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Riesenantenne: Heute fällt Wilsdruffs Wahrzeichen

Der Funkturm ist eine der markantesten Landmarken an der A4 bei Wilsdruff. Die muss heute für die Sprengung der Riesenantenne gesperrt werden.

Das Ende des Wilsdruffer Funkturms ist nah.
Das Ende des Wilsdruffer Funkturms ist nah. © privat

Wilsdruff. Die Tage des Funkturms von Wilsdruff sind gezählt. Das Ende war schon länger besiegelt. Doch jetzt gibt es den konkreten Termin. Am Sonntag, 1. August, um 9.45 Uhr, wird gezündet, denn der Abriss erfolgt mittels Sprengung. "Der Rückbau ist alternativlos", erklärt die Firma Media Broadcast, die Eigentümerin des Turms.

Die auf dem Turm befindliche Antenne wird schon seit 2013 nicht mehr für den Rundfunk genutzt. Miete, Wartung und Unterhalt verschlingen jährlich einen sechsstelligen Betrag. Ein Käufer für den Turm hat sich auch deshalb nicht gefunden, weil der neue Eigentümer eine Kaution von 350.000 Euro hätte hinterlegen müssen. Das forderte der private Besitzer des Grundstücks, auf dem sich der Turm befindet, damit ein Rückbau jederzeit bezahlt werden könnte.

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Autobahn 4 muss gesperrt werden

Der Abriss musste generalstabsmäßig geplant werden. Ein Sicherheitsradius von 300 Metern wird eingerichtet, der nicht betreten werden darf. Der reicht bis zur nahegelegenen Autobahn A4. Die muss für die Sprengung gesperrt werden. Wie lange das dauert, wird davon abhängen, ob alles planmäßig verläuft.

Vorgesehen ist, dass der Mast als Ganzes von der Autobahn weg in südwestliche Richtung fällt. Erreicht werden soll das mit dem Zünden von sogenannten Schneidladungen, die an zwei der Pardunen, also den Halteseilen, angebracht werden. In Sekundenbruchteilen müssten dann die Seile durchtrennt werden. Durch die Zugkraft beziehungsweise das Gewicht der verbleibenden vier Pardunen wird der Mast in südwestliche Richtung gezogen und fällt zu Boden.

Erfahrungen mit dem Umlegen von hohen Türmen hat die Media Broadcast. Da waren schon welche dabei, die über 200 Meter hoch waren. Der in Wilsdruff hat dagegen "nur" eine Höhe von 153 Metern. Allerdings ist die Bauweise anders als die üblichen Funktürme etwa in Westdeutschland, deshalb wird die Aktion in Wilsdruff doch etwas Besonderes.

Die organisatorischen und baulichen Vorbereitungen sind in Kürze abgeschlossen, teilt Media Broadcast mit. Dazu zählen insbesondere die Abstimmungen mit Behörden und der Autobahn GmbH. Insbesondere die Absperrung der A4 war eine Herausforderung. Dort gibt es ohnehin schon Einschränkungen, weil dort seit Wochen Bauarbeiten laufen, die regelmäßig den Verkehr lahmlegen.

Notwendig wäre eine Sperrung auch nur für die kurze Zeit der Sprengung. Das zu organisieren, ist jedoch aufwendig. Die Autobahn wird vorab von drei auf zwei Fahrspuren verengt. So ist der Verkehrsfluss besser zu stoppen.

In der Regel stehen dann Polizeiautos auf beiden Richtungsfahrbahnen bereit. Kommt das Signal, dass der Sprengmeister bereit ist, fahren die Polizeiautos auf beide Spuren auf. Erst wird der Verkehr nur verlangsamt, bis dann schließlich alle Fahrzeuge außerhalb der Sperrzone zum Stillstand kommen.

Emotionales Ende

Die Aktion wird sicherlich nicht nur viele Menschen in Wilsdruff anlocken. Der Turm ist nicht nur ein Technisches Denkmal, sondern auch eine ganz besondere Anlage. Die Bauart auf der Birkenhainer Höhe bei Wilsdruff ist die letzte Anlage ihrer Art in Deutschland.

Der Fall darf zwar vom Boden aus gefilmt werden, Drohnen zu benutzen, ist im Sperrbereich wegen möglicher Störungen der Funkzünder aber nicht erlaubt. Ein Platz für Pressevertreter, die die Sprengung dokumentieren wollen, ist nahe der Straße am Birkenwäldchen abseits der Sperrzone eingerichtet.

Jetzt, wo der Tag der Sprengung feststeht, wird es bei denen, die sich lange für den Erhalt des Turms eingesetzt haben, noch mal emotional. "Wir haben gekämpft, wir haben gehofft, bis zum Schluss, aber nun sind die Würfel endgültig gefallen", erklärt beispielsweise Sabine Neumann, die Vorsitzende des 2019 gegründeten Fördervereins Funkturm Wilsdruff.

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Auch der Pirnaer Wolfgang Lill hat lange für den Erhalt des Turms gekämpft. Seit 2003 arbeitet er ehrenamtlicher Redakteur des Internet-Portals radiomuseum.org mit - es ist die weltweit größte Plattform, die sich mit Radio- und Fernsehgeschichte befasst. "Dann werden wir es jetzt also zu Ende bringen", sagt er enttäuscht. Seiner Meinung nach hätte es noch andere Möglichkeiten als einen Abriss gegeben. "Der bekannte Wetterfachmann Jörg Kachelmann hatte angeboten, dort eine Wetterstation unterzubringen und auf der Mastspitze eine Anlage zur Blitzmessung zu installieren. Aber er hat nicht mal eine Antwort bekommen", sagt Lill.

Am Sonntag werde er aber vor Ort sein und die Aktion live verfolgen. Damit ist die Arbeit des Fördervereins und der Museumsleute aber noch nicht beendet. Teile der Anlage werden als Denkmal erhalten. Wo genau, das ist noch unklar.

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