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„Wir wollen den Schluckenauer Zipfel beleben“

Oldrich Bubenicek erklärt, warum für Tschechien der Grenzübergang so wichtig ist und macht ein Angebot.

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Blick von der Lausche über den Schluckenauer Zipfel.
Blick von der Lausche über den Schluckenauer Zipfel. © Foto: Wolfgang Wittchen

Kürzlich war eine Delegation des Bezirkes Usti nad Labem (Aussig) zu Gast im Neustädter Rathaus. Regionspräsident Oldrich Bubenicek und Jiri Aster von der Wirtschaftskammer wollten den Ausbau des Grenzübergangs zwischen Langburkersdorf und Lobendava mit Bürgermeister Peter Mühle (NfN) besprechen. Im Interview erklärt Oldrich Bubenicek, warum die neue Grenze für die tschechische Seite so bedeutsam ist.

Herr Bubenicek, warum sollte in Langburkersdorf ein Grenzübergang entstehen? In Sebnitz gibt es bereits einen, der nur wenige Kilometer entfernt ist.

Dem Schluckenauer Zipfel dient unsere besondere Aufmerksamkeit. Er gilt als vergessener Landstrich, wo man schwerer Arbeit findet und die Versorgung schlechter ist. Deshalb bin ich überzeugt, dass jede neue Initiative dieser Region in ihrer Entwicklung nur helfen kann. Beide Grenzübergänge würden sich ergänzen, führen in andere Städte und ergänzen damit das Angebot an Möglichkeiten bei der Fahrt zur Arbeit, zum Einkauf, zu Kultur oder auch für den Tourismus. Und das gilt für die Einwohner auf beiden Seiten der Grenze.

Welche Variante des Grenzübergangs würde der Regierungsbezirk Usti bevorzugen? Eine Straße nur für Fahrräder, eine Straße für Autos oder einen komplett ausgebauten Grenzübergang auch für Lkws?

Die Straße, die für den Grenzübergang gebaut werden muss, ist auf tschechischer Seite für die II. Kategorie vorgesehen, das heißt, sie ist für alle Verkehre ausgelegt. Ich verstehe aber die Einwohner aus dem Ortsteil Langburkersdorf, dass sie keinen Schwerlastverkehr möchten. Wir haben deshalb den Vorschlag gemacht, die Tonnage auf 7,5 Tonnen zu begrenzen. Damit könnten auf dieser Straße alle Pkw Einheimischer wie Touristen sowie maximal Lieferfahrzeuge fahren. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Kompromiss auch für die deutsche Seite annehmbar ist. Wenn es zu einer Einigung kommt, werde ich mich für eine Begrenzung der Tonnage auf dieser neuen Straße einsetzen.


Oldrich Bubenicek ist seit 2012 Landeshauptmann der Region Usti. Sein Amt ist vergleichbar mit einem Landrat. 
Oldrich Bubenicek ist seit 2012 Landeshauptmann der Region Usti. Sein Amt ist vergleichbar mit einem Landrat.  © Foto: Bezirk Usti

Mit einem neuen Grenzübergang würden sehr wahrscheinlich in Lobendava Tankstellen, Supermärkte, Friseursalons usw. entstehen. Ist das von der Gemeinde so gewollt?

Jede Weiterentwicklung dieser Gemeinden ist von uns gewollt. Ein Ausbau der örtlichen Infrastruktur wäre für die Einwohner ein Plus. Auf der anderen Seite muss man sich aber vergegenwärtigen: Es geht nicht um eine neue Autobahn, sondern nur um eine kleine Straße, die vor allem den Einwohnern vor Ort und dem Tourismus helfen soll.

Sehen Sie die Gefahr, dass der Grenzverkehr nach Dolni Poustevna über Sebnitz abnehmen könnte und damit Geschäfte in Dolni schließen könnten?

Wie schon gesagt, befinden sich die Übergänge zwar in der Nähe, aber jeder führt in eine andere Richtung und in eine andere Stadt. Ich glaube nicht, dass hier eine Konkurrenz entsteht. Eher soll der neue Übergang helfen, eine weitere Ecke des Schluckenauer Zipfels voranzubringen.

Wie geht es mit dem Thema Grenzübergang nach dem Treffen mit Bürgermeister Peter Mühle in Neustadt weiter?

Während der Verhandlungen versprach Bürgermeister Mühle, das Projekt erneut im Stadtrat vorzulegen, versehen mit der Neuerung, dass die Straße auf 7,5 Tonnen begrenzt wird. Auch Herr Mühle denkt, dass das ein Kompromiss mit Aussicht auf Erfolg wäre. Danach soll auf beiden Seiten eine neue Schätzung der Verkehrsbelastung durchgeführt und die Projektdokumentation entsprechend aktualisiert werden, um sie umsetzen zu können.

Die Fragen stellten Nancy Riegel und Steffen Neumann.