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Wohnen wie im Schloss

In das marode Herrenhaus in Särichen zieht wieder Leben ein. Mehrgenerationenwohnen soll entstehen.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

Särichen. Als Konfirmand hat Holger Kliemt bei den Rentnern im früheren Herrenhaus noch gesungen und sich dabei über den Beifall der Senioren gefreut. Das war in den 1980er Jahren. Heute betreibt der studierte Bauingenieur in Görlitz sein eigenes Bauplanungsbüro und tummelt sich erneut in dem Gebäude, das laut ersten urkundlichen Erwähnungen 1615 auf den Mauern eines früheren Bauwerks errichtet und im 18. Jahrhundert noch einmal erweitert und umgebaut wurde. Der 52-Jährige, der aus Särichen stammt und in Kodersdorf wohnt, hat mit der Übernahme des historischen Gemäuers zu seinen Wurzeln zurückgefunden. „Das Herrenhaus war Zentrum des Gutshofes und ist noch immer ortsbildprägend. Nach der Sanierung wird es das Ensemble mit dem früheren Verwalterhaus und den einstigen Scheunen, die jetzt natürlich andere Eigentümer haben, wieder vervollständigen“, ist sich Kliemt sicher.

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Einige Einschüsse bleiben sichtbar.
Einige Einschüsse bleiben sichtbar. © André Schulze
Aus dem Flur wird Wohnung.
Aus dem Flur wird Wohnung. © André Schulze
Hier entsteht ein Partykeller.
Hier entsteht ein Partykeller. © André Schulze

Dabei hat das größte Gebäude des Dorfes eine wechselvolle Geschichte hinter sich. In den ersten Jahrhunderten seines Bestehens wechselte es mehrmals den Besitzer: 1642 ging es an Erasmus von Gersdorff, nach 1778 an Nostitz und Uechtritz. Mitte des 19. Jahrhunderts übernahmen die Grafen von Fürstenstein das Anwesen, ehe es 1928 an Heinz Meinking verkauft wurde, den man nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs enteignete. In der Folgezeit quartierte man aus den einstigen deutschen Ostgebieten vertriebene Flüchtlinge ein. Bis zum Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre gab es Wohnungen in wechselnder Anzahl. Noch heute zeugen zwölf Klingelknöpfe neben der Eingangstür davon. 2008 war das Haus von der Gemeinde schon einmal an einen holländischen Investor veräußert worden, ging allerdings – weil nichts passierte – wieder in den Besitz der Kommune zurück. So konnte Holger Kliemt Ende 2016 sein Interesse hinterlegen, im November 2017 war der Kauf dann abgeschlossen.

Parallel zu dem rund ein Jahr dauernden Eigentümerwechsel trieb der gebürtige Särichener schon die Planungen voran. „Für mich war klar, dass hier Mehrgenerationenwohnen entstehen soll. Jung und Alt unter einem Dach – das ist eine Wohnform, die beiden Seiten etwas bringt“, ist der Bauherr überzeugt. Die Grundstruktur des Gebäudes soll erhalten werden, allerdings wird der große Flur im Erdgeschoss zu Wohnraum umfunktioniert. Die Eingangstreppe muss einem Balkon weichen, der zentrale Eingang entsteht dort, wo aktuell noch ein Toilettenanbau existiert. „Der wird weggerissen. Das leicht ansteigende Gelände nutzen wir, um einen barrierefreien Zugang zu schaffen“, erläutert Kliemt. Dort, wo jede der früheren Mietparteien im Außengelände ihren Schuppen hatte, sind Autostellflächen, ein Wäschetrockenplatz und eine Grillecke geplant.

Das Haus selbst soll künftig über acht Wohneinheiten verfügen. Im Erdgeschoss entstehen drei 70 bis 81 Quadratmeter große Zweiraumwohnungen. Im Obergeschoss werden drei Dreiraumwohnungen eingebaut, die über eine Fläche von 86 bis 112 Quadratmeter verfügen. Die größte davon geht mit einer Maisonettegestaltung bis ins Dachgeschoss. Zwei der drei Wohnungen auf dieser Ebene bekommen zusätzlich einen Balkon. Vom Dachgeschoss aus reichen die beiden dort geplanten 86 und 88 Quadratmeter großen Wohnungen mit Maisonette bis in den Spitzboden hinein. Dort stehen weitere 30 Quadratmeter zur Verfügung. Im Keller ist ein Partyraum mit eigener Toilette und separatem Zugang vorgesehen.

Insgesamt ist das Särichener Herrenhaus für Holger Kliemt ein sehr anspruchsvolles Projekt. „Allein schon von der Historie und den baulichen Feinheiten, die man hier entdecken kann.“ Als Beispiel führt er die verschiedenen noch existierenden Putzschichten an. Zuoberst ein Barockbelag, darunter Renaissancegestaltung mit Steinimitat und wiederum darunter eine weitere Putzfassung, deren Alter unbekannt ist. Der Denkmalschutz, der in das Vorhaben mit eingebunden ist, möchte neben der äußeren Gestaltung an einer Stelle auch die Einschüsse von den Kämpfen des Zweiten Weltkrieges sowie den Eindruck der beschriebenen Putzstrukturen erhalten haben. Anfang 2019 rechnet Holger Kliemt mit dem Baubeginn, die Genehmigungsplanung ist bereits fertig, an der Ausführungsplanung wird noch gefeilt. Ende 2018 könnte auch die Zusage der Fördermittel aus dem Leader-Programm eintreffen, die für den altersgerechten Umbau eingesetzt werden sollen. Die Bauzeit veranschlagt der Särichener mit einem reichlichen Jahr, sodass Mitte 2020 die ersten Bewohner einziehen könnten.