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Säure-Anschlag auf Zittauer Arztpraxis

Ein Unbekannter hat die Praxis von Michael Nowotny und Dr. Zdenka Prochazkova dadurch lahm gelegt. Sie fühlen sich von den Behörden allein gelassen.

Die Fachärzte Michael Nowotny und Dr. Zdenka Prochazkova in der Anmeldung ihrer Doppel-Praxis, wo sie sich jetzt nur selten aufhalten können .
Die Fachärzte Michael Nowotny und Dr. Zdenka Prochazkova in der Anmeldung ihrer Doppel-Praxis, wo sie sich jetzt nur selten aufhalten können . © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Seit Dienstag können Michael Nowotny und seine Kollegen Dr. Zdenka Prochazkova ihre Doppel-Arztpraxis in der Neißstraße in Zittau nur für einen Notbetrieb öffnen. Mehr ist für das Personal und die Patienten nicht zumutbar. "Ich bekomme den Geruch einfach nicht mehr aus der Nase", sagt Michael Nowotny. In der Nacht zum Dienstag hat es auf seine Arztpraxis einen Buttersäure-Anschlag gegeben. 

Der Facharzt für Allgemeinmedizin war am Montag bis 21.30 Uhr in der Praxis und die erste Schwester am nächsten Morgen um 7 Uhr da. Dazwischen muss es passiert sein. "Es roch bestialisch. Wir konnten uns nicht erklären, wo dieser Gestank herkommt", erzählt er. Zuerst dachten sie, es kommt von draußen. Vielleicht hat es irgendwo eine Havarie gegeben?  Aber dann kamen sie darauf, dass es nach Buttersäure riecht. "Nach etwa zwei Stunden stand für uns fest, das war ein Anschlag", sagt der Facharzt. 

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Michael Nowotny zeigt auf Stellen im Eingangsbereich seiner Zittauer Arztpraxis, wo Buttersäure verkippt wurde.
Michael Nowotny zeigt auf Stellen im Eingangsbereich seiner Zittauer Arztpraxis, wo Buttersäure verkippt wurde. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Buttersäure ist großflächig gegen die Haustür geworfen worden. Der Gestank zog sich durch das gesamte Mehrfamilienhaus. Enttäuscht und verärgert zugleich schildert der Facharzt, was er danach erlebte. Wen er auch anrief, niemand schien zuständig oder konnte helfen.

Die alarmierte Polizei bestätigte ihm seine Vermutung. Hier wurde Buttersäure verkippt. Und zwar in einer nicht geringen Menge. Unerklärlich findet der Arzt aber, dass der Vorfall nicht mal verfolgt wird. Es sei kein Anschlag, sondern höchstens eine Sachbeschädigung, erfuhr er von den Polizisten.

Das bestätigte am Freitag die Pressesprecherin der Polizeidirektion in Görlitz, Anja Leuschner, auf Nachfrage der SZ. "Die Beamten konnten keine Proben entnehmen, weil dafür nichts mehr da war", sagt sie. Und sie bestätigt auch, dass so ein Vorfall als Sachbeschädigung gilt, wenn keine Person verletzt wurde.

"Wer macht so etwas?", fragt der Arzt. Seine gesamte Praxis ist für mehrere Tage lahm gelegt und nicht absehbar, wie lange noch. Die Leidtragenden sind in erster Linie die Patienten. 1.500 werden in seiner Praxis pro Quartal behandelt. Davon werden etwa 600 von ihren Hausärzten zu ihm überwiesen. Michael Nowotny führt eine Schwerpunktpraxis für Diabetis.

Was kann man tun?

Die Tragweite des Anschlags lässt sich noch gar nicht abschätzen. "Wenn man zu Buttersäure im Internet recherchiert, wird einem schlecht", gesteht er. Dass die Dämpfe Augen und Atemwege reizen, weiß er als Arzt selber. Aber es gibt auch Informationen, dass sie nicht nur in Mauerwerk und Kleidung einziehen, sondern auch jahrelang Wirkung zeigen können. "Man weiß nicht, wie glaubhaft solche Schilderungen sind", berichtet der Arzt. 

Um schnell wieder seine Praxis voll arbeitsfähig zu machen, hatte er sich Hilfe von Behörden erhofft. Aber trotz stundenlangem Bemühen, um gute Tipps gegen Buttersäure zu bekommen, drückte man ihm beim Gesundheits- und beim Umweltamt, wie auch beim Katastrophenschutz und beim Giftnotruf lediglich Bedauern aus.

Als Corona aufpoppte, haben auch in seiner Praxis Ärzte und Schwestern ihren Kopf hingehalten, obwohl es am Anfang wenig Informationen und noch weniger Schutz vor möglichen Ansteckungen für sie gab. Jetzt, wo sie Hilfe brauchen, bleiben sie auf sich allein gestellt, ärgert sich der Arzt. Er will ja lediglich wissen, was er dagegen unternehmen kann.

Mit seinem Team tut er, was er kann. Die Haustür ist ausgebaut und ihr Dichtgummi entfernt worden. Teilweise hat er an der Tür den Fußbodenbelag entfernt. "Es bleibt mir wahrscheinlich nichts anderes übrig, als den Eingangsbereich neu zu machen", schildert er. Michael Nowotny hat schon vieles versucht, was es im Internet an Ratschlägen gibt. Aber alles - vom Hausmittelchen bis zu chemischen Mitteln - versagten bisher.

Dr. Zdenka Prochazkova und Michael Nowotny geht es um ihre Patienten, die sie brauchen. Sie sind froh, dass eine andere Praxis sie kurzfristig vertritt. 

Ärzte bitten Patienten um Verständnis

Seit 1991 führt Dr. Michael Nowotny die Praxis in der Neißstraße. In wenigen Wochen wird er 70 Jahre alt. Deshalb will er sich im nächsten Jahr Ende März aus dem Berufsleben zurückziehen. "Ich hoffe nicht, dass das jetzt Auswirkungen auf meine Nachfolgerin hat", berichtet er. Die steht mit Zdenka Prochazkova schon fest. Seit drei Jahre arbeite die Fachärztin bereits bei ihm und sie will noch eine zweite Ärztin einstellen.

Michael Nowotny und Zdenka Prochazkova bitten ihre Patienten um Verständnis, dass sie derzeit telefonisch schwer erreichbar sind. Aber gerade am Empfangsbereich, der so wichtig ist, kann man sich momentan nur kurz aufhalten. Die beiden Ärzte müssen da auch an ihre Mitarbeiter denken. Über die Internetseite www.diabetologie-zittau.de ist die Praxis per E-Mail besser zu erreichen. 

"Ich will nicht spekulieren, wer so etwas feiges und hinterhältiges getan haben könnte", sagt Michael Nowotny. Verstehen kann man es auch nicht. 

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