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Riesa

Zirkus Aeros legt in Röderau wieder los

Der einstige DDR-Staatszirkus hat in den letzten Monaten große Solidarität erfahren. Ab diesem Wochenende startet er seine kostenlosen Freiluft-Proben.

Adrian Schmidt jongliert in Paradeuniform vor der Futterstelle der Kamele und Dromedare. Dahinter befindet sich die Freiluft-Manege, wohin die Aeros-Zirkusleute zur öffentlichen Probe einladen.
Adrian Schmidt jongliert in Paradeuniform vor der Futterstelle der Kamele und Dromedare. Dahinter befindet sich die Freiluft-Manege, wohin die Aeros-Zirkusleute zur öffentlichen Probe einladen. © Sebastian Schultz

Röderau. Die Hoffnung ist zurückgekehrt. Die Augen von Zirkusdirektor Bernhard Schmidt funkeln. Er kann wieder lächeln. Vor ein paar Monaten sah das noch ganz anders aus. Da wusste er nicht, wie er seine 20-köpfige Artistenfamilie versorgen soll. 

Im März sollte eigentlich die Saison in Meißen beginnen. Anschließend waren Gastspiele in Radebeul, Großenhain und Pirna geplant. Doch durch Corona fielen seitdem alle Vorstellungen aus und damit sämtliche Einnahmen weg.

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Nach einem Aufruf in der SZ, bei dem Schmidt um Spenden bat, habe der Zirkus Aeros aber eine große Unterstützung erfahren. "Die Solidarität ist sehr groß", freut er sich. "Erst gestern haben Leute uns Getränke und Nudeln gebracht. Dafür sind wir sehr dankbar." 

Mancher Zirkusfreund, der das ursprünglich nur als Winterquartier vorgesehene Gelände der ehemaligen Spedition in Röderau besuchte, habe auch Geld gespendet. Damit ist es dem Aeros-Chef möglich, laufende Kosten für Strom, Wasser, Tierarzt und den Hufschmied zu bezahlen. Im Juni seien zudem die halbjährigen Versicherungsbeiträge für die Kraftfahrzeuge fällig gewesen. Und davon hat der ehemalige Staatszirkus der DDR immerhin 40 Stück.

Juliane Schmidt präsentiert die Säbelbalance aus der chinesischen Artistenschule.
Juliane Schmidt präsentiert die Säbelbalance aus der chinesischen Artistenschule. © Sebastian Schultz

Doch nur abwarten, dass die Corona-Beschränkungen aufgehoben werden, wollen die Artisten und Dompteure auch nicht. Deshalb laden sie ab diesem Wochenende zu ihren öffentlichen Proben ein. Immer sonnabends und sonntags wollen die Zirkusleute von 14 Uhr bis 16 Uhr in einer Manege unter freiem Himmel ihre Besucher unterhalten und ihnen Freude bringen. 

Nur eben ohne Zirkuszelt. Darin hätten bis zu 1.000 Gäste Platz. Doch Vorstellungen im Zirkuszelt seien momentan nicht erlaubt. "Außerdem würden wir dort wegen der Abstandsregelung nicht genügend Personen hineinkriegen", sagt Schmidt. Vielleicht hundert. "Aber wir brauchen schon ein paar hunderte Leute, um unsere Unkosten zu decken."

Denn wie viel Geld durch die öffentlichen Proben wirklich eingespielt werden, ist völlig offen. Denn der Eintritt ist kostenlos. "Freiwillige Spenden nehmen wir gern entgegen", sagt der Zirkusdirektor.  Bis zum 30. August will Aeros so überleben. 

Auch Hüpfburg und Tierschau

Das Veterinär-Amt des Landkreises Meißen war auch schon da und hat sich nach dem Wohlbefinden der 25 Tiere erkundigt. "Aber wie es uns Menschen geht, hat noch keiner gefragt", so Schmidt. Ein kleiner Ansturm von Verbitterung klingt aus seiner Stimme. Aber nur ganz kurz. Denn die Freude über die Solidarität der Leute von Riesa bis Großenhain überwiegt. Und auch die Freude, endlich wieder Jongleur, Seilkünstler, Dompteur oder Clown zu sein.   

Der Tag der offenen Tür im Mai war schon sehr vielversprechend. An diesem Wochenende will der Zirkus Aeros aber wieder mehr zeigen als nur die Tiere. Zudem gibt es eine Hüpfburg sowie Zuckerwatte und Popcorn.  Sonnabend und Sonntag jeweils 14 Uhr heißt es: Manege frei!

  • Den Zirkus "Aeros" finden Sie auf dem ehemaligen Speditionsgelände in Röderau. Sie erreichen es über die Zufahrt an der Ampelkreuzung am Kieswerk Röderau. Genügend Parkplätze sind vorhanden. 
  • Wer den Artisten weiterhin helfen möchte, kann Zirkusdirektor Bernhard Schmidt unter der Telefonnummer 0178 5342513 oder per E-Mail an [email protected] erreichen. Der Zirkus ist auf dem Gelände der ehemaligen Spedition in Röderau zu finden.

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