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Über den Beginn des Lebens und wie wir damit umgehen: "Reden wir drüber"

Wann beginnt Leben, und wo endet es? Eine neue Veranstaltungs- und Podcast-Reihe der TUD-Medizin und Sächsische.de geht dieser Frage nach. Es geht um Befruchtung, Geburt und Schwangerschaftsabbruch.

Von Jana Mundus
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Der neue Podcast zu Themen, über die zu viel wenig geredet wird: "Reden wir drüber". Eine neue Veranstaltungsreihe der TUD-Medizin und von Sächsische.de, hier bei der Aufnahme des ersten Podcasts im Dresdner Kulturpalast.
Der neue Podcast zu Themen, über die zu viel wenig geredet wird: "Reden wir drüber". Eine neue Veranstaltungsreihe der TUD-Medizin und von Sächsische.de, hier bei der Aufnahme des ersten Podcasts im Dresdner Kulturpalast. © SZ/sts

Am Anfang steht der Anfang. Bei der ersten Ausgabe von „Reden wir drüber“ ging es um nicht weniger als die Frage, wann das Leben beginnt. Die neue Veranstaltungs- und Podcast-Reihe der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und von Sächsische.de widmet sich unbequemen Fragen. Den Dingen, über die wir sonst lieber nicht sprechen, weil sie uns vielleicht Angst machen, Diskussionen heraufbeschwören oder womöglich peinlich sind. Bei der Live-Aufzeichnung auf der Roten Bühne des Cosmo Wissenschaftsforums im Dresdner Kulturpalast hat auch das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Bei der Premiere gab es reichlich Redebedarf.

Was ist nun eigentlich Leben, und wo fängt es an? „Leben ist das, was Gott als sein lebendiges Gegenüber geschaffen hat“, sagte Pfarrer Bernd Kreissig. „Ich denke, das definiert jeder anders, wo er den Beginn des eigenen Seins und das der anderen definiert“, erklärte Katharina Langton, Leiterin des Studiengangs Hebammenkunde der TU Dresden.

Gemeinsam mit der Ärztin und Professorin Min Ae Lee-Kirsch von der Kinderklinik des Universitätsklinikums Dresden hatten sie auf dem Podium Platz genommen und unterhielten sich mit Moderator Konstantin Willkommen. „Ich glaube nicht, dass es in allen Fällen möglich ist, genau zu sagen, hier beginnt Leben und hier endet es“, schränkte Kreissig ein. Auf jeden Fall sei das Leben aber ein Geschenk und laut der Bibel auch schon da, bevor biologische Prozesse begonnen haben. Das helfe bei der Betrachtung ethischer Fragen.

Gäste in dieser Folge:

  • Bernd Kreissig, Pfarrer
  • Katharina Langton, Leiterin des Studiengangs Hebammenkunde der TU Dresden
  • Min Ae Lee-Kirsch, Ärztin und Professorin

Katharina Langton begegnet in der Arbeit als Hebamme vielen Schwangeren. Für viele von ihnen sei die Sache schon ganz zeitig klar. „Die Veränderung beginnt mit dem Befruchten der Eizelle, und damit beginnt auch das Leben.“ Viele Frauen spürten das ganz instinktiv. Auch wenn die Schwangerschaft gewünscht war, birgt dieses Gefühl auch Konfliktpotenzial mit dem Partner, der die Veränderung im Körper nicht selbst erlebt. Die moderne Diagnostik könne heute schon sehr frühzeitig feststellen, dass eine Schwangerschaft besteht und ob das Kind gesund auf die Welt kommen wird. „Das ist Segen und Fluch zugleich.“

Professorin: "Es ist ihr Körper"

Ein Fakt, den auch Min Ae Lee-Kirsch unterstreicht. Die Frage sei für Schwangere oder werdende Eltern natürlich, wie mit der Diagnose umgegangen wird, dass das Kind mit einer schweren Erkrankung auf die Welt kommt. „Deshalb muss jede Familie für sich selbst entscheiden, ob sie das vorher wissen will oder nicht.“

Im Jahr 2021 gab es in Deutschland knapp 95.000 Schwangerschaftsabbrüche. „Nur knapp vier Prozent davon geschahen aus medizinischen Gründen“, erläuterte Katharina Langton. Der größte Teil entscheidet sich aus sozialen Gründen für eine Abtreibung. „Wir sehen also, das ist gar kein Randproblem, wie viele immer meinen.“ Aus dem Publikum kam die Frage auf, ob Männer in solch eine Entscheidung einbezogen werden.

Bernd Kreissig hofft, dass das die Beratungsangebote, zu deren Besuch Frauen, die einen Abbruch vornehmen lassen wollen, verpflichtet sind, mit im Blick haben. „Im besten Fall erkennen die Frauen, welche Unterstützung sie vom Partner oder der Gesellschaft in ihrer Situation bekommen können.“ Min Ae Lee-Kirsch würde Frauen, was die Frage Abbruch oder nicht angeht, aber ein besonderes Recht einräumen. „Es ist ihr Körper.“

Die Experten diskutierten auch die Chancen, die eine künstliche Befruchtung oder eine Adoption bei einem Kinderwunsch bieten. Wer all das noch einmal nachhören will, kann das mit der aktuellen Podcastfolge tun.

Reden wir drüber: Die Veranstaltung am 16. Februar ist ausgebucht. Im März gibt es unter der Überschrift „Der Patient als Versuchskaninchen“ die dritte Auflage im Zoo Dresden. Der Termin wird noch bekannt gegeben.