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Wirtschaft

VW-Managerin soll Sachsens Flughafen-Konzern kontrollieren

Der Aufsichtsrat der Mitteldeutschen Flughafen AG hat Hiltrud Dorothea Werner, Volkswagen-Vorstand für Integrität und Recht, zu seiner Vorsitzenden gewählt.

Hiltrud Dorothea Werner, Volkswagen-Vorstand für Integrität und Recht, soll den Aufsichtsrat der Mitteldeutschen Flughafen AG führen. Sie wäre die erste Frau auf diesem Posten.
Hiltrud Dorothea Werner, Volkswagen-Vorstand für Integrität und Recht, soll den Aufsichtsrat der Mitteldeutschen Flughafen AG führen. Sie wäre die erste Frau auf diesem Posten. © dpa

Dresden. Der Aufsichtsrat der Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG) wird erstmals von einer Frau geführt. Das Kontrollgremium hat Hiltrud Dorothea Werner, Vorstand der Volkswagen AG für Integrität und Recht, am Montag zu seiner Vorsitzenden gewählt. Der Freistaat Sachsen, Haupteigentümer des Konzerns, hatte die Managerin vorgeschlagen. Sie war die einzige Kandidatin und wurde einstimmig gewählt.

Die außerordentliche Sitzung am Flughafen Leipzig-Halle war notwendig geworden, weil das 15-köpfige Kontrollgremium zu seiner Konstituierung Ende August nicht komplett war. So besetzt Sachsen-Anhalt seine beiden Plätze nach der Regierungsbildung Mitte September erst jetzt. Zudem gab es lange Fragezeichen um den Vorsitz, nachdem der langjährige Vorsitzende Erich Staake nicht mehr antrat.

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Impfdrängler Staake stieg aus

Der Ex-Chef des weltgrößten Binnenhafens in Duisburg hatte sich im Januar, als Corona-Impfungen noch nach Alter reglementiert waren, vorgedrängelt und auch mit fragwürdigen Spesenabrechnungen, überhöhten Aufwandsentschädigungen und arrogantem Führungsstil für Kritik gesorgt.

Erich Staake stand nach zwölf Jahren an der Spitze des MFAG-Kontrollgremiums nicht mehr zur Verfügung. Nach seinen Impfskandal hatte er den Chefsessel im Duisburger Hafen im Sommer vorzeitig geräumt.
Erich Staake stand nach zwölf Jahren an der Spitze des MFAG-Kontrollgremiums nicht mehr zur Verfügung. Nach seinen Impfskandal hatte er den Chefsessel im Duisburger Hafen im Sommer vorzeitig geräumt. © imago stock&people

Den Chefsessel im Duisburger Hafen hatte er im Sommer vorzeitig geräumt. Um die Arbeitsfähigkeit des MFAG-Aufsichtsrats sicherzustellen, amtiert seit zwei Monaten Sachsens Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU) als dessen Vorsitzender.

Seine designierte Nachfolgerin Hiltrud Werner hat Führungserfahrung. Sie verantwortet seit 2017 im Volkswagen-Vorstand den Geschäftsbereich Integrität und Recht. Dort ist die Managerin weltweit auch für Risikomanagement und Datenschutz zuständig, soll sie ethische Kultur im Konzern etablieren.

Kämpferin für Frauenrechte

Die 55-jährige wurde in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern) geboren und ist im thüringischen Apolda aufgewachsen. Vor dem Chefposten bei Volkswagen waren unter anderem MAN, ZF Friedrichshafen sowie BMW und BMW-Bank berufliche Stationen der gelernten Facharbeiterin für Textiltechnik mit Abi. Neben dem Aufsichtsratsmandat bei der MFAG ist die Diplomökonomin auch in Kontrollgremien von Audi, Porsche, Seat, der Traton Group sowie der Lkw-Sparte von Volkswagen mit den Marken Scania und MAN aktiv.

Auf den neuformierten Aufsichtsrat der Mitteldeutschen Flughafen AG wartet viel Arbeit. An den Fluggastbrücken der Terminals in Dresden (Foto) und Leipzig-Halle docken immer weniger Maschinen an. Und das hat nicht nur mit Corona zu tun.
Auf den neuformierten Aufsichtsrat der Mitteldeutschen Flughafen AG wartet viel Arbeit. An den Fluggastbrücken der Terminals in Dresden (Foto) und Leipzig-Halle docken immer weniger Maschinen an. Und das hat nicht nur mit Corona zu tun. © Sven Ellger

Die verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Kindern ist die einzige Frau und die erste Ostdeutsche im Vorstand von Volkwagen, nach Toyota der zweitgrößte Autobauer der Welt. Die Verfechterin von Frauenrechten erhielt für ihr Engagement mehrere Auszeichnungen. Nach SZ-Informationen wurde sie von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) persönlich für den Aufsichtsratsvorsitz beim Flughafenkonzern vorgeschlagen. Eine Amtszeit dort dauert fünf Jahre.

„Gerade in der heutigen Zeit fordern Klimaschutz und die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit neue und frische Ideen", sagt die Aufsichtsratschefin bei ihrem Amtsantritt und: "Der Osten Deutschlands lag und liegt mir sehr am Herzen - und diese Aufgabe übernehmen zu können, ist für mich ein großer Vertrauensbeweis.“

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Die MFAG ist eine Management- und Finanzholding und in Besitz der öffentlichen Hand. Zum Konzern gehören die Flughäfen Leipzig-Halle und Dresden sowie die Abfertigungsgesellschaft Portground mit rund 1.400 Mitarbeitern und Azubis – knapp ein Drittel davon in Dresden-Klotzsche. Sachsen hält gut 77 Prozent der Anteile. Weitere Eigentümer sind Sachsen-Anhalt sowie die Städte Leipzig, Dresden und Halle.

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