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Dresdner Start-up bekommt 250 Millionen

Nie gab es mehr Risiko-Geld für ein junges Biotech-Unternehmen im Osten. Gemoab bekommt eine kräftige Finanzspritze. Die Firma entwickelt Krebsmedikamente.

Der Angriff einer Krebszelle im menschlichen Körper.
Der Angriff einer Krebszelle im menschlichen Körper. © Westend61

Dresden. Es ist die bisher größte Beteiligung privater Geldgeber an einem sächsischen Start-up. Eine Viertelmilliarde Dollar, an die 220 Millionen Euro, investiert Blackstone Life Sciences (USA) in die Entwicklungen der Dresdner Firma Gemoab. „Wir schaffen ein weltweit neues Pharmaunternehmen“, sagt Gerhard Ehninger, Dresdner Krebs-Mediziner, TU-Professor und Gemoab-Firmengründer am Mittwoch im Gespräch mit Sächsische.de. „In drei Jahren müssen wir ein erstes Produkt haben.“ Ein neues Krebsmedikament.

Den bahnbrechenden Gemoab-Entwicklungen gegen Krebs gehen mehr als 20 Jahre Forschung voraus. Cellex Cell Professionals, ebenfalls ein Unternehmen von Ehninger, bringt diese Erfindungen nun an den Markt. Es ist Teil des neuen, künftig globalen Pharmaunternehmens Avencell. Ehninger ist dort nun als einer der Geschäftsführer Chefmediziner. An der neuen Firma beteiligt ist auch die mit Gen-Werkzeugen arbeitende Intellia Therapeutics (Cambridge, USA). Zusammen werden nun neuartige Krebsmedikamente möglich, deutlich wirksamer und dabei mit erheblich geringeren Nebenwirkungen.

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Prof. Gerhard Ehninger ist Arzt, Krebsforscher und Firmengründer. Jahrelang leitete er eine Klinik im Dresdner Uniklinikum.
Prof. Gerhard Ehninger ist Arzt, Krebsforscher und Firmengründer. Jahrelang leitete er eine Klinik im Dresdner Uniklinikum. ©  Thomas Kretschel

Schwache Immunzellen werden durch Zelltransporter an die Tumorzellen geschleppt. Dort geben sie dann direkt ihren für diese Zellen tödlichen Wirkstoff ab. Die ersten derartigen Killerzellen gegen den Krebs befinden sich bereits sehr erfolgreich in klinischen Tests. Daher sei diese enorme Investition erst möglich geworden, sagt Ehninger.

„Es war bereits fünf nach zwölf.“ Länger hätte sein Unternehmen, finanziert mit privatem Geld, nicht überlebt. Dass der Konzernsitz und die Geschäftsleitung nun in Cambridge (USA) wären, sei „allerdings sehr schade“, sagt er. „Mit europäischen Partnern war das aber einfach nicht hinzubekommen.“

Die Forschung bleibt aber hier. In Dresden werden Laborräume gesucht. 100 Mitarbeiter sollen es baldmöglichst sein. Und in Dresden wird auch die Zentrale von Avencell Europe aufgebaut. In Köln bei Ehningers Firma Cellex, soll mit 250 Mitarbeitern die Wirkstoffproduktion beginnen. Auch hierfür werden bereits die Reinräume gesucht. „Entscheidend war die unmittelbare Nähe zu den Frachtflügen nach Amerika“, begründet dies der Forscher. Im Strategiepapier von Avencell sei aber auch von einer möglichen Produktionsstätte in Leipzig die Rede mit seiner guten Frachtflug-Anbindung an den asiatischen Markt.

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