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Darum haben sie sich die Hände gereicht

Menschen aus drei Generationen erzählen, warum sie sich in die Menschenkette eingereiht haben.

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„Wenn ich daran denke, was in Dresden 1945 geschehen ist, bekomme ich eine Gänsehaut nach der anderen. Für mich ist es fast eine Pflicht an diesem Gedenken teilzunehmen. Man erinnert den Menschen, die diese Zeit erlebt haben. Mehr Gründe braucht es nicht. Die Botschaft ist eine friedliche. Das zeigen die Dresdner.“   Martina Beckmann, 61, Dresden

© Melanie Schröder

„Ich bin meiner Oma und meinem Opa zuliebe hier. Sie hatten eine enge Verbindung zu Dresden. Ich selbst komme aus Coswig. Es erfüllt mich mit Ehrfurcht, was die Generation meiner Großeltern erreicht hat. Wenn ich hier stehe, kommen sehr emotionale Bilder hoch, die sie mir vermittelt haben. Deshalb finde das Gedenken wichtig, auch weil Zeit und Erfahrungen vergänglich sind. Die neue Generation fängt von vorn an, sie sollte ab und zu daran erinnert werden, welche Leistung vor ihnen erbracht wurde. Ich versuche das auch an meine Kinder weiterzugeben. Wir können uns glücklich schätzen, heute in diesem Wohlstand zu leben. Dafür ist der 13. Februar da und nicht für die politische Vereinnahmung. Wir dürfen nicht vergessen.“ Torsten Schumann, 48, Coswig

Familie und Kinder
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© Melanie Schröder

„Am 13. Februar treffe ich mich jedes Jahr vor dem Gedenken mit meiner Mutter. Sie schafft es selbst nicht in die Stadt zu kommen, weil die Schmerzen, die sich mit diesem Tag verbinden, immer noch groß sind. Aber sie will über das Erlebte sprechen und erinnert sich an immer mehr Details. Sie war damals neun Jahre alt. Nur ihr Haus ist in der Nacht stehen geblieben, links und rechts sind die Häuser niedergebrannt. Sie hat nach der Bombardierung nach einer Tante und einem Onkel gesucht, sie jedoch nie gefunden. Ich komme jedes Jahr stellvertretend für sie und gedenke im Stillen.“ Margit Harz, Dresden

© Melanie Schröder

„Meine Oma ist in Radebeul aufgewachsen. Sie hat die Bombardierung zwar nur indirekt erlebt, aber mir davon erzählt. Dennoch war das Thema nie überpräsent in unserer Familie. Ich selbst lebe seit 2017 hier und studiere. Ich bin hergekommen, weil wir die neue Generation sind, die das Glück hat, ohne Krieg aufgewachsen zu sein. Wir tragen also auch für die Zukunft dazu bei, dass das so bleibt. Institutionen wie die europäische Union sind für mich deshalb als Friedensbündnis wichtig.“ Christian Lehmkuhl, 20, Dresden

© Melanie Schröder

„Viele Jahre bin ich nicht bei den Gedenkveranstaltungen gewesen, aber im letzten Jahr wollte ich ein Zeichen setzen und habe wieder teilgenommen. Die Schlagzeilen über Dresden waren so negativ, dass ich mir dachte, von diesem Tag muss ein positives Zeichen in die Welt gehen. Frieden - das ist die Botschaft, die für mich vom 13. Februar ausgeht. Und ich setze hier auch ein Zeichen gegen rechts. Gebürtig bin ich aus Hannover, lebe aber inzwischen seit 27 Jahren hier. Ich finde, dass die Stadt und die Bürger an diesem Tag ein richtiges Signal setzen.“ Anja Fellwock-Scheffz, 52, Dresden

© Melanie Schröder

„Ich war am 13. Februar 1945 in Dresden, damals war ich zwei Jahre alt. Meine Mutter, mein Bruder und ich sind aus Breslau geflohen, wir waren in der Nacht im Keller. Die Leute haben gesagt, dass die Mauern gewackelt haben, aber ich habe das nicht gesehen. Am nächsten Tag waren wir in Radebeul. Ich kann mich daran erinnern, dass wir aus dem Fenster geschaut haben und alles war hell erleuchtet vom Feuer über der Stadt. Wir mussten uns unter die Fensterbretter legen. Ich habe das nicht verstanden, aber mein Bruder hat mir erklärt, dass wir das machen, weil aus den Fliegern geschossen wird. Das Gedenken an diesem Tag sollte zeigen, dass so etwas nie wieder passieren darf." Michael Bolavlc, 76, Hamburg

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„Ich komme seit vier Jahren zum Gedenken am 13. Februar, weil ich einen persönlichen Schlussstrich ziehen will. Als ich ein Kind war, sind wir in die Bombardieung Dresdens hineingefahren. Ich weiß, dass ich auch lange danach immer Angst hatte. Mit acht Jahren habe ich auf einem Bauernhof rote Bettbezüge gesehen. Da habe ich laut geschrien: Feuer. So tief sitzen diese Erinnerungen. Ich kann mich auch an den Blick aus dem Fenster in jener 1945 Nacht erinnern. Häuser und Bäume haben gebrannt, am schlimmsten waren aber die Schreie der Frauen. Das vergisst man nicht. Ich bin froh, dass die Dresden an diesem Tag offen zeigt, dass Unmenschliches passiert ist. Viele Flüchtlinge haben in der Stadt Zuflucht gesucht, so wie meine Familie. Was ihnen und vielen Dresdnern passiert ist, ist kaum in Worte zu fassen. Dass offen über die Erinnerungen gesprochen wird, ist wichtig.“ Ute Stoppe, 78, Delmenhorst

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