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23.000 Hände für die Menschenkette

Mit vielen Veranstaltungen erinnerten die Menschen in  Dresden an die Opfer der Zerstörung vor 74 Jahren. Als große Geste für den Frieden reichten sich Dresdner und ihre Gäste die Hände zur Menschenkette.

Die Menschenkette rund um den Neumarkt.
Die Menschenkette rund um den Neumarkt. © Robert Michael

Durchweg friedlich verlief der 13. Februar in Dresden und dem Gedenken angemessen leise. „Der Tag stand ganz im Zeichen des stillen Gedenkens. Die angezeigten Versammlungen und Veranstaltungen verliefen allesamt friedlich. Wir können eine positive Einsatzbilanz ziehen“, sagte der leitende Polizeidirektor René Demmler noch am Mittwochabend. Lediglich auf dem Altmarkt wurde es laut. 

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Ein kurzes Protokoll zu den offiziellen Feierlichkeiten:

18 Uhr Innenstadt: Pünktlich reichten sich nach ersten offiziellen Angaben rund 11.500 Menschen die Hände und bildeten  die für Dresden so symbolische Menschenkette. Diese führte wie in den vergangenen Jahren auch über die Carolabrücke und die Augustusbrücke bis in die Neustadt. Im Anschluss an das Großereignis gab es Applaus von den Beteiligten. Danach lud unter anderem die Frauenkirchengesellschaft zum Gedenkweg ein. Er führte zur Synagoge, mehreren Denkmälern und zur Busmann-Kapelle. Die Organisatoren lasen Texte an allen Gedenkorten. Später trafen sich Gläubige in der Kreuzkirche un feierten einen ökumenischer Gottesdienst. Auch die Bischöfe aus Coventry und Breslau nahmen daran teil.

17 Uhr Rathaus an der Goldenen Pforte: Zur Auftaktveranstaltung hielt Oberbürgermeister Dirk Hilbert eine kurze Rede. Anschließend reihte er sich mit den Gästen aus Coventry und Breslau auf dem Neumarkt in die Menschenkette ein. Etwa zur gleichen Zeit gab es auf dem Altmarkt eine Versammlung der AfD.


Weiße Rosen wurden auf dem Heidefriedhof abgelegt. 
Weiße Rosen wurden auf dem Heidefriedhof abgelegt.  © René Meinig

15 Uhr Neumarkt: Nach einer Friedensandacht mit dem Versöhnungsgebet aus Coventry in der Frauenkirche, an der rund 200 Besucher teilnahmen,  trafen sich die Menschen zu Gespräche und stillem Gedenken auf dem Neumarkt. Sie legten weiße Rosen nieder und zündeten Kerzen an, die im Verlauf des Abends auf dem Boden das große Kerzensymbol bildeten. Die rechte Gruppierung „Wellenlänge“ demonstrierte auf ihre Art mit einem stillen Gedenken. 

© Christoph Springer

Zeitgleich mobilisiert die rechte "Wellenlänge" auf den Neumarkt. Wie es aus dem Ordnungsamt hieß, habe man sich auf stille Gedenkformen verständigt. Um mögliche Konfrontationen zu vermeiden, setzt die Polizei Kommunikationsteams ein.

© Christoph Springer

11 Uhr Heidefriedhof: Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert kam begleitet von Vertretern der Partnerstädte Breslau und Coventry zu der Gedenkstätte. An dieser Veranstaltung nahmen unter anderem auch Landtagspräsident Matthias Rößler, Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar und Superintendent Albrecht Nollau teil.

Dresdens OB und seine Begleiter aus den Partnerstädten auf dem Heidefriedhof. 
Dresdens OB und seine Begleiter aus den Partnerstädten auf dem Heidefriedhof.  © René Meinig

Ein Zeichen der Versöhnung setzten Schüler aus Dresden und Coventry: Sie trugen auf dem Heidefriedhof gemeinsam ein Gedicht vor. 

Deutsche und englische Schüler auf dem Heidefriedhof. 
Deutsche und englische Schüler auf dem Heidefriedhof.  © René Meinig

10 Uhr Sporergasse: Die Zweite Bürgermeisterin Annkatrin Klepsch erinnerte an die Opfer des sogenannten „Judenhauses“: Viele Bewohner der damaligen Sporergasse 2 wurden 1942 ins Lager Hellerberg und von dort aus nach Auschwitz deportiert. Einzelne Familien mit nichtjüdischen Mitgliedern entgingen der Ermordung und wohnten eng zusammengedrängt in dem Gebäude . Nach heutiger Kenntnis starben alle Bewohner am 13. Februar 1945.

Gedenken an der Sporergasse. 
Gedenken an der Sporergasse.  © SZ/Weller

10 Uhr Heidefriedhof: Auf dem Heidefriedhof trafen sich eine AfD-Delegation sowie Vertreter der NPD und mehrere rechtsextreme Splittergruppe und eine Abordnung der Freien Wähler zur Kranzniederlegung. Zumindest ein größerer Neonaziaufmarsch sollte Dresden an diesem Mittwoch erspart bleiben - erst am Freitagabend planen Rechtsextreme einen Marsch durch die Innenstadt. 

Am Vormittag hatten sich Menschen auf verschiedenen Friedhöfen in der Stadt zum kollektiven Gedenken versammelt: An der Gedenkstätte ehemaliger Äußerer Matthäusfriedhof gedachten die Besucher an die 700 bestatteten Kriegstoten beider Weltkriege, unter ihnen sowjetische Zwangsarbeiter, Soldaten verschiedener Nationalitäten und die Opfer der Bombenangriffe auf Dresden. Auf dem Urnenhain Tolkewitz galt das Erinnern den Euthanasieopfer der Tötungsanstalt Pirna Sonnenstein. Die Begegnung auf dem Neuen Katholischen Friedhof galt dem Andenken von Pater Franz Bänsch. Zur Aufgabe des Seelsorgers gehörte auch die Betreuung der Todeskandidaten in der Richtstätte des Gefängnisses am Münchner Platz. Am Nachmittag trafen sich Menschen zum stillen Erinnern auf dem Alten Annenfriedhof sowie auf dem Johannisfriedhof. (SZ/mja/csp/awe)

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