang gesehen hat, mit tschechischen Nummernschildern. Der Informant ist sich sicher, dass es sich um das gesuchte Auto handelt. Jetzt reicht es Menzel. „Dann lasst uns mal das Auto holen“, postet er am Mittwoch bei Facebook. Diesem Aufruf folgen nicht nur Freunde aus dem Ort, sondern auch andere Supra-Fans. Bis aus Dresden reisen sie an. Denn für die seltenen Autos gibt es eine eigene Gemeinschaft im weltweiten Netz, Menzel ist in der Szene bekannt. Seine Firma für Schweißtechnik, erzählt er, ist die einzige in Deutschland, die Zylinderköpfe für die Supra baut. Für Supra-Besitzer aus der ganzen Republik möbelt der Neugersdorfer die Fahrzeuge auf.

22 Uhr ist am Mittwochabend Treff auf dem Neugersdorfer Marktplatz. Mit sieben Autos und circa 15 Mann geht es nach Tschechien. Bis nach Mitternacht fahren sie die Straßen rund um Jirikov ab. Angst, dem Dieb zu begegnen, hat Menzel nicht. Schließlich geht es um nicht weniger als seine Supra. Die Polizei warnt davor, sich selbst sein Eigentum wiederzubeschaffen. „Das kann gefährlich werden und außerdem Ermittlungsansätze kaputt machen“, so Thomas Knaup von der Polizeidirektion in Görlitz. Sich selbst auf die Suche zu machen und der Polizei Hinweise zu geben, sei aber das gute Recht jedes Betroffenen. Doch auch an diesem Abend haben Menzel und seine Kumpels kein Glück. Gleichzeitig berichtet das tschechische Fernsehen über den Fall. Durch den ganzen Rummel und Menzels Hinweise ist die tschechische Polizei besonders aufmerksam geworden. In derselben Nacht ist sie mit zahlreichen Einsatzkräften unterwegs und schnappt den Dieb samt Auto tatsächlich in den frühen Morgenstunden in Rumburk. Damit ist ihnen offenbar sogar ein großer Fisch ins Netz gegangen. Denn anschließend finden sie bei dem jungen Mann ein weiteres geklautes Auto und anderes Diebesgut.

Dass sein Wagen wieder da ist, erfährt Menzel gar nicht offiziell, sondern von einem Informanten. Gesehen hat er die Supra auch schon. „Sie scheint so weit in Ordnung zu sein, ist aber ziemlich dreckig.“ Jetzt wird das Auto bei der Polizei in Rumburk verwahrt. Sie muss es untersuchen. Auf die erste Spritztour des Jahres wartet Menzel deshalb immer noch.

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