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Erspartes aufgebraucht - wie geht's weiter?

Frithjof Helle, Chef des Jonsdorfer Schmetterlingshauses, sagt, was passieren muss, damit es die Corona-Krise nur mit einem blauen Auge übersteht.

Der Geschäftsführer des Schmetterlingshauses in Jonsdorf, Frithjof Helle, hätte auch gern gewollt, dass er, so wie die Museen, schon früher hätte öffnen dürfen.
Der Geschäftsführer des Schmetterlingshauses in Jonsdorf, Frithjof Helle, hätte auch gern gewollt, dass er, so wie die Museen, schon früher hätte öffnen dürfen. © Matthias Weber/photoweber.de

Warum gehört das Schmetterlingshaus in Jonsdorf zu den Freizeiteinrichtungen, die mit am längsten geschlossen bleiben mussten? Darüber und zu anderen Fragen sprach die SZ mit Geschäftsführer Frithjof Helle.

Herr Helle, die Inzidenzzahlen sind runter, hat das Schmetterlingshaus in Jonsdorf jetzt wieder geöffnet?

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Ja, seit dem 14. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr, auch sonn- und feiertags. Jeder Bereich des Schmetterlingshauses ist zugänglich. Es ist kein Test notwendig. Aber die Maskenpflicht gilt im Innenbereich weiter.

Museen und andere Einrichtungen haben schon wesentlich früher geöffnet. Warum durfte ein Museum öffnen, und ein Schmetterlingshaus nicht?

Wir haben einen Zoo-Status. Zoos und Tierparks durften zwar auch früher öffnen, aber nur deren Außenbereiche. Das Gondwanaland im Leipziger Zoo musste auch noch länger geschlossen bleiben. Als die Museen vor zwei, drei Wochen wieder öffnen durften, hatte ich extra noch mal im Landratsamt bei der Rechtsaufsicht nachgefragt, welche Verordnung für uns gilt. Und da hieß es, dass die Lockerungen noch nicht für uns gelten. Innen-Einrichtungen von Zoos, Tierparks, wie Terrarien- oder Aquarien-Anlagen und von botanischen Gärten mussten zu dem Zeitpunkt weiterhin geschlossen bleiben. Es klingt komisch, würden wir tote Tiere ausstellen, hätten wir auch früher öffnen können. Dann wären wir als ein Museum eingestuft.

Seit dem 2. November 2020 waren wir durchweg siebeneinhalb Monate geschlossen. Ab Ostern hatten wir dann angefangen, wieder Schmetterlingspuppen zu holen. Seit Juni haben wir jetzt wieder einen vollen Schmetterlings-Bestand im Haus. Wir wollten ja gern auch schon am 31. Mai öffnen.

Was ist im Haus in der Schließungszeit passiert?

Wir haben viel gemacht, die Terrarien neu gestaltet, den Eingangs- und den Kinderbereich aufgehübscht, in der Halle die Biomaterialien ausgetauscht und Pflegearbeiten durchgeführt. Die Zeit wurde zudem für die Inventur und den Jahresabschluss genutzt. Trotzdem sind die Service-Mitarbeiter in Kurzarbeit gewesen. Das war schon ein großer Einschnitt für sie bei Lohn und Gehalt. Deshalb bin ich Ihnen sehr dankbar, dass sie alle zur Stange gehalten haben. Die Tierpfleger hatten ja trotzdem volles Programm.

Sie haben ja auch eine tschechische Mitarbeiterin?

Ja. Und zum Glück immer noch. Wegen der zeitweise geschlossenen Grenze war sie die einzige Mitarbeiterin, die in Kurzarbeit-0 gehen musste. Das ging für uns leider nicht anders. Aber auch sie ist jetzt wieder da.

Wie hat das Schmetterlingshaus die Corona-Maßnahmen überstanden?

Für November/Dezember sind auch für uns die staatlichen Corona-Hilfen geflossen, das Überbrückungsgeld drei noch nicht. Wir sind vor Corona finanziell relativ gut aufgestellt gewesen. 2020 hatten wir die Verluste vom Sommer bis zum 31. Oktober sogar aufgeholt. Aber jetzt haben wir unsere Rücklage aufgebraucht. In der haben wir seit etlichen Jahren schon den Gewinn für die geplante energetische Sanierung des Schmetterlingshauses angespart. Die lange Schließzeit bedeutete für uns einen Umsatzverlust von 158.000 Euro.

Heißt das, die geplante energetische Sanierung ist nun erst einmal nicht mehr möglich?

Sie muss kommen. Wir hoffen einerseits auf Überbrückungshilfen, damit wir die Umsatzeinbußen, Betriebskosten und sonstigen fixen Ausgaben wenigstens zum Teil ausgleichen können. Wenn wir das Geld erhalten, wären wir noch mal mit einem blauen Auge durch die Corona-Zeit gekommen.

Und für die energetische Sanierung hat die Gemeinde Jonsdorf als Eigentümer und Bauherr bereits vor eineinhalb Jahren einen Fördermittelantrag gestellt. Der Antrag dafür ist jetzt in der Genehmigungsphase beim Regierungspräsidium in Dresden. Ich glaube aber nicht, dass es mit der Sanierung vor 2023 losgeht. Das Schmetterlingshaus soll während der Arbeit aber nicht komplett geschlossen werden.

Warum müssen sie sich eigentlich immer den Großteil der Schmetterlingspuppen zukaufen?

Unsere eigene Aufzucht ist sehr begrenzt. Und muss das auch sein. Die Raupen fressen in ihrer Wachstumsphase einfach in zwei bis drei Monaten zu viele Pflanzen. Die Alternative wären ständige Neupflanzungen. Deshalb kaufen wir alle zwei Wochen zwischen 250 und 280 Raupen. Das läuft jetzt langsam wieder an. In einigen Lieferländern gelten ja noch strenge Corona-Maßnahmen.

Wo kaufen Sie die Puppen?

Bei Direktvermarktern in Costa Rica, Malaysia, Philippinen, aber auch bei Großhändlern. Die afrikanischen Schmetterlingspuppen kaufen wir beispielsweise bei einem Großhändler in England.

Dann müssen jetzt nur noch die Besucher kommen. Wie liefen die ersten Tage an?

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Der Chef des Jonsdorfer Schmetterlingshauses sorgt sich um die Zukunft - und um die Mitarbeiter. Wie lange hält das Haus Corona noch aus?

Verhalten. Es muss sich erst noch rumsprechen. Und die erste Woche jetzt hatten wir ja schönes Sommerwetter. Ich kann gut nachvollziehen, dass die Leute bei 30 Grad Celsius nicht in ein Schmetterlingshaus gehen, sondern in ein Bad. Für unsere Besucherzahlen sind Regenwetter oder kühlere Tage besser. Ein Besuchermagnet für die Kinder sind aber schon jetzt wieder unsere Seepferdchen. Die haben wir seit eineinhalb Jahren. Und besonders auf die Besucher freuen sich unsere Weißbüscheläffchen. Während der Schließungszeit haben wir ihnen extra Spielzeug gegeben, damit es nicht zu langweilig für sie war.

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