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Eklat beim Amtsgericht Dippoldiswalde

Der Prozess gegen einen Polizisten aus Wilsdruff ist geplatzt, weil sein Anwalt die Verhandlung schwänzte.

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Die Akten zur eigentlichen Verhandlung blieben geschlossen, weil nach der Pause plötzlich der Verteidiger fehlte.
Die Akten zur eigentlichen Verhandlung blieben geschlossen, weil nach der Pause plötzlich der Verteidiger fehlte. © Symbolfoto: Archiv SZ/Uwe Soeder

Von Walter Neuwirth

Nach einer Unfallaufnahme im Januar 2019 war der zwischenzeitlich vom Dienst suspendierte Polizeihauptmeister Uwe H. mit seinem Kollegen zum Revier nach Freital gefahren, um dort die Speicherkarte seiner Polizeikamera mit den eben geschossenen Unfallbildern in das polizeiliche System und danach in seinen Ermittlungsvorgang einzubinden.

Was er dabei wohl vergessen hatte, war, dass darauf neben den Unfallbildern auch reihenweise kinder- und tierpornografische Dateien übelster Sorte von ihm gespeichert worden waren.

Ein manuelles Löschen von Dateien lässt das Polizeisystem danach nicht mehr zu - das wurde Uwe H. zum Verhängnis.

Angeklagter erfindet den "großen Unbekannten"

Dumm gelaufen für den Polizisten, denn nun war seine widerliche Kinderpornosammlung im Polizeisystem gelandet, dort, wo sie zuallerletzt hätte landen sollen.

Ergo musste für Uwe H. schnell eine passende Geschichte her. Weshalb der „große Unbekannte“ erfunden wurde, der bei ihm zu Hause eingestiegen sein und die Pornodateien hinterlassen haben soll. Der gleiche „Unbekannte“ hatte in der Folgezeit dann die Speicherkarte mit den Kinderpornos auch in den Briefkasten der eigenen Dienststelle des Angeklagten, des Polizeipostens Wilsdruff, eingeworfen, was den Verdacht von Uwe H. weglenken sollte.

Dumm für den Polizisten ist nur, dass neben seiner eigenen DNA auf der Speicherkarte gleichzeitig auch Familienbilder und Aufnahmen aus seiner eigenen Wohnung und den beiden Hunden gefunden wurden. Augenscheinlich schlichtweg ein plumper Versuch, die eigene Dummheit, aber auch seine strafbare sexuelle Neigung zu vertuschen.

Verräterische Speicherkarte

Sein inzwischen pensionierter, an der Tat nicht beteiligter Streifenpartner vom Polizeiposten Wilsdruff mochte sich in seiner Aussage nicht gerne an Beobachtungen aus dieser Zeit mit seinem Kollegen erinnern und musste sich dafür auch die deutliche Kritik der Staatsanwaltschaft gefallen lassen.

Glücklicherweise konnte danach die Kriminalbeamtin der federführenden Ermittlungsbehörde der Kriminalpolizei Pirna Klarheit in das verschwommen dargestellte Prozedere der internen Abläufe beim Polizeiposten Wilsdruff um die versehentliche Speicherung der kinderpornografischen Dateien bringen.

1.600 kinder- und tierpornografische Dateien

Der Dienststellenleiter des übergeordneten Polizeirevieres in Freital hatte demnach unverzüglich die notwendigen Maßnahmen einleiten lassen, und bei der Kripo in Pirna kam dann auch schnell der Verdacht gegen Uwe H. auf.

Im April 2019 wurden bei Durchsuchungen im Polizeiposten Wilsdruff sowie in den Wohnräumen des Angeklagten mehrere Beweismittel beschlagnahmt. Im Zuge der Ermittlungen konnten Uwe H. bislang etwa 1.600 kinder- und tierpornografische Dateien übelster Sorte zugeordnet werden.

Kurz nach Beginn der Befragung der Sachbearbeiterin der Kripo Pirna entließ die Richterin die Beteiligten in eine kurze Mittagspause.

Von dort zurück, wurde schnell das Fehlen des Verteidigers von Uwe H., Rechtsanwalt Andreas Suska aus Dresden, bemerkt. Auf Nachfrage nach dem Verbleib seines Anwaltes erklärte der Angeklagte, sein Anwalt habe sich entschieden, einen anderen Termin wahrzunehmen. Für heute Nachmittag könne sich Uwe H. auch alleine verteidigen.

Ungläubige Blicke bei allen Anwesenden, für Uwe H. schien das jedoch kein Problem zu sein, denn er wollte unbedingt auch in Zukunft von seinem gerade abgetauchten Anwalt verteidigt werden.

Die Rücksichtslosigkeit des anwaltlichen Verhaltens auch ihm selbst gegenüber schien ihm nicht bewusst zu sein, nun saß Uwe H. plötzlich ohne Verteidiger alleine auf der Anklagebank.

Prozess steht wieder am Anfang

Das Gericht stellt Uwe H. künftig einen Pflichtverteidiger zur Seite und untersagt Anwalt Suska gleichzeitig wegen erwiesener Unzuverlässigkeit, in diesem Fall als Pflichtverteidiger von Uwe H. zu wirken. Es bleibt abzuwarten, ob Uwe H. von nun an tatsächlich mit zwei Verteidigern auftreten wird und ob der treulose Anwalt dann als zusätzlicher Wahlverteidiger von Uwe H. wieder vor Gericht auftauchen wird.

Der gesamte Prozess muss wegen dieser überheblich wirkenden Laune des Dresdner Anwaltes somit noch einmal von Neuem aufgerollt werden; das Gericht prüft nun auch, inwieweit man dem Rechtsanwalt die unnötig entstandenen Kosten auferlegen kann.