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Hauseinsturz überrascht Bauaufsicht

Der Stadt Zittau haben keine Hinweise zum schlechten Zustand des Hintergebäudes Innere Weberstraße 7 vorgelegen. Heute wurde schnell gehandelt.

An dem baufälligen Haus an der Brunnenstraße werden die vom Absturz bedrohten Hausteile abgetragen.
An dem baufälligen Haus an der Brunnenstraße werden die vom Absturz bedrohten Hausteile abgetragen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Nun ging alles ganz schnell: Bereits am Morgen nach dem Unglückstag rückte eine Zittauer Baufirma an, um die vom Absturz bedrohten Gebäudeteile abzutragen. Am Vortag in der Mittagsstunde war das Dach des leerstehenden Hintergebäudes zwischen Brunnen- und Innere Weberstraße in Zittau eingestürzt. Kurz nach dem Vorfall waren der Eigentümer des Hauses an den Unglücksort geeilt, um wenig später mit einem Fachunternehmer die Abbrucharbeiten abzustimmen.

Ein derart schnelles Handeln hätten sich Anwohner und Nachbarn vom Hausbesitzer schon früher gewünscht. Vor allem die Bewohner der gegenüberliegenden Seniorenwohnanlage "Zum Marsbrunnen", deren Fahrzeuge von den herabfallenden Hausteilen beschädigt wurden. "Wir wissen bisher von zwei beschädigten Autos", sagt Uta-Sylke Standke, Geschäftsführerin der Zittauer Wohnbaugesellschaft (WBG). Die WBG ist der Vermieter der Seniorenwohnanlage und hat gegenüber für ihre Mieter einen Parkplatz errichtet. Der kann vorerst nicht genutzt werden, wurde nach dem Hauseinsturz umgehend abgesperrt.

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Auch das Fahrradhäuschen ist betroffen, wie Frau Standke erklärt. Ein Stück des Daches hat es getroffen und stark beschädigt. Hier konnten die Bewohner ihre Fahrräder oder Elektromobile abstellen. Ob und wie viele Räder und Elektromobile beschädigt wurden, kann die WBG-Chefin zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Für die betroffenen Senioren sei es ein Schock gewesen, berichtet Uta-Sylke Standke. "Das sind alles betagte Leutchen", fügt sie hinzu. Die Mitarbeiter des Sozialträgers haben sich laut WBG-Chefin sofort um die Mieter gekümmert.

Mauer hat einiges abgefangen

Probleme mit dem Nachbarhaus habe es zuvor keine gegeben, erklärt Frau Standke. Sie vermutet, dass es auch an der hohen Mauer lag, welche den Parkplatz zum Nachbargrundstück abgrenzt. Sie habe sicher einiges abgefangen, glaubt Frau Standke. Die Mauer hatte die WBG nach dem Abriss des Hauses Brunnenstraße 4 im Jahr 2010 und die Schaffung der Parkflächen errichtet.

Die WBG-Chefin ist nicht die einzige, die von dem Einsturz überrascht wurde. Auch der Bauaufsicht sei der schlechte Zustand des Hintergebäudes der Inneren Weberstraße 7 nicht bekannt gewesen, teilt Stadtsprecher Kai Grebasch mit. In der Vergangenheit habe es keine Probleme mit herunterfallenden Hausteilen gegeben und bis zum Montag deutete auch nichts darauf hin, dass die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet ist.

Zittaus OB Thomas Zenker (Zkm) und Mitarbeiter der Bauaufsicht waren ebenfalls kurz nach dem Vorfall an den Ort des Geschehens geeilt. Gemeinsam mit der Polizei und der Feuerwehr hat die Bauaufsicht den Schaden besichtigt und dokumentiert.

Sofort wurde die Sperrung des WBG-Parkplatzes und des benachbarten Feuergässchens veranlasst. Teile des baufälligen Hintergebäudes waren auch auf das Gässchen gefallen, hatten zum Glück aber niemanden verletzt. "Bis zur Beseitigung der Gefährdung bleiben der Parkplatz und das Feuergässchen gesperrt", teilt Grebasch mit. Wie lange der Eigentümer Zeit hat, die bedrohten Hausteile abzutragen, wurde nicht konkret benannt.

Seit Jahrzehnten nichts passiert

Der Hausbesitzer selbst war für eine Stellungnahme am Dienstag nicht zu erreichen. So bleibt vorerst auch ungeklärt, ob ihm die drohende Gefahr bekannt war. Von außen sah das Gebäude jedenfalls schon lange nicht mehr einladend aus. Es ist auf den ersten Blick sichtbar, dass hier seit Jahrzehnten nichts mehr gemacht wurde.

So geht es vielen Gebäuden in der Stadt Zittau. Ihre Eigentümer lassen die Objekte immer weiter verfallen, ohne etwas für ihre Sicherung zu tun. Und so ist der Hauseinsturz an der Brunnenstraße auch nicht der erste Fall dieser Art. Vor zwölf Jahren war - nur etwa Hundert Meter entfernt - die Brunnenstraße 22 eingestürzt. Teile der Fassade stürzten damals auf den Gehweg, die Straße und auf zwei parkende Autos. Verletzt wurde auch in diesem Fall glücklicherweise niemand. Die Brunnenstraße 22 wie auch die beiden Nachbargebäude 20 und 24 mussten in der Folge abgerissen werden.

Überhaupt scheint die westliche Zittauer Innenstadt ein Problemviertel zu sein. Hier gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Hauseinstürze. Im Juni 2013 war das Gebäude Innere Weberstraße 37 in sich zusammengefallen. Dass bei dem spektakulären Einsturz niemand verletzt wurde, war auch hier ein Wunder. Die Folgen dieses Hauseinsturzes beschäftigten noch lange danach Gutachter und Rechtsanwälte. Inzwischen ist das Grundstück wieder bebaut.

Auch der Mandauer Berg war lange eine Problemecke. Nachdem 2011 die Decken im Inneren des Hauses Nummer 8/10 in sich zusammengebrachen und dadurch die Statik der Nebenhäuser gefährdet war, musste der Mandauer Berg jahrelang gesperrt werden.

Zehn Gebäude eingestürzt

Zwischen 2007 und 2012 sind in Zittau und seinen Ortsteilen insgesamt zehn Gebäude teilweise oder komplett eingestürzt. Sieben davon betrafen die Zittauer Innenstadt. Zu diesen Häusern gehören auch die Böhmische Straße 30 und 32, wo 2009 - nur einen Monat nach dem Hauseinsturz in der Brunnenstraße - die Decken mit einem lauten Knall durchrauschten. Ein Jahr später war erneut die Böhmische Straße betroffen - diesmal drohten die Dachgaupen von Haus Nummer 9 abzustürzen. Während dieses Haus letztlich abgerissen wurde, konnten die Böhmische Straße 30 und 32 gesichert werden.

Weitere Gebäude stürzten in der Amalienstraße und der Reitbahnstraße ein. Die Reitbahnstraße 1 - ehemalige Jugendzahnklinik - konnte durch eine Notsicherung vor dem Zusammenfall gerettet werden. Die Bahnhofstraße 37 wurde wiederum abgerissen, ehe sie einstürzen konnte.

Vor einigen Jahren hat die Stadt eine Übersicht von baufälligen Innenstadthäusern erstellt und darin rund 50 leere Gebäude aufgelistet. Diese Zahl veränderte sich unwesentlich, nur wenige der Objekte wurden saniert, einige sind in der Zwischenzeit eingestürzt - so wie im April 2013 das Hinterhaus der Böhmischen Straße 27.

Im Juli 2014 sorgte der drohende Einsturz der Friedenstraße 8 für Aufregung. Die Friedenstraße musste gesperrt werden, das Haus wurde später abgerissen. Akute Einsturzgefahr herrschte 2014 auch beim Eckhaus Humboldt-/Schrammstraße. Auch dieses Gebäude steht inzwischen nicht mehr, die Kreuzung konnte nach dem Hausabriss ausgebaut werden. Zuletzt sorgte im August 2020 das Eckhaus West-/Rathenaustraße für eine kurzzeitige Straßensperrung. In einem Zimmer war eine Holzbalkendecke gebrochen und teilweise herabgestürzt. Dabei hat ein Balken das Fenster an der Weststraße durchstoßen, wodurch Glasscherben auf den Fußweg gefallen waren.

Optikermeister Wolfgang Huth, der im Vorderhaus Innere Weberstraße 7 eingemietet ist, hofft, dass die Sperrung des Feuergässchens bald wieder aufgehoben wird. Denn über das kleine Gässchen wird er mit Ware beliefert. Das war nach dem Einsturz des Hintergebäudes erst mal nicht möglich. "Ich habe es gleich am Nachmittag an meinen Lieferanten gemeldet", sagt der Zittauer Optiker. Manchen Kunden musste er deshalb am Dienstag vertrösten, weil seine Brille nicht fertiggestellt werden konnte. "Es gibt hoffentlich bald eine Lösung", meint Huth. Anderenfalls müsse er sich seine Ware zu einem anderem Optiker in der Innenstadt liefern lassen und dort abholen.

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