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Immer wieder Ärger um die Mandaubahn

Zuletzt war der Bahnübergang in Seifhennersdorf an der Nordstraße wieder Streitpunkt. Alle Beteiligten äußern sich positiv zum Zugverkehr - bis auf einen.

Der Bahnhof in Seifhennersdorf.
Der Bahnhof in Seifhennersdorf. © Matthias Weber/photoweber.de

Karin Berndt ist ein großer Eisenbahnfan. So war es auch selbstverständlich für die Seifhennersdorfer Bürgermeisterin, dass sie sich am vergangenen Wochenende die Dampflok der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde (Osef) angesehen hat, die nach ihrer Reparatur zurückgekehrt ist und auf große Fahrt durch die Oberlausitz ging. Und sie hat bei Alfred Simm, dem Chef der Osef, gleich eine Fahrt reserviert mit der alten Dame für's nächste Jahr. Dann soll sie auf der Mandaubahn-Strecke in den Seifhennersdorfer Bahnhof einfahren. 

Ein Ärgernis ist das schon lange für die Seifhennersdorfer, sagt die Bürgermeisterin. Fast jede Woche führe sie Gespräche mit Einwohnern zum Thema Bahn. Viele fragen nach und interessieren sich dafür. Doch, wenn alle so gerne Zug fahren wollen, wo liegt dann das Problem? Die Deutsche Bahn hat die Strecke Eibau - Seifhennersdorf - Varnsdorf, bekannt als Mandaubahn, an die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) verpachtet. Die DRE ist ein Infrastruktur-Unternehmen. Sie unterhält Regionalstrecken und sorgt dafür, dass sie intakt sind und befahren werden können. Den Verkehr besorgen dann Verkehrsunternehmen, wie zum Beispiel die Länderbahn mit ihren Zügen.

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Im Falle der Mandaubahn war das bisher daran gescheitert, dass es für den Zugverkehr im Grenzbereich besondere internationale Sicherheitsbestimmungen gab. Die konnte die DRE nicht erfüllen. Doch die gibt es inzwischen nicht mehr. Bereits im Juli 2019 kam eine Gesetzesneuerung, wonach untergeordnete Regionalstrecken keine solche Sicherheitsgenehmigung mehr haben müssen. Und deshalb kam DRE-Geschäftsführer Gerhardt Curth Ende des vorigen Jahres mit einer überraschenden Mitteilung nach Seifhennersdorf: Man werde die Strecke instand setzen und wieder Züge fahren lassen. Das galt zunächst für den Abschnitt von Seifhennersdorf bis zur Grenze. Hier wurden laut DRE auch die Schienen freigeräumt und Wildwuchs verschnitten. Züge fahren aber immer noch nicht. 

Bahnübergang ist ein Knackpunkt

Und deshalb scheint nun wieder einmal Bewegung in die Sache zu kommen. Ein Gerücht, dass der Regionaleisenbahngesellschaft der Pachtvertrag gekündigt worden sein soll, bestätigt die Deutsche Bahn zwar nicht. Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin aber: "Der Infrastrukturbetreiber DB Netz unternimmt alles, dass auf der Strecke wieder Verkehr aufgenommen wird. Dazu sind wir im Austausch mit den beteiligten Partnern." Mehr wolle man zu den laufenden Gesprächen aktuell noch nichts mitteilen. 

Fakt ist auch: die DRE muss eine Betriebserlaubnis für die Strecke einholen. Dafür ist das Sächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zuständig. Die Strecke muss dafür technisch so hergerichtet sein, dass sie alle Sicherheitsbestimmungen erfüllt. Noch liegt keine Betriebserlaubnis vor. Ein Knackpunkt ist dabei zum Beispiel der Bahnübergang an der Nordstraße nahe des Rathauses. Hier quert die Bahnstrecke die Straße. Schranken gibt es nicht mehr, sie wurden vor ein paar Jahren demontiert. Wegen der Sicherung des Bahnübergangs gab es erst kürzlich wieder Ärger. Die DRE hatte an der Nordstraße eine Ampel aufgestellt, um den Bahnübergang abzusichern. Die Fundamente der Ampelanlage standen aber mitten auf dem Gehweg. "Das geht so nicht", befand man in der Stadtverwaltung. Eine Nachfrage bei der zuständigen Straßenbehörde ergab, dass das Bahnunternehmen gar keine Genehmigung für das Aufstellen der Ampel hatte, berichtet die Bürgermeisterin. Also musste die Ampel beiseite geräumt werden. "Nun steht sie ungenutzt im Gleisbett", beschreibt Frau Berndt die aktuelle Lage. 

Zvon fordert Sicherheit auf dem Bahnsteig

Ein Wörtchen mitzureden bei der Mandaubahn hat auch der Zweckverband Zvon, der den Nahverkehr in der Oberlausitz organisiert. Christoph Mehnert, stellvertretender Geschäftsführer vom Zvon bestätigt, dass die Bestellung der Strecke bis 2031 gesichert sei. Das heißt, hier ist weiterhin öffentlicher Personennahverkehr vorgesehen. Die Strecke liegt nicht still, sie ist nur außer Betrieb gesetzt. Deshalb gibt es Schienenersatzverkehr mit Bussen. "Wenn alle Fragen geklärt sind, steht dem Zugverkehr unsererseits nichts im Wege", so Mehnert. Zu den Fragen, die er zuvor geklärt wissen will, gehört auch die Sicherheit am Bahnsteig. "Dass der Bahnhof immer mehr einfällt, dafür kann die DRE freilich nichts", räumt Mehnert ein. Der Bahnhof ist in Privatbesitz. Aber der Zugang zum Bahnsteig und die Beleuchtung auf dem Bahnsteig müsse instand gesetzt werden. Außerdem fordert er einen Wetterschutz für die Zugpassagiere. Auch diese Forderungen seien bisher von der DRE nicht umgesetzt worden. 

Die Regionaleisenbahngesellschaft selbst hat sich auf eine Anfrage der SZ zum aktuellen Stand nicht geantwortet. 

Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Karin Berndt gibt sich derweil ganz zuversichtlich, dass bald wieder Züge durch Seifhennersdorf rollen werden. "Es ist Bewegung in der Sache", bestätigt auch sie - ohne konkret zu werden. Die Löbauer Dampflok ist jedenfalls schon mal reserviert. 

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