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Sieben Jahre für eine Schule

Mit großem Bauverzug wurde 2020 endlich das Wilsdruffer Gymnasium fertig. Das Ergebnis lässt alle Widrigkeiten vergessen.

Schauen und sich freuen: Zahlreiche Wilsdruffer kamen Anfang Oktober zur Eröffnung des Gymnasiums.
Schauen und sich freuen: Zahlreiche Wilsdruffer kamen Anfang Oktober zur Eröffnung des Gymnasiums. © Egbert Kamprath

Lichtdurchflutete Gänge, Klassenzimmer mit moderner Ausstattung, Treffpunkte im Treppenhaus, eine Mensa wo andere einen Speiseraum haben - das ist Schule 2020. Und sie steht in Wilsdruff. Sieben Jahre hat es von der ersten Idee bis zur Vollendung gedauert, mit dem ersten Tag des neuen Schuljahres wurde am 31. August 2020 das Gymnasium in Betrieb genommen.

Für alle, die so lange daraufhin gearbeitet hatten, war es ein bewegender Moment mit Gänsehauteffekt. Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) gestand später, er sei froh gewesen, dass er an jenem Tag eine Maske tragen musste.

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Baustart nach vielen Hindernissen

Die Emotionalität war auch deshalb so groß, weil es ein äußerst holpriger Weg bis zum Schulstart war. Die Idee, ein neues Gymnasium für die Region nicht in Freital, sondern in Wilsdruff zu bauen, kam 2013 auf. Als der Stadtrat Freital vor allem aus finanziellen Gründen auf die Ansiedelung der neuen Schule verzichtete, bekam Wilsdruff den Zuschlag für den Bau.

Doch die Idee von einem Gymnasium in Wilsdruff begeisterte nicht alle. Der Meißner Landrats Arndt Steinbach, ehemals Bürgermeister in Wilsdruff, wurde zum erbitterten Gegner des Projektes. Er befürchtete sinkende Schülerzahlen am Nossener Gymnasium. Immer wieder wurde gerechnet, Geburtenzahlen, Schülerströme, Zuzüge in die Region begutachtet. Im September 2017 war Grundsteinlegung für das Wilsdurffer Gymnasium. Zuvor war der Landkreis Meißen noch gerichtlich gegen das Bauvorhaben vorgegangen - erfolglos.

Im März 2019 ist der Hochbau in vollem Gange. Wilsdruffs Bürgermeister wirft hier einen Blick in den zukünftigen Innenhof der Schule.
Im März 2019 ist der Hochbau in vollem Gange. Wilsdruffs Bürgermeister wirft hier einen Blick in den zukünftigen Innenhof der Schule. © Andreas Weihs

Interim in Freital-Kleinnaundorf

Ziel war es lange gewesen, zum Schuljahr 2018/19 das Gymnasium mit dazugehöriger neuer Sporthalle zu eröffnen. Doch die Diskussionen und Baustartverzögerungen im Vorfeld machten diesen Plan zunichte. Um den Familien entgegenzukommen, eröffneten die Wilsdruffer dennoch im Spätsommer 2018 die ersten Gymnasialklassen.

Die Mädchen und Junge der fünften Klassen wurden in einem Ausweichgebäude unterrichtet. Die Stadt Freital hatte dafür die ehemalige Schule in Kleinnaundorf zur Verfügung gestellt. Es wurde ein separater Buspendelverkehr eingerichtet. Geplant war, übergangsweise ein Jahr in Kleinnaundorf zu bleiben. Es wurden am Ende zwei Schuljahre.

Denn auch während der Bauphase kam es zu Verzögerungen, unter anderem wegen rechtlicher Auseinandersetzungen um den Bau des Außenbereichs und einem massiven Wassereinbruch ins Gebäude. Zudem verzögerten steigende Preise in der Baubranche und knappe Kapazitäten bei den Firmen für weitere Verzögerungen.

Es war aber auch ein Mammutprojekt für ein die 15.000-Einwohner-Stadt: 25 Millionen Euro wurden verbaut. 55 Firmen mit etwa 340 Arbeitern und Handwerkern waren beteiligt.

Im Februar 2020 steht der Komplex weitestgehend, es läuft vor allem der Innenausbau. In den Sommerferien 2020 kann sich das Lehrerteam endlich einrichten - nach fast drei Jahren Bauzeit.
Im Februar 2020 steht der Komplex weitestgehend, es läuft vor allem der Innenausbau. In den Sommerferien 2020 kann sich das Lehrerteam endlich einrichten - nach fast drei Jahren Bauzeit. © Andreas Weihs

Freude am ersten Schultag

Im Sommer 2020 war es endlich soweit. Schulleiterin Katja Laetsch und ihr Team konnten nach Wilsdruff umziehen. Die Ferien wurden genutzt, sich einzurichten und den Unterricht um neuen Gebäude vorzubereiten. Am letzten Augusttag war der erste Schultag in dem Neubau. Die offizielle, feierliche Eröffnung mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung erfolgte am 10. Oktober.

"Wir haben so lange auf diesen Tag gewartet", sagte Schulleiterin Katja Laetsch damals und bedankte sich für die viele Geduld auch bei den Eltern. "Es ist einfach toll, in so einem Haus etwas ganz Neues aufzubauen. Man hat auch beim Bürgermeister und allen Mitarbeitern in der Stadtverwaltung, die mit dem Projekt zu tun hatten, immer gemerkt, dass diese Schule eine Herzensangelegenheit ist."

Architekt Uwe Schulz von Iproplan Chemnitz übergab an Schulleiterin Katja Laetsch zur feierlichen Eröffnung den symbolischen Schlüssel.
Architekt Uwe Schulz von Iproplan Chemnitz übergab an Schulleiterin Katja Laetsch zur feierlichen Eröffnung den symbolischen Schlüssel. © Egbert Kamprath

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