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Theater mal anders: So schräg sind "Selfies einer Utopie"

Regisseur Nicola Bremer bringt seinen Instagram-Account auf die Zittauer Bühne. Für die Schauspieler heißt das: spontan sein. So war die Premiere.

Von Elke Schmidt
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Die Premiere "Selfies einer Utopie" macht Lust auf mehr. Weiter geht die Serie im Januar.
Die Premiere "Selfies einer Utopie" macht Lust auf mehr. Weiter geht die Serie im Januar. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Eros Ramazzotti zieht nach Zittau. Oder doch nicht? Einfach wird das für ihn jedenfalls nicht. Vorher muss er einen Test bestehen und er kann kein deutsches Gedicht. Die drei Schauspieler Sabine Krug, Paul-Antoine Nörpel und David Thomas Pawlak wollen ihm helfen, eins zu lernen.

Mit diesem Szenario lässt Regisseur Nicola Bremer seine "Selfies einer Utopie" beginnen. Deren Premiere am Mittwoch im Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theater ist der Auftakt einer besonderen Serie, bei der es vorher keine Proben gibt und die Schauspieler ihren Text zum ersten Mal bei ihrem Auftritt lesen. Der Regisseur sitzt dabei vor der Bühne und hält verschiedene Schilder mit Regie-Anweisungen in die Höhe. Diese setzen die Schauspieler beim Vorlesen spontan um. Ist ein Blatt zu Ende, wird es wie beim Poetry Slam einfach auf den Boden geworfen. Dabei geht es beileibe nicht nur um Eros Ramazotti. Wie in seinem Instagram-Account greift Nicola Bremer das aktuelle Weltgeschehen auf und gießt es in Momentaufnahmen der Gegenwart. Das ist kein Selbstzweck. Der junge Autor will damit auch eine Botschaft übermitteln, nur eben nicht bierernst und verbissen.

Und das ist gelungen. David Thomas Pawlak, Paul-Antoine Nörpel und Sabine Krug haben sichtlich Freude an diesem Spiel. Anfangs noch deutlich aufgeregt, leben sie zunehmend die geforderten Emotionen und sind unter anderem traurig, erschöpft dümmer, haben mehr Energie oder flirten, was das Zeug hält. Ob es dabei um den österreichischen Bundeskanzler geht oder um die AfD beziehungsweise Tino Chrupalla, um die Bild-Zeitung oder das Lesen im Allgemeinen und nicht zuletzt darum, ob man von deutschen Gedichten mehr kennen sollte als nur die ersten zwei Zeilen. Kein Thema ist ihnen zu ernst oder zu schwierig, um ihm nicht eine lustige (Schauspiel-)Seite abzugewinnen. Trotzdem bleibt die Botschaft immer klar und eindeutig. Zwischendurch improvisieren sie zu Musik komplett ohne Regie.

Dem bunt gemischten Publikum im fast voll besetzten Theater-Foyer gefällt das. Es gibt viele Lacher und so manchen Szenen-Applaus. Spätestens als die drei Schauspieler am Ende des Abends zur Diva mutieren, haben sie ihre Gäste von der Idee des Regisseurs überzeugt. Es könnte durchaus sein, dass etliche von ihnen zur zweiten Folge der Serie in Zittau wiederkommen. Dann können sie auch erfahren, ob Eros Ramazzotti es nun geschafft hat, den Gedicht-Test zu bestehen. Aber man muss diesen ersten Teil nicht unbedingt gesehen haben. "Die Folgen der Serie bauen nicht aufeinander auf und Nicola Bremer schreibt für jede Folge einen neuen Text", schreibt das Theater. Für das Publikum sei daher der Einstieg an jedem der Abende möglich.

Weitere Termine in Zittau:

  • 19. Januar 2022, 19.30 Uhr
  • 2. März 2022, 19.30 Uhr