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Neuauflage für Volkswagens Bestseller

Nein, es ist nicht mehr der Golf. Sondern der Tiguan ist aktuell der meistverkaufte Volkswagen. Kein Wunder, dass sich VW beim Generationswechsel des SUV besonders viel Mühe gibt. Wie ist das Ergebnis?

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Der Tiguan der dritten Generation ist drei Zentimeter länger als sein Vorgänger.
Der Tiguan der dritten Generation ist drei Zentimeter länger als sein Vorgänger. © Volkswagen AG/dpa

Berlin. VW schickt seinen Bestseller in die nächste Runde. Denn obwohl sich die Wolfsburger dem Wandel verschrieben haben und ihre Zukunft in der Elektromobilität sehen, bleibt der Tiguan nicht auf der Strecke.

Im Gegenteil: Wenn in diesen Tagen die dritte Generation des kompakten SUV gegen Modelle wie den Ford Kuga oder den Toyota RAV4 antritt, geht VW noch einmal in die vollen: Ein frisches Design, ein neues Infotainment- und Bediensystem, effizientere Motoren und vor allem deutlich bessere Plug-in-Hybride sollen den Tiguan auch in Zukunft zum Bestseller machen.

Das schlägt sich allerdings im Preis nieder: Weil etwa die DSG-Automatik fortan Serie ist, packt VW gute zehn Prozent drauf und so startet der Tiguan künftig bei 36.600 Euro.

Fortschritt im Tarnkleid

Dass der Tiguan nach gut sieben Jahren nun komplett erneuert wurde, sieht man ihm außen kaum an. Weil er für VW so wichtig ist, waren die Designer eher zurückhaltend und haben die Form nur zaghaft weiterentwickelt. Die neuen Matrix-Scheinwerfer, ein verglaster Grill und die Lüftungsschlitze darunter sind das wesentliche Erkennungszeichen.

Dafür ändert sich das Format: Der Radstand bleibt mit 2,68 Metern unverändert, aber die Länge wächst um drei Zentimeter auf 4,54 Meter. Davon profitieren vor allem die Mitfahrer auf den Hintersitzen mit etwas mehr Kniefreiheit. Zudem wächst der Kofferraum um 37 Liter. Schon ohne die um zehn Zentimeter verschiebbare Rückbank umzulegen, passen 652 Liter hinein. Mit umgelegter Rückbank sind es 1.650 Liter.

Fahren in einer neuen Welt

Dass sich der Fahrer im neuen Tiguan dennoch in einer neuen Welt wiederfindet, liegt vor allem am Cockpit, das stärker denn je an die rein elektrischen ID-Modelle von VW erinnert. Digitale Instrumente hinter dem Lenkrad, ein fast DIN-A4-großer Touchscreen frei stehend daneben und zugunsten größer Ablagen auf der Mittelkonsole der Getriebewählhebel jetzt an der Lenksäule - da sind die Unterschiede zum ID.4 nur noch marginal.

Zudem hat VW - ebenfalls analog zu seiner Elektropalette - das Bediensystem des Tiguan überarbeitet und die Logik der Menüs vereinfacht. Dazu gibt es wieder klassische Tasten am Lenkrad statt der leidigen Sensorfelder. So wird die Bedienung leichter. Dabei ist diese Rolle rückwärts eigentlich sogar überflüssig.

Spürbare Änderungen im Cockpit: Chat-GPT hält ebenso Einzug wie ein Touchscreen im Großformat.
Spürbare Änderungen im Cockpit: Chat-GPT hält ebenso Einzug wie ein Touchscreen im Großformat. © Volkswagen AG/dpa

Denn im Tiguan hält auch eine neue Sprachsteuerung samt Chat-GPT Einzug. Damit wird das Auto so verständig, dass es tatsächlich aufs Wort hört. Die Dialoge sind fast natürlich und beschränken sich nicht mehr auf reine Fahrzeugfunktionen. Selbst Kochrezepte oder Kindermärchen zieht der KI-Chatbot auf Zuruf aus dem Internet.

Elektrisch durch den Alltag

Dass sich der Tiguan mehr denn je wie ein ID-Modell anfühlt, liegt auch an den neuen Antrieben. Volkswagens ganzer Stolz sind die Plug-in-Hybriden, die jetzt mit einer Batterie von neuerdings 19,7 statt 10,6 kWh ausgestattet werden.

Damit ist annähernd die doppelte Reichweite möglich und zumindest auf den ersten 100 Kilometern wird der Tiguan so zum Elektroauto. Und wenn der Akku leer ist, kann er nun erstmals an der Schnellladesäule nachtanken.

Acht Motorvarianten zur Wahl

Angeboten wird der Tiguan als Plug-in-Hybrid wahlweise mit 150 kW/204 PS oder mit 200 kW/272 PS, die dann für einen Sprintwert von 0 auf 100 km/h von 7,2 Sekunden und ein Spitzentempo von 215 km/h stehen. Deren Verbrauch hat VW noch nicht genannt.

Alternativ gibt es ihn auch weiter mit zwei 1,5-Liter-Benzinern mit Mildhybrid von 96 kW/130 PS oder 110 kW/150 PS und als 2,0-Liter-TSI mit 150 kW/204 PS oder 195 kW/265 PS.

Schaut man genau hin, sieht man die Design-Nuancen: neue Matrix-Scheinwerfer, ein verglaster Grill und die neuen Lüftungsschlitze.
Schaut man genau hin, sieht man die Design-Nuancen: neue Matrix-Scheinwerfer, ein verglaster Grill und die neuen Lüftungsschlitze. © Volkswagen AG/dpa

Alternativ bekommt man den Tiguan auch wieder als Diesel. Die 2,0 Liter großen TDI-Antriebe leisten 110 kW/150 PS oder 142 kW/193 PS, kommen auf einen Normverbrauch von bestenfalls 5,3 Litern und einen CO2-Ausstoß von 139 g/km - und stechen alle anderen Varianten bei der Reichweite aus. Im besten Fall sind mehr als 1000 Kilometer drin.

Was es dagegen nicht mehr gibt, sind Schaltgetriebe. Die hat sich VW mangels Nachfrage gespart. Immerhin: Der Allradantrieb bleibt für die 2,0-Liter-Motoren bei Benzinern und Diesel weiter im Programm.

Fazit: Bestseller auf Erfolgskurs

Seit alle Welt auf der SUV-Welle reiten will, hat sich der Tiguan zum Golf der neuen Zeit gemausert - genauso erfolgreich, aber ebenso konservativ. Weil VW bei diesem Auto kein Risiko eingehen kann und die Kunden den Niedersachsen große Sprünge übel nehmen würden, ist die neue Generation keine Revolution, sondern nur eine Evolution.

Aber bei der hat VW den Bestseller mit den neuen Plug-in-Antrieben und dem besseren Bediensystem genau in den richtigen Disziplinen weiterentwickelt, um ihn auch künftig auf Erfolgskurs zu halten. (dpa)