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Geht Dresdens Händlern vor Weihnachten das Spielzeug aus?

Zum Teil gibt es erhebliche Lieferprobleme, berichten Spielzeuggeschäfte in der Stadt. Ein Ende sei nicht absehbar. Was sie Eltern nun raten.

Von Sandro Rahrisch & Niels Heudtlaß
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Wird es ein grimmiges Weihnachtsfest für Dresdens Kinder? Ein Spielzeug-Engpass in den Geschäften droht.
Wird es ein grimmiges Weihnachtsfest für Dresdens Kinder? Ein Spielzeug-Engpass in den Geschäften droht. © dpa/Axel Heimken

Dresden. Geschenke gehören für viele genauso zum traditionellen Weihnachtsfest wie ein geschmückter Baum oder Plätzchen. Kaum ein Elternteil möchte auf die funkelnden Kinderaugen beim Auspacken des neuen Spielzeugs verzichten. Doch dieses Jahr ist Eile geboten, damit es am Ende keine Tränen gibt. Lieferengpässe und gestiegene Transportkosten könnten vor allem in kleineren Geschäften zu leeren Regalen und hohen Preisen führen.

"Gehen Sie jetzt los", sagt Kathrin Dostlebe, die das Spielwaren-Geschäft "Zauberbaum" an der Ecke Leipziger/Jubiläumsstraße in Mickten leitet. Viele Eltern seien darauf geeicht, ihre Geschenke wenige Tage vor dem Weihnachtsfest zu kaufen. Dies könnte sich in diesem Jahr als großer Fehler herausstellen. Der "Zauberbaum" hat sich auf Holzspielwaren spezialisiert. Ein großer deutscher Hersteller hatte Dostlebe bis zum 24. Oktober Zeit gegeben, ihre Bestellungen bis zum Jahresende aufzugeben. "Danach darf ich nichts mehr ordern."

Was bestellt wurde, komme aktuell nur in Teillieferungen. Die Lieferzeit wird mit acht Wochen angegeben. Bei Ware aus Fernost sehe es noch düsterer aus. Das betreffe so ziemlich alle Artikel "auf ganzer Linie", erzählt Dostlebe. Insbesondere Kunden, die nach einem speziellen Spielzeug suchen, das bestellt werden muss, könnten dieses Jahr Pech haben. Auch für die Händlerin ist die Lage kritisch: "Letztes Jahr mussten wir das Geschäft geschlossen halten, dieses Jahr belastet uns nun die Liefersituation."

"Die Ware kommt nur kleckerweise"

Ein Einzelfall? Keineswegs. Die Ware käme nur kleckerweise, sagt Andreas Woigk von Spiel + Schreib Woigk. Es sei für alle wenig Ware vorhanden und den Großteil würden die Handelsketten bekommen. Momentan seien die Regale zwar voll, aber seine Geschäfte hätten selten mehr als 20 Artikel von einem Spielzeug auf Lager, und neue Ware sei nicht in Sicht, so Woigk weiter. Er leitet drei Spielzeugfilialen in Dresden, zu denen auch die Spielwaren am Blauen Wunder gehören.

Besonders auf Marken, die momentan im Trend liegen, etwa Pokémon, müssten Dresdner, die ihre Weihnachtseinkäufe nicht frühzeitig erledigen, dieses Jahr wohl verzichten, prophezeit der Spielzeugladenbetreiber. "Wir Einzelkämpfer werden bei der Verteilung nicht gleichwertig mit den großen Ketten behandelt."

Nicht nur die Warenverfügbarkeit verschärft sich. SZ-Informationen zufolge haben sich auch die Preise für einen Transportcontainer aus Shanghai fast verzehnfacht. Mit einer Steigerung von ungefähr 1.600 US-Dollar im August 2020 auf rund 14.000 US-Dollar im August 2021 sollen die Transportkosten explodiert sein.

Derart hohe Preise bereiten Daniel Dorner, Geschäftsführer der Dresdner Spielaxie, Sorgen. Die Lage sei angespannt. Er rechne mit einer gewaltigen Preissteigerung im Einkauf, die dann auch an die Kunden weitergeben würde, erklärt der Spielwarenhändler, der Geschäfte im Gorbitzer Sachsenforum und in Pirna betreibt. Kleine Läden wie die Spielaxie müssten sich auf Klassiker wie Gesellschaftsspiele und Puzzles, die aus Erfahrung im Weihnachtsgeschäft gut laufen, konzentrieren.

Regionale Holzprodukte als teurere Alternative

Er habe für den Winter zwar reichlich Ware eingekauft und sei gut vorbereitet. Nur wenn die Ware erstmal weg sei, könne nicht so schnell nachgekauft werden, sagt Dorner. Brenzliger könnte es im Frühjahr werden. Dann kämen Produktionsprobleme aufgrund des immer wieder ausfallenden Stroms in China hinzu. Für diesen Zeitraum sagt der Händler weitere Preissteigerungen voraus.

Auch Andreas Woigk stimmt schon einmal auf die Spieleklassiker als Alternative ein. Er setzt in seinen Geschäften vermehrt auf regional produzierte Spielwaren. So finden sich neben alten DDR-Klassikern auch Holzsteckfiguren in seinem Sortiment. Diese Waren kosten aber oft mehr. "Besonders Holzspielzeug liegt ja momentan im Trend. Die Kunden wollen keine China-Ware, sondern regionale Produkte. Aber diese wollen sie dann zum gleichen Preis, und das ist nicht möglich" erklärt Woigk. Es gebe mehr als genug Ware, nur nicht unbedingt die, die gerade gewünscht sei.