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Ostsachsen reist während der Pandemie mehr als davor

Fast überall sind die Menschen weniger unterwegs - in Görlitz und Bautzen hat die Mobilität aber zugenommen. Die Gründe dafür könnten politisch sein.

Schon im Frühjahr war die Autobahn zwischen Dresden und Görlitz leergefegt.
Schon im Frühjahr war die Autobahn zwischen Dresden und Görlitz leergefegt. © dpa-Zentralbild

Die Deutschen reisen weniger. Das geht aus einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes hervor. In Zeiten, da von Kindergärten bis Restaurants alles geschlossen hat, für weite Teile ein Radius von 15 Kilometern gilt, schwinden die Optionen für Bewegung. In Görlitz und Bautzen störte die Pandemie die Menschen aber offensichtlich weniger. Dort gab es 2020 mehr Reisen als im Vorkrisenjahr 2019.

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Auch im neuen Jahr zieht sich die Differenz zwischen Ostsachsen und dem Trend auf Bundesebene fort. Deutschlandweit sank die Mobilität in der ersten Neujahrswoche um knapp 20 Prozent im Vergleich zum Januar 2019. Auch in der zweiten Woche hielt sich die Mobilität auf niedrigem Niveau.

In den Landkreisen Görlitz und Bautzen dagegen haben sich ab der zweiten Januarwoche die Menschen wieder mehr bewegt. Aktuellen Zahlen zufolge sind in den vergangenen zwei Wochen mehr Görlitzer und Bautzner unterwegs gewesen als im Januar 2019. Die meisten Bewegungen gab es am Dienstag, den 19. Januar.

Im Kreis Görlitz gab es an dem Tag gegenüber 2019 fast ein Drittel mehr Reisen, im Landkreis Bautzen nahmen die Reisen um 19 Prozent zu. Auch in der restlichen Woche waren die Ostsachsen mehr in Bewegung als der Rest. Woran das liegt, kann auch Statistiker Jannek Mühlhan vom Statistischen Bundesamt nur mutmaßen: "Wir kennen die Bewegungsdaten, nicht aber den Hintergrund der Reisen", sagt Mühlhan.

Inzidenzwert hat keinen Einfluss auf Mobilität

In der Studie, so Mühlhan, werden alle Mobilitätsarten zusammengefasst. Der Spaziergänger und die Autofahrerin - alle verstecken sich hinter derselben Zahl. Unter dem Begriff Reisen sammeln sich alle Unternehmungen, ob fünf, zehn oder 30 Kilometer.

Wettereffekte könnten regionale Unterschiede begründen. Allerdings regnete es am 19. Januar im Landkreis Bautzen und Görlitz war wolkenverhangen. Auch an den Inzidenzwerten kann es nicht gelegen haben, denn die haben sich in der Umgebung von Görlitz und Bautzen auf ähnlichem Niveau befunden wie in anderen sächsischen Landkreisen.

Generell konnten in ganz Deutschland keine wesentlichen Unterschiede zwischen Kreisen mit einem 7-Tage-Inzidenzwert ab 200, in denen der Bewegungsradius auf 15 Kilometer eingeschränkt ist, und solchen mit einer niedrigeren 7-Tage-Inzidenz erkannt werden.

Abgesehen von den beiden Landkreisen in Ostsachsen beobachtet Mühlhan Unterschiede besonders zwischen ländlichen und städtischen Regionen. Durch Einschränkungen des kulturellen Lebens sei die Bewegung der Menschen in Städten wie Dresden, Leipzig und Chemnitz stärker eingeschränkt als auf dem Land.

Mehr Bewegung durch Corona-Leugner?

Der Statistiker sieht auch einen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern waren die Menschen viel unterwegs. Im Westen sei die Mobilität im Vergleich dazu deutlich eingeschränkt gewesen. Darin könnte sich abzeichnen, wie ernst die Menschen die Pandemie und ihre Eindämmung jeweils nehmen. In Sachsen ist der Anteil der „Corona-Leugner“ mit 14 Prozent an der Gesamtbevölkerung höher als in jedem anderen Bundesland, wie eine Studie der Deutschen Bank ergab.

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Die Entwicklung sei auffällig, sagt Mühlhan, eine handfeste Erklärung dafür gebe es aber noch nicht. Der Statistiker weist daraufhin: "Auch wenn sich mehr bewegt wird, muss es nicht unbedingt zu mehr Kontakten kommen."

Die Mobilitätsdaten wurden vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht. Grundlage bilden Telefondaten von einem Drittel der Deutschen.

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