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PLUS Familienkompass 2020 Zittau

Brauchen wir Kitas, die länger öffnen?

Viele Eltern wünschen sich, das Kitas länger geöffnet sind. Aber würden sie ihre Kinder wirklich auch abends betreuen lassen? Ein Erfahrungsbericht.

Viele Eltern wünschen sich, das Kitas länger geöffnet sind. Aber würden sie ihre Kinder wirklich auch abends betreuen lassen?
Viele Eltern wünschen sich, das Kitas länger geöffnet sind. Aber würden sie ihre Kinder wirklich auch abends betreuen lassen? © SZ/Uwe Soeder

Immer dienstags aller drei Wochen haben Laura und Thomas ein Problem - immer dann, wenn Thomas Spätschicht hat und Laura bis 18 Uhr Sprechzeit in der Verwaltung. Jeden Dienstag aller drei Wochen sind die jungen Eltern also darauf angewiesen, dass die Oma oder die Nachbarin den kleinen Fritz aus dem Kindergaren holen.

Denn die drei Kindereinrichtungen in Großschönau und Waltersdorf schließen 17 Uhr. Und auch in Löbau, wo Laura arbeitet, gibt es keine Kita, die länger geöffnet ist. Es gibt im ganzen Landkreis keine einzige. Manche schließen sogar schon 17.30 Uhr. 

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"Wir sind jedes Mal sehr froh, wenn wir geklärt haben, wer den Kleinen abholt", sagt Laura. "Ich kann mir da nur zu gut vorstellen, wie es Alleinerziehenden geht oder Familien, in denen es nicht nur einmal aller drei Wochen vorkommt, dass die Eltern länger als bis 17 Uhr arbeiten müssen", fügt die 30-Jährige hinzu.

An diesen Dienstagen, sagt Laura, würde sie sich wünschen, dass sie ihren Sohn erst gegen halb sieben abholen könnte und dass er da auch schon Abendbrot gegessen hätte. Mit diesem Wunsch übrigens ist die junge Mutter nicht allein, wie die Umfrageergebnisse aus dem großen SZ-Familienkompass zeigen. Die Eltern aus Großschönau und Waltersdorf beispielsweise geben den Öffnungszeiten der Kitas nur eine Schulnote 3.

Das sind die Umfrageergebnisse aus Großschönau

GESAMTBILD: Wie glücklich und zufrieden leben Familien in Großschönau? Geht es nach dem Gesamtergebnis der großen SZ-Umfrage, liegt die Zufriedenheitsquote in der Naturparkgemeinde über dem sächsischen Durchschnitt. 
GESAMTBILD: Wie glücklich und zufrieden leben Familien in Großschönau? Geht es nach dem Gesamtergebnis der großen SZ-Umfrage, liegt die Zufriedenheitsquote in der Naturparkgemeinde über dem sächsischen Durchschnitt.  © SZ Grafik
WOHNEN: Mit ihrem Wohnumfeld sind die Großschönauer und Waltersdorfer eher zufrieden. Nur die Schulwege kommen bei der Umfrage nicht ganz so gut weg.
WOHNEN: Mit ihrem Wohnumfeld sind die Großschönauer und Waltersdorfer eher zufrieden. Nur die Schulwege kommen bei der Umfrage nicht ganz so gut weg. © SZ Grafik
KITA: Die Elternbeiträge für die Kita-Betreuung empfinden die Großschönauer Eltern als eher zu hoch. Auch der Wunsch nach längeren Kitaöffnungszeiten ist in der Gemeinde überdurchschnittlich groß.
KITA: Die Elternbeiträge für die Kita-Betreuung empfinden die Großschönauer Eltern als eher zu hoch. Auch der Wunsch nach längeren Kitaöffnungszeiten ist in der Gemeinde überdurchschnittlich groß. © SZ Grafik
GESUNDHEIT: Der ärztlichen Betreuung geben Eltern eher schlechtere Noten.
GESUNDHEIT: Der ärztlichen Betreuung geben Eltern eher schlechtere Noten. © SZ Grafik
FAMILIENPOLITIK: Auch mit der Familienpolitik in der Gemeinde sind die Großschönauer in allen Punkten weniger zufrieden als im Durchschnitt.
FAMILIENPOLITIK: Auch mit der Familienpolitik in der Gemeinde sind die Großschönauer in allen Punkten weniger zufrieden als im Durchschnitt. © SZ Grafik
ARBEIT: Großschönauer Eltern schätzen vor allem den Punkt "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" negativer ein als im Durchschnitt Sachsens.
ARBEIT: Großschönauer Eltern schätzen vor allem den Punkt "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" negativer ein als im Durchschnitt Sachsens. © SZ Grafik

Aber würden sie ihre Kinder, wenn es denn die Möglichkeit gäbe, auch tatsächlich in eine Spätbetreuung geben? Kessrin Schulze, bei der Awo Oberlausitz zuständig für 20 Awo-Kindertagesstätten im ganzen Landkreis, auch für zwei in Großschönau und Waltersdorf, glaubt das eher nicht.

"Bisher ist eine Spätbetreuung bei uns kein Thema", sagt sie. Für einige wenige Kinder sei das auch weder personell noch finanziell zu stemmen. Genauso sieht das auch Marlen Heinze, die Leiterin des Sachgebiets Kinder/Jugend/Familie im Landratsamt Görlitz. "Bedarf für eine Spätbetreuung gibt es nicht wirklich", sagt sie.

"Wir haben da in den letzten Jahren schon verschiedene Modelle diskutiert", erzählt sie. "Wenn man die Eltern fragt, dann wünschen sie sich das meistens auch", schildert sie ihre Erfahrung, "aber wenn es dann darum geht, wer das Angebot tatsächlich annehmen würde, meldet sich niemand." 

Spätbetreuung in Zittau droht an Corona zu scheitern

Aber es gibt sie doch, die Spätbetreuung für Kita-Kinder - zumindest für Eltern in Zittau und Umgebung. Die Elterninitiative "Südkinder" hält das landkreisweit einzigartige Projekt seit Jahren ehrenamtlich am Laufen. Die Awo-Kita "Spatzennest" an der Zittauer Carpzovstraße stellt dem Verein dafür kostenlos den Raum zur Verfügung.

Der Verein betreut Kinder zwischen einem und zehn Jahren in der Zeit von 17 bis 20 Uhr. Ein Fahrdienst holt sie aus den umliegenden Kindertagesstätten und Schulhorten ab. Sie werden von ehrenamtlichen Erzieherinnen betreut, Abendbrot gibt es auch. 

"Wir haben mit unserem Projekt damals ein absolutes Novum gestartet", sagt Vereinsvorsitzender René Birnbaum. "2002 hatten wir uns als Verein gegründet, auch aus der Motivation heraus, dass wir für unsere eigenen Kinder so eine Betreuung brauchten." Als das Landesjugendamt aber endlich überzeugt und alle Genehmigungen da waren, seien die eigenen Kinder dem Kita-Alter schon entwachsen gewesen, erzählt Birnbaum.

Dennoch habe sich das Projekt zu einem Erfolg entwickelt, sagt er. "Wir hatten bis zu zehn Kinder in der Betreuung." Finanziert wird das Projekt größtenteils von Sponsoren, Eltern zahlen für die Betreuung drei Euro pro Stunde, aber maximal 50 Euro im Monat. Das Abendbrot kostet 50 Cent.

Aber seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist die Spätbetreuung in dieser Weise nicht mehr durchführbar. "Das passt in kein Hygienekonzept", erklärt René Birnbaum, der im Hauptberuf Notfallsanitäter und Leiter des DRK-Rettungsdienstes ist. "Wir holen ja die Kinder aus den verschiedenen Einrichtungen hier zusammen, das geht unter Corona-Bedingungen nicht."

Eigentlich, sagt er, habe der Verein im Oktober wieder starten wollen. Das sei nun nicht mehr möglich. "Wir wissen auch nicht, ob es den Bedarf jetzt tatsächlich noch gibt", fügt René Birnbaum hinzu. Der Verein hatte die Eltern angeschrieben, bisher gebe es aber noch keine neuen Anmeldungen. "Es steht damit jetzt auch die Frage im Raum, ob wir überhaupt wieder starten können", sagt der Vereinsvorsitzende. "Wenn es bis Jahresende nicht anders wird, werden wir das Projekt womöglich einstellen müssen." 

Wer sich für die Spätbetreuung in Zittau interessiert, kann sich per E-Mail unter [email protected] an den Verein wenden. 

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