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Arnell: Produktionsstart im neuen Werk

Der Bau des Betriebes in Zittau und der Umzug von Oderwitz sind fast beendet. Am Montag geht es offiziell los. Eins funktioniert aber noch nicht so richtig.

Thomas Scholz, Geschäftsführer der Arno Hentschel GmbH, vor dem neuen Werk in Zittau. Links der Bürotrakt mit der Front seines Büros, rechts die Werkhallen.
Thomas Scholz, Geschäftsführer der Arno Hentschel GmbH, vor dem neuen Werk in Zittau. Links der Bürotrakt mit der Front seines Büros, rechts die Werkhallen. © Matthias Weber/photoweber.de

Thomas Scholz ist froh und stolz: Im Rekordtempo von einem Jahr und im geplanten Kostenrahmen ist der neue Stammsitz der Arno Hentschel GmbH im Zittauer und Mittelherwigsdorfer Gewerbegebiet Weinau errichtet worden. Trotz Corona, Material-Engpässen und Baupreis-Explosion. Im Juli ist der Umzug von den drei Betriebsstätten in Oderwitz nach Zittau und der Probebetrieb angelaufen, sagt der Geschäftsführer der Firma für Metallerzeugnisse und Werkzeugbau. Am Montag geht es auch offiziell in der Weinau los.

Auf rund 3.000 Quadratmetern vereint das neue Werk zwischen Neiße und B99 drei Produktionshallen und einen Bürotrakt. Über sechs Millionen Euro hat sich die Firma Grundstück, Bau und neue Maschinen kosten lassen. So ist zum Beispiel der Platz für die Produktion und das Lager viel größer als bisher, lässt ein flexibleres Arbeiten und Wachstum zu. Auch die Logistik wird viel effizienter. Nicht nur, dass Material und Teile nicht mehr zwischen drei Standorten hin und her bugsiert werden müssen. Die Abläufe innerhalb der neuen Hallen werden durch moderne Technik und Methoden viel schneller. Beschränkungen in der Arbeitszeit wegen des Lärmschutzes der Anwohner wie in Oderwitz gibt es nicht mehr. So soll es ab Montag im vollen Zweischicht-Betrieb losgehen. Auf die Umwelt haben Scholz und seine Leute ebenfalls geachtet: Auf dem Dach ist eine Fotovoltaik-Anlage installiert, die mehr Strom erzeugt als das Unternehmen selbst braucht. Zudem arbeitet Arnell mit modernster Wärmetechnik.

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In den Produktionshallen - in denen überwiegend Befestigungselemente für Heizungen, Zäune, Reisemobile, Heizungen oder Bäder, aber vor allem für Gitterroste gefertigt und dann an Kunden in weit mehr als 20 Ländern geliefert werden - stehen bereits in Oderwitz benutzte und nagelneue Maschinen. An einer schneidet ein Arnell-Mitarbeiter mit einem Wasserstrahl zentimeterdicke Bauteile. Der neue Servo-Stanzbiegeautomat spuckt bis zu 230 bearbeitete Teile pro Minute aus. Er allein hat rund eine Million Euro gekostet.

Maschinenbauingenieur Rico Fahr bedient den neuen Stanz-Biegeautomat.
Maschinenbauingenieur Rico Fahr bedient den neuen Stanz-Biegeautomat. © Matthias Weber

Die von 20 auf 28 Mitarbeiter angewachsene Arnell-Mannschaft - davon vier Tschechen - hat neue, moderne Sozialräume bekommen. "Das gab es in Oderwitz so nicht", sagt Scholz. Die Büros sind nach den neuesten Arbeitsschutzbestimmungen ausgerichtet. Kaffee und Mineralwasser gibt es kostenlos. Genau wie die Arbeitskleidung im Arnell-Design, die die Firma nach dem Tragen sogar waschen lässt. Im Sommer soll zusammen auf der großen Terrasse am Bürotrakt mit Blick auf den Jeschken gefrühstückt werden. Natürlich werden überall große Monitore und Computertechnik Einzug halten, um die Arbeit noch effizienter zu machen. Fernziel ist die absolute Vernetzung, Stichwort "Industrie 4.0". Nur eins macht dem Chef Sorgen: Im Gewerbegebiet Weinau liegt trotz jahrelanger Ankündigungen und Bemühungen immer noch kein schnelles Internet an. Und eine Besserung ist nicht in Sicht. Bis es dann doch soweit ist, hat sich der Unternehmer selbst geholfen und sich die schnelle Datenübertragung per Richtfunk ins Werk geholt. Ohne die kommt heute kaum noch ein Unternehmen aus.

Das neue, moderne Umfeld, das Zusammenarbeiten an einem Standort und kleine Aufmerksamkeiten wie ein Bockwurstfrühstück freitags lässt auch den Zusammenhalt innerhalb des Teams wachsen, schwärmt Scholz. Er weiß, dass die Mitarbeiterbindung eines der wichtigsten Zukunftsthemen der heimischen Wirtschaft ist. Zumal Arnell weiter wachsen will. Scholz plant bereits mit 35 Mitarbeitern.

Auch wenn nur der Markenname Arnell außen an der Fassade des neuen Werks in Zittau steht: Die Firma heißt weiter Arno Hentschel GmbH und steht zu ihren Wurzeln. Thomas Scholz arbeitet vertrauensvoll mit der Arno Hentschel Stiftung zusammen und will auch die verlassenen drei Oderwitzer Standorte nicht an den Meistbietenden verkaufen. Stattdessen denkt er über ihre weitere Nutzung für Forschung und Entwicklung nach. Wenn sich in Zittau alles eingespielt hat, will er sich mit dem Thema beschäftigen. Arnell entwickelt viele Produkte selber, arbeitet aber auch mit externen Forschern wie denen von Fraunhofer in Zittau zusammen und geht dabei immer wieder neue Wege. So stehen zum Beispiel mehrere 3D-Drucker im Betrieb, die Scholz' Leute nutzen.

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