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Ein sächsischer Gewinner der Digitalisierung

Riesen-Rechenzentrum bei Leipzig und immer mehr Glasfaserkabel: Das Unternehmen Envia-Tel hat im Corona-Jahr ein Drittel mehr Umsatz gemacht.

Eines der größten Rechenzentren in Deutschland: Envia-Tel vermietet in Taucha bei Leipzig GmbH die Anschlussplätze für 60.000 Server - klimatisiert.
Eines der größten Rechenzentren in Deutschland: Envia-Tel vermietet in Taucha bei Leipzig GmbH die Anschlussplätze für 60.000 Server - klimatisiert. © PR/Tom Schulze

Dresden. Heute mal kein Homeoffice: Selbst der Chef eines Telekommunikations-Unternehmens fährt lieber ins Büro, wenn er ein stabiles Netz braucht. "Da fühle ich mich sicherer", sagt Stephan Drescher. Der Ingenieur, der seine Laufbahn bei Robotron begonnen hat, ist Geschäftsführer der Envia-Tel GmbH in Markkleeberg mit fast 200 Beschäftigten. Per Webex-Videoschaltung zog er Bilanz für das Corona-Jahr: Es brachte der sächsischen Firma nicht etwa die Krise, sondern einen starken Umsatzschub - ein Drittel Zuwachs auf 79 Millionen Euro. Gut sechs Millionen Euro Gewinn stehen in der Bilanz.

Der Rekord-Umsatz für Envia-Tel wird nicht der letzte sein: Dreschers Branche ist Gewinner des Trends zur Digitalisierung. Alle drei Sparten des Unternehmens legten zu: der Ausbau von Glasfaserverbindungen für Gewerbegebiete und Ärztehäuser. Die Vermietung von klimatisierten Anschlussplätzen für Server im Datacenter Taucha bei Leipzig. Und die Anbindung von Mobilfunkantennen ans Netz im Auftrag von Vodafone und Telefonica.

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Im vorigen Jahr hat Envia-Tel begonnen, auch Privatkunden ans Glasfasernetz anzuschließen. In Pilotkommunen bei Leipzig begann der Ausbau. Die Bedingung: Mindestens 35 Prozent der Haushalte einer Kommune müssen sich für den Anschluss entscheiden, damit sich das Geschäft lohnt. Nur dann kommt der Bagger.

Corona verdoppelt Datenfluss in den Leitungen

Ein Unternehmen wie Envia-Tel hat es leichter als andere, Kunden von einem Breitbandanschluss zu überzeugen: Ähnlich wie die ehemaligen Stadtwerke in den größeren Städten ist Envia-M traditioneller Platzhirsch auf dem Lande in einem großen Teil Ostdeutschlands. Als Tochterfirma von Envia-M gehört das Unternehmen zwar zum Eon-Konzern, aber zu rund 40 Prozent auch den Kommunen in der Umgebung. Da fällt es den Gemeindeversammlungen laut Drescher häufig leichter, sich für den Ausbau der Technik-Infrastruktur zu entscheiden.

Die Geschäftskunden in den Gewerbegebieten nehmen die Breitband-Anbieter allerdings nicht immer mit offenen Armen auf: Die Preissensibilität sei gerade in den neuen Ländern "extrem hoch", sagt Drescher. Mancher Betrieb halte erst einmal am Kupferkabelanschluss fest, obwohl Glasfaser angeboten wurde.

Doch die Corona-Zeit ließ den Bedarf stark steigen: Im Vergleich zum Jahresbeginn 2020 verdoppelten sich das Datenvolumen und das "Telefonie-Aufkommen". Zehn Prozent der Internetkunden nutzten das Angebot, die Bandbreite kurzfristig zu erhöhen. Meistens ging es dabei um eine Verdopplung, in Einzelfällen wurde verzehnfacht.

In den nächsten Jahren soll der Umsatz von Envia-Tel 100 Millionen Euro erreichen. Digitale Infrastruktur sei eine notwendige Bedingung für vernünftiges digitales Arbeiten geworden, sagt Drescher. "Das wird ein langfristiger Trend." Im vorigen Jahr schloss das Unternehmen 48 Industrie- und Gewerbestandorte ans Hochgeschwindigkeitsnetz an, mit 2.800 Betrieben.

Ingenieur im wachsenden Markt mit schnellem Datenaustausch: Stephan Drescher, Geschäftsführer der Envia-Tel in Markkleeberg.
Ingenieur im wachsenden Markt mit schnellem Datenaustausch: Stephan Drescher, Geschäftsführer der Envia-Tel in Markkleeberg. © PR/Dirk Hanus

Baggerfahrer bevorzugt größere Aufträge

Freilich sind die Tiefbaukosten mit der Nachfrage gestiegen. Laut Drescher sind Handwerksfirmen durchaus zu bekommen, aber sie machen einen Unterschied: Wenn sie die Wahl zwischen einem großen Auftrag und einem Hausanschluss mit nur zwei Kunden haben, entscheiden sie sich für den ersten. Schließlich haben sie auch bei kleinen Baustellen Rüstkosten.

Drescher ist auch skeptisch, ob das Ziel der Bundesregierung erreichbar ist, im Jahr 2025 überall gigabitfähige Anschlüsse zu haben. Envia-Tel will bis dahin 50.000 Haushalte versorgen. Mit Groitzsch und Zwenkau hat das Privatkundengeschäft begonnen.

Das Netzgebiet des Unternehmens erstreckt sich von Mittelsachsen nach Westen und umfasst Teile von Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen. In Ostsachsen arbeitet die Sachsen-Energie mit den Marken Enso und Drewag ähnlich, ist aber komplett im Besitz von Kommunen. Starke Änderungen durch den neuen Anteilseigner Eon statt zuvor RWE erwartet Drescher nicht: "Business as usual", auch wenn jetzt mehr rote statt blauer Logos zu sehen sind.

Starke Einbrüche im Vertrieb, wie sie Drescher wegen Corona erwartet hatte, blieben aus. Vielmehr konnte der Firmenchef übererfüllte Planzahlen melden. Sicherheitshalber richtete Envia-Tel zwei getrennte Netzzentralen ein. Auch vom Homeoffice aus lässt sich laut Drescher das Kommunikationsnetz notfalls betreiben, solange keine Veränderungen vorgenommen werden müssen.

Klimatisiertes Hotel für fremde Computer

Trotz Corona ging auch das neue Datacenter in Taucha in Betrieb - eines der größten Rechenzentren in Deutschland. 20.000 Server von Kunden stehen schon im älteren Bau, nun ist nach und nach Platz für 40.000 zusätzliche, mit Klimatisierung. Das "Hotel für fremde Computer" wird vor allem von großen Dienstleistern der Informationstechnologie genutzt, aber auch zu einem Fünftel von kleinen Betrieben, die Datensicherheit in Deutschland suchen.

Als Einzugsgebiet des neuen Datacenters nennt Drescher Mitteldeutschland. 2.000 Quadratmeter stehen im Neubau für Server-Anschlüsse zur Verfügung. Die Telekom hat nach seinen Angaben 40.000 Quadratmeter in Magdeburg, sei aber kein direkter Konkurrent. Im Fokus der Rekord-Investitionen von 18 Millionen Euro im vorigen Jahr stand bei Envia-Tel auch die Ertüchtigung der Kommunikationsstrecken zu den zentralen Internetknoten in Frankfurt am Main und Berlin.

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Von Kurzarbeit konnte bei Envia-Tel trotz Corona keine Rede sein. Drescher stellte 19 zusätzliche Beschäftigte ein. Die Vorstellungsgespräche fanden auch am Bildschirm statt - das Einarbeiten allerdings nur teilweise "virtuell". Die Servicetechniker von Envia-Tel waren auch voriges Jahr nicht im Homeoffice.

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