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„Wir hoffen auf überregionale Strahlkraft“

Die 3. Internationalen Messiaen- Tage sind vorbei. Im Interview kündigt Frank Seibel, Chef des Trägervereins, eine Neuerung an.

Frank Seibel
Frank Seibel © SZ-Archiv

Herr Seibel, die Messiaen-Tage etablieren sich immer mehr als ernstzunehmendes Festival. Welches Resümee zieht der Verein und wie war die Resonanz des Publikums?

Wir sind sehr zufrieden. Es war wirklich ein spannungsreiches vielfältiges Programm mit vielen Höhepunkten. Besonders berührt war das Publikum vom Kammerkonzert „Fremd bin ich eingezogen“ am Sonnabend im Theater, einer Interpretation von Schuberts Winterreise mit persischem Gesang und persischen Instrumenten. Diese Verbindung der Schubert’schen Einsamkeit und Heimatlosigkeit mit den melancholischen nahöstlichen Klängen war für viele äußerst bewegend. Aber auch das Ragtime-Konzert im Atelier Kremser oder das Konzert mit Liedern von Mikis Theodorakis, der ein Schüler von Olivier Messiaen war, begeisterten das Publikum. Bei der Aufführung des Quartetts auf das Ende der Zeit haben wir diesmal resümiert, in welcher Aufbruchsstimmung wir es 2008 zum ersten Mal in Zgorzelec veranstaltet haben, wie überwunden der Kalte Krieg und die Grenzen in Europa damals schienen und wie wenig davon heute noch zu spüren ist. Unsere Schweigeminute für den getöteten Bürgermeister von Danzig hat unsere polnischen wie unsere deutschen Gäste sehr berührt.

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Erstmals wurde mit den Gemälden von Armin Mueller-Stahl eine Kunstausstellung im Rahmen der Messiaen-Tage eröffnet. Waren die Leute sehr enttäuscht, dass der Hollywood-Star nicht selbst da war?

Nein, wir hatten seine Absage ja noch rechtzeitig mitgeteilt. Die Menschen kamen trotzdem bei Schneetreiben bis aus Dresden zur Ausstellungseröffnung in die Galerie des Kulturservices auf der Brüderstraße, auch der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz war da. Es war deutlich, dass sie nicht im Glauben kamen, ein berühmter Schauspieler male so nebenher ein paar Bilder, sondern sie nahmen Mueller-Stahl ganz als bildenden Künstler wahr. Seine Porträts von Olivier Messiaen hatte er extra für diesen Anlass gemalt, wir hatten Kontakt zu ihm über den früher in Görlitz, heute in Neuruppin lebenden Kulturmanager Andreas Vockrodt, der viel mit Mueller-Stahl zusammenarbeitet.

Wird das Festival von seinem Konzept her so bleiben oder soll haben Sie Vorstellungen für eine Weiterentwicklung?

Das Programm gestaltet in erster Linie unsere Künstlerische Leiterin Sarah Weinberg. Der ehrenamtliche Vorstand steht nur beratend zur Seite. Unsere interne Auswertung steht noch aus, aber grundsätzlich war, wie ich finde, alles sehr gelungen. Das Zusammenspiel zwischen Konzerten, Führungen, Diskussionen und Workshops funktionierte gut. Eine neue Idee haben wir aber für das nächste Jahr. Wir möchten die Aufführung des Messiaen-Quartetts gern international ausschreiben und die Musiker bereits im Sommer nach Görlitz-Zgorzelec einladen, um sich mit dem Ort und dem Thema der Kriegsgefangenschaft auseinanderzusetzen und sich so auf das Konzert am 15. Januar 2020 vorzubereiten. Davon erhoffen wir uns eine überregionale Strahlkraft. Ideal wäre eine Beteiligung von Musikern aus Polen, Deutschland und Frankreich.

Die Ausstellung mit Werken Armin Mueller-Stahls in der Galerie auf der Brüderstraße ist noch bis zum 30. März montags bis freitags 11 bis 18 und am Wochenende 13 bis 18 Uhr zu sehen.

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