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Wieder Pferde auf der Paulsmühle

Altbekannte Geräusche von Hufgetrappel sind zurück: jetzt in der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung.

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Florian (13) und Josi (15) mit Stute „Zukunft“ und Dominic (17) mit Pony Peggy auf der Paulsmühle. Die Jugendlichen kümmern sich jetzt um die Pferde.
Florian (13) und Josi (15) mit Stute „Zukunft“ und Dominic (17) mit Pony Peggy auf der Paulsmühle. Die Jugendlichen kümmern sich jetzt um die Pferde. © Kristin Richter

Kalkreuth. Hufgetrappel, Wiehern, sanftes Schnauben – altbekannte Geräusche sind zurück auf der Paulsmühle in Kalkreuth. Dort, wo einst bis zu 25 Pferde in Boxen standen und hauptsächlich als Sport- oder Schulpferde geritten wurden, hat nun ein gänzlich neues, pferdepädagogisches Konzept Einzug gehalten.

 Neun Jugendliche waren schon Anfang des Jahres auf die Paulsmühle gezogen, wo sie von zehn Betreuern herzlich und liebevoll auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden begleitet werden. Dass Pferde Teil des Alltags werden sollen, war Monica Hausmann-Neves, der Hausleiterin, schon klar, als sie ihre Stelle antrat. Hühner gab es bereits in der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung des Deutschen Ordens. 

Beim Bund für Reittherapie erkundigte sich die Einrichtung nach Möglichkeiten. Und im September nahm der Wandel seinen Lauf. Die weitläufigen Wiesen der Paulsmühle wurden in mühevoller Arbeit mit einem Paddock-Trail, eine Form der Offenstallhaltung, bei der die Pferde so artgerecht wie möglich gehalten werden, bebaut. Bis zu vier Gnadenhofpferde bekommen nun hier eine zweite Chance.

Im Fokus des Konzepts steht das freie Miteinander, das Zusammensein der Jugendlichen mit den Pferden. Die Jugendlichen bekommen dadurch Gelegenheit, Bindung und Vertrauen zu erleben und zu spüren, wie sie von ihrem vierbeinigen Gegenüber wahrgenommen werden. 

„Auf Basis der naturgegebenen Möglichkeiten sollen die Jugendlichen lernen dürfen, wie wertvoll ein respektvoller Umgang ist, wie gewinnbringend Verantwortung sein kann“, sagt Lisa Kießling von „Aktives Coaching“. Und wie man Gefühle ehrlich wahrnehmen und zeigen darf. Als Pferdetherapeutin ist Kießling mit den Jugendlichen auf der Paulsmühle tätig.

In Vorbereitung auf den Einzug der Pferde wurden sowohl die Jugendlichen als auch die Betreuer in ein- bzw. zweitägigen Seminaren darauf vorbereitet, wie es sein wird, mit den Pferden zu leben. Haltung, Fütterung, Pferdegesundheit und die Sprache der Pferde standen auf dem Programm – und dann war es auch schon soweit. 

Zukunft, eine ausgediente Zuchtstute, und Peggy, ein Pony, das überall zuviel war, durften am 3. November auf der Paulsmühle einziehen. Peggy machte ihre Grenzen sehr schnell klar – und Zukunft schien deutlich zu spüren, dass sie nun endlich ein Zuhause gefunden hat.

Seitdem gehört die Versorgung der Pferde zur täglichen Routine der Betreuer – meist gemeinsam mit den Jugendlichen. Morgens eine Stunde und nachmittags bis zu zwei Stunden. Dazu gehören unter anderem tägliche Rundgänge, Auffüllen der Wasser- und Heustationen, Abäppeln der Wege, Ausmisten des Unterstandes und das Putzen der Tiere. 

„Dafür gibt es warme Pferdenasen, reichlich soziale Erfahrungen, sehr ehrliche Rückkopplung, tiefgreifende Selbsterfahrungen, Teamerlebnisse und kleine Auszeiten am warmen Kuschelfell“, so Lisa Kießling. Noch ist alles neu – Anfang Februar 2019 endet der Probedurchgang, der zunächst für drei Monate festgelegt ist. Danach wird mit allen Beteiligten besprochen, ob das Projekt fortgeführt wird. Die Chancen stehen sehr gut.

Für Leiterin Monica Hausmann-Neves hat sich das Anschaffen der Tiere jetzt schon gelohnt: „Die Jugendlichen haben gemeinsam beschlossen, dass die Tiere niemals gequält werden.“ Außerdem werden sie in der Nähe der Pferde deutlich ruhiger. Sie hätten in dem Monat schon Verantwortung gelernt und einige gehen sogar auf dem Pferdehof von Kerstin Hirsch reiten. 

Vier Jugendliche würden sich regelmäßig um die Tiere kümmern, nur einer möchte das gar nicht. Damit die Pferde langfristig auf der Paulsmühle leben können, sind die Jugendlichen und ihre Betreuer auf Spenden angewiesen. „Heuballen, Futter, aber auch Geldspenden sind willkommen“, sagt Monica Hausmann-Neves. Durch den guten Kontakt zu den Nachbarn sieht die Leiterin vom Deutschen Orden da keine Probleme. (SZ/krü)

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