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Hoyerswerda

Zauberer von Oz ist und bleibt wunderbar

Mit einer eigenwilligen, aber sehr stimmigen Version des „Zauberers von Oz“ wartete das Gerhart-Hauptmann-Theater in Hoyerswerda auf.

Der Löwe (Hans-Peter Struppe) wird die spinnenbeinige böse Hexe des Westens (Marius Marx) gleich per Feuerlöscherwasserstrahl erledigen © Foto: Uwe Jordan

Von Uwe Jordan

Freunde des berückenden Märchens „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ von Alexander Wolkow und dessen Urbildes, des „Wundervollen Zauberers von Oz“ von L.(yman) Frank Baum (erschienen anno 1900), wissen ganz genau, wie es aussieht, als Elli (bei Wolkow) / Dorothy (bei Baum) im Wunderland eintrifft: Weihnachtsmänner und ein Osterhase beherrschen die Szenerie im Reich der Schlaraffen; die Drei Heiligen Könige (nein: die Drei Damen vom Wiegenliedbund) empfangen das verwunderte bis entsetzte Mädchen, das ein Wirbelsturm aus Kansas mitsamt ihrem Häuschen hinter die weltumspannenden Berge geweht hat. „Moment mal – das war doch aber ganz anders!“, werden die Kenner jetzt ausrufen: „Diese Szene spielte sich bei den Käuern ab; kleiner Menschlein, die mit deutschen Jahresend- und Zwischenzeitfiguren nichts zu tun haben!“ Das mag für die Buchvorlage zutreffen, aber das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau (GHT) hatte sich in seiner Version des „Zauberers von Oz“ eben für die eingangs geschilderte Variante entschieden. Vielleicht mussten ja die Kostüme einer Weihnachts-Revue aufgetragen werden ...

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Geschadet hat es dem Stück, das am Mittwochabend in der Hoyerswerdaer Lausitzhalle gut 450 Zuschauer verfolgten, nicht. Die Geschichte ist ja unverwüstlich. Ebenso sind es die Musical-Lieder, vor allem „Somewhere Over The Rainbow“, in einer deutschen Fassung vorgetragen von Dorothy, vorzüglich gespielt von Anna Gössi, der man höchstens vorwerfen könnte, dass sie entschieden nicht kindlich genug ist für das kleine Mädchen des Originals. Mit demselben Problem hatte aber auch Judy Garland in der unübertroffenen Verfilmung des Stoffes 1939 zu kämpfen. Hat es ihr, hat es dem Stück / Film Abbruch getan? Kein bisschen! Beide wurden Legenden.

Die Geschichte ist ja auch zu stark: Dorothy wird durch einen unglücklichen Zufall in die Ereignisse hineingerissen. Sie ist ungeplanterweise im Häuschen, das der von der bösen Hexe des Ostens entfesselte Sturm, statt die ganze Menschheit zu vernichten, dank eines Spruches der guten Hexe des Nordens ins Wunderland trägt und dort die Osthexe erschlägt. Freude bei den erlösten Ostlern! Aber wie soll Dorothy heim nach Kansas kommen? Da kann wohl nur der Zauberer von Oz helfen. Auf dem Weg zu ihm trifft Dorothy die Vogelscheuche, die sich ein Gehirn wünscht, den Eisernen Holzfäller, der ein Herz begehrt, und den Feigen Löwen, der so gerne Mut hätte. Der Zauberer von Oz soll’s richten. Doch der verlangt, dass sie zuvor die nicht minder als ihre Ost-Schwester böse Hexe des Westens ihres Schirms berauben – was nicht anders zu machen ist, als sie zu töten.

Freilich endet alles gut, auch wenn sich der Zauberer von Oz als Schwindler entpuppt. Dorothy kehrt heim – zu sich selbst, und alle Figuren haben ja bereits das, was ihnen zu ermangeln sie geglaubt haben.

In summa eine gute Zwei für den „Oz“ des GHT. Aber nicht für das Programmheft! In dessen „Gedanken zum «Zauberer von Oz»“ plappern die Autorinnen spätere „gesellschaftspolitische“ Deutungen nach, die Baum und seine Erben sich stets energisch verbeten haben. Ferner wird der Streit um den Goldstandard (nicht: Goldgeld) gründlich missverstanden und überdies ein Hohelied auf das Papiergeld, dessen Ende übrigens damals gar nicht zur Debatte stand, angestimmt: Falsche Melodie, falscher Text, Setzen, Sechs. Aber „Oz“ ist trotz allem unzerstörbar – und wird es bleiben.

Oder wie es (bemerkenswerterweise!) die Böse Hexe des Westens im Stück, noch vor Dorothy, formuliert hat: „Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ Finito.

Osterüberraschung