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Wirtschaft

Batteriezellen: Autoexperte will Fertigung in Sachsen

Die Branche erlebt mit E-Autos einen tiefgreifenden Umbruch. Derzeit bereitet der Chipmangel Kopfzerbrechen auch in Sachsen. Was ein Experte jetzt fordert.

Mitarbeiter bei der Einweihung des neuen Batterie-Labors im Center of Excellence Salzgitter. Volkswagen nimmt für die geplante Fertigung konzerneigener Batteriezellen in großen Stückzahlen das Entwicklungslabor in Betrieb.
Mitarbeiter bei der Einweihung des neuen Batterie-Labors im Center of Excellence Salzgitter. Volkswagen nimmt für die geplante Fertigung konzerneigener Batteriezellen in großen Stückzahlen das Entwicklungslabor in Betrieb. © Volkswagen AG

Zwickau. Sachsens Automobilwirtschaft rechnet mit einer anhaltenden Durststrecke wegen des Halbleitermangels. Die Situation sei eine Katastrophe für die Branche, sagte Dirk Vogel, Chef des Automobilzuliefernetzwerkes AMZ. Laut Prognosen werden die Engpässe bis mindestens zum zweiten Quartal 2022 dauern. Zugleich mahnte er mehr Anstrengungen von Bund und Land an, neben der Fahrzeugproduktion auch die Fertigung von Batteriezellen in Sachsen zu etablieren. Vogel: "Es muss zwingend eine Batteriezellfertigung in die Region." Das verkürze nicht nur Lieferwege, sondern schaffe Beschäftigung etwa bei Logistikern und Dienstleistern.

Die Automobilwirtschaft durchläuft derzeit einen tiefgreifenden Umbruch. Dabei geht es neben dem Wandel vom Verbrenner zum E-Motor auch um Themen wie Digitalisierung und autonomes Fahren. Solche Trends und Herausforderungen sind Themen beim Internationalen Automobilkongress in Zwickau, der am Dienstagabend eröffnet werden soll. Dabei wird es auch um die Versorgung mit Rohstoffen und neue Märkte gehen. Der Blick wird vor allem auf Südafrika gerichtet. Insgesamt werden mehr als 200 Teilnehmern erwartet.

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Der Wandel zur Elektromobilität treffe die Zulieferfirmen in unterschiedlicher Weise, sagte Vogel. Unternehmen, die etwa Teile für Motoren und Getriebe fertigen, hätten das Nachsehen, weil in diesen Bereichen immer weniger investiert und produziert werde. Anders als Hersteller von Elektronik.

Politik muss Anreize schaffen

Mit Blick auf die aktuelle Halbleiterkrise sei die Automobilwirtschaft in Sachsen durch die stärkere Ausrichtung auf Elektrofahrzeuge im Vorteil. So hat etwa das VW-Werk in Zwickau im Unternehmen Vorrang bei der Teileversorgung. "Wenn die Branche stottert, dann stottert Zwickau etwas weniger", betonte Vogel.

Zwar laufe der Trend bei PKW-Neufahrzeugen eindeutig in Richtung Elektroantrieb mit Batterie; Brennstoffzellen als Antriebstechnik sieht Vogel eher im Bereich von Nutz- und Kommunalfahrzeugen. Dennoch rät er, synthetische Kraftstoffe als Alternative zu fossilem Sprit im Auge zu behalten. Dabei verwies er auf die vielen Millionen vorhandenen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und ihre Lebensdauer. Auch hierzu seien Anreize seitens der Politik nötig.

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Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Chemnitz, Dieter Pfortner, mahnt angesichts der Umbrüche zu stärkerer Kooperation. Damit die Branche in Sachsen wettbewerbsfähig bleibe, bedürfe es tiefgreifender Partnerschaften zwischen allen Beteiligten. "Gerade in nationalen und internationalen Kooperationen bieten sich vielfältige Chancen und Alternativen", betonte er in der Einladung zu dem Kongress. Das Gebot der Stunde laute "Produktion in Partnerschaft". (dpa)

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