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Bauen und Wohnen

Mehr Licht und Platz dank drittem Giebel

Ein zusätzlicher Dachgiebel kann ein Haus deutlich aufwerten – wenn der Ausbau denn genehmigt wird.

©  pixabay.com/anncapictures (Symbolfoto)

In Zeiten, in denen Wohnraum immer knapper und teurer wird, wollen Eigenheimbesitzer den verfügbaren Platz in ihren eigenen vier Wänden möglichst optimal ausschöpfen. Da kann ein nachträglich eingebauter Giebel im Dachgeschoss zusätzliche Wohnfläche schaffen. Und damit sogar den Wert des ganzen Gebäudes erheblich steigern.

"Dieser weitere Giebel sorgt für mehr natürliches Licht im Dachgeschoss und schafft gleichzeitig mehr Nutzfläche. Dies sind alles Faktoren, die sich auch bei einem späteren Verkauf des Hauses auszahlen", sagt Philip Witte vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Köln. "Man spricht hier von der individuellen Nachverdichtung."

Individuelle Nachverdichtung lohnt sich

Auch die Düsseldorfer Innenarchitektin Birgit Schwarzkopf rät, das Wohnpotenzial von Speichern und Dachgeschossen stärker zu nutzen. "Gerade in dicht besiedelten Gegenden wie den Innenstädten oder in vielen Eigenheim-Siedlungen ist der Dachausbau oft die einzige Möglichkeit, nachträglich weiteren Wohnraum zu schaffen", sagt sie. Und fügt an: "Mir tut es immer weh, wenn ich sehe, wie viel Potenzial dort ungenutzt bleibt."

Schwarzkopf verweist aber auch auf die baurechtlichen Vorgaben. "Man darf ein Dachgeschoss nur zu Wohnzwecken nutzen, wenn es auch Aufenthaltsqualität bietet." Dafür muss mindestens die Hälfte der Grundfläche eine Höhe von 2,20 Meter haben. "Das kann man mit einem zusätzlichen Giebel oder einer Gaube erreichen."

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Flachdach für Extra-Giebel meist nicht geeignet

Flachdächer sind für zusätzliche Giebel ungeeignet, bei Satteldächern sind sie jedoch in den meisten Fällen eine interessante Option. Besonders, wenn sie klug positioniert werden: Im Idealfall liegen die zusätzliche Gaube oder der Giebel nach Süden und das Dachflächenfenster gen Norden.

Doch ehe die Handwerker loslegen können, sind zunächst die Bauämter gefordert. Der nachträgliche Einbau eines Giebels muss in der Regel genehmigt werden. Denn der Ausbau kann die Abstandsflächen zu den Nachbargebäuden beeinträchtigen. "Auch prüft das Bauamt, ob diese Veränderung optisch zur Umgebungsbebauung passt und dem geltenden Bebauungsplan entspricht", sagt Hans Schröder vom Verband Privater Bauherren.

Für den Bauantrag muss der Bauherr daher auf einen Architekten oder Bauingenieur zurückgreifen. "Nur so ist gewährleistet, dass der Bauantrag qualifiziert ist sowie den inhaltlichen und formalen Ansprüchen genügt", erläutert Schwarzkopf.

Und noch ein Faktor muss bei der Planung berücksichtigt werden, betont Schröder: "Das Dach muss den zusätzlichen Giebel auch tragen können. Das muss von einem Statiker geprüft werden." Hier profitieren Bauherren vom technischen Fortschritt, sagt Schwarzkopf: "Viele Werkstoffe für den Dachausbau sind inzwischen so leicht und kompakt, dass sie den Dachboden nicht erheblich zusätzlich belasten."

Zimmerer passt vorhandenen Dachstuhl an

Wenn der Bauantrag gestellt ist, braucht der Bauherr vor allem Geduld: Je nach Region kann es Monate dauern, ehe ein Antrag genehmigt ist. Dann aber kann es losgehen, erklärt Witte: "Das Dach wird an der für den Giebel vorgesehenen Seite abgedeckt, anschließend passen die Zimmerer den vorhandenen Dachstuhl dem neuen Giebel an."

An dieser Stelle zeigen sich gern unangenehme Überraschungen wie feuchte oder faule Stellen im Holz, die bei dieser Gelegenheit beseitigt und repariert werden können. So wird gleichzeitig die Lebensdauer des gesamten Dachs verlängert.

Anschließend wird der neue Dachgiebel eingesetzt, gedämmt und das Dach wieder gedeckt. "Hierbei ist es wichtig, dass vor allem die Wärmedichtung stimmt und keine Feuchtigkeit am neuen Giebel eindringt", warnt Schröder.

Einen Monat Bauzeit plus Wartezeit

Die eigentlichen Bauarbeiten dauern in der Regel etwa einen Monat, schätzt Witte. Dazu kommen die Planungs- und Genehmigungsphasen. Bauherren-Berater Schröder weist zudem darauf hin, dass derzeit viele Baugewerke angesichts der guten Auftragslage langfristig ausgebucht sind.

Die Grundkosten für dem nachträglichen Giebeleinbau setzt Dachdecker-Experte Witte zwischen 10.000 und 20.000 Euro an. "Entscheidet man sich für eine vorgefertigte und gedämmte Gaube, dann kann es auch etwas billiger werden."

Besonders bietet sich der Einbau eines zusätzlichen Giebels an, wenn ohnehin eine Dachsanierung oder ein Dachausbau geplant ist, raten sowohl Witte wie auch Schröder. Es gilt: Ein Dach hält in der Regel 30 bis 50 Jahre, je nach Lage und verwendeten Ziegeln.

Ein kompletter Dachausbau ist allerdings auch mit mehr Aufwand bei der Planung und Durchführung, höheren Kosten und mehr Beeinträchtigungen in der Bauphase verbunden, warnt Schröder. "Denn dabei spielen auch Faktoren wie Brandschutz und ein Mobilitätskonzept eine wichtige Rolle." (dpa/tmn)

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