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Steht der Sportplatz auf einem Pulverfass?

Panzerfäuste, Maschinengewehre und Patronen aus dem Zweiten Weltkrieg sind jetzt in Oberseifersdorf aufgetaucht. Ein Zufallsfund.

Mitarbeiter einer Spezialfirma bergen im Auftrag des Kampfmittelbeseitigungsdienstes schon eine Woche lang am Oberseifersdorfer Sportplatz Weltkriegsmunition.
Mitarbeiter einer Spezialfirma bergen im Auftrag des Kampfmittelbeseitigungsdienstes schon eine Woche lang am Oberseifersdorfer Sportplatz Weltkriegsmunition. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Abrupt ist ein Arbeitseinsatz jetzt auf dem Sportplatz in Oberseifersdorf abgebrochen worden. Dabei waren die Vereinsmitglieder der Sektion Fußball von Rotation Oberseifersdorf und ihre Helfer an jenem Sonnabend fast mit ihrer Arbeit fertig. Doch dann flog gegen 16.50 Uhr aus der Baggerschaufel nicht nur Lehm und Erde, sondern großkalibrige Weltkriegsmunition. Und nicht nur ein paar Patronen lagen plötzlich neben dem Graben für die künftige Flutlichtanlage am unteren Sportplatz.

Das ist nur ein Teil der am Sportplatz geborgenen Waffenreste und Munition.
Das ist nur ein Teil der am Sportplatz geborgenen Waffenreste und Munition. © Polizei
Der Graben war plötzlich voller großkalibriger Weltkriegsmunition.
Der Graben war plötzlich voller großkalibriger Weltkriegsmunition. © Thomas Lange

"Ich bin gleich aus dem Graben raus und rief dem Baggerfahrer zu, er soll sofort den Bagger ausmachen", schildert Thomas Lange. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende stand kurz vor der Fundstelle im Graben und sorgte mit der Schaufel für eine glatte Grabensohle. "Da lag plötzlich überall Munition im Graben", sagt er.

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Vereinsvorsitzender Bernd Neumann weiß von den Erzählungen seines Großvaters, dass 1945 im Ort Panzersperren errichtet wurden. Gleich mehrere gab es im Ort. Sein Großvater gehörte zum Volkssturm, Hitlers letztem Aufgebot, das die Rote Armee aufhalten sollte.

Im Ort gab es 1945 mehrere Panzersperren

Doch die Panzersperren in Oberseifersdorf blieben wirkungslos. Wegen des heftigen Widerstandes umging ein Teil der Truppen der Roten Armee Bautzen und wäre so der Volkssturm-Einheit in Oberseifersdorf in den Rücken gefallen. Wie sich Bernd Neumann noch an die Schilderungen seines Großvaters erinnern kann, haben die "Soldaten" deswegen ihre Waffen einfach in den Graben geschmissen und sind geflüchtet.

Durch Zufall ist jetzt wahrscheinlich der Platz einer solchen Panzersperre oder eines Maschinengewehr-Nestes aus den letzten Kriegstagen wieder zum Vorschein gekommen.

Denn schon die Vereinsmitglieder haben bei ihren Arbeiten an der Stelle nicht nur ein paar Patronen von MG-Munition gefunden. Da waren auch etwa 20-Zentimeter-Stücke von großen Patronengurten, in denen noch die MG-Munition steckte, mit dabei. Selbst Reste eines Maschinengewehres kamen zum Vorschein. "Ich dachte erst, das ist ein Stück von einem total verrosteten Fahrrad", schildert Thomas Lange. Aber wie sich später herausstellte, gehört es zu einem Maschinengewehr.

1,20 Meter tief liegt die Munition direkt neben der Seitenlinie am Sportplatz. Jahrzehntelang sind hier Fußballer, Linienrichter, Zuschauer und Kinder darüber gelaufen. Dass die Munition nun entdeckt wurde, ist purer Zufall. Denn die Vereinsmitglieder haben, um das Elektrokabel für ihre neue Flutlichtanlage verlegen zu können, den Graben nur etwa 60 Zentimeter tief ausgehoben.

Lediglich an sechs Stellen, wo später die Flutlichtmasten stehen sollen, wurden 1,60 Meter tiefe Löcher ausgehoben. Beim letzten Loch kam die Munition zum Vorschein. "Noch ein paar Meter, dann wären wir mit dem Kabelgraben um den gesamten Sportplatz fertig gewesen", berichtet Thomas Lange. Und wenn der Mast nur ein Stück weiter hätte errichtet werden sollen, wäre die Munition wahrscheinlich nie gefunden worden. 

Sie gehen kein Risiko ein

Sofort sind an jenem Sonnabend die Polizei und der Kampfmittelbeseitigungsdienst alarmiert worden. Der sah sich am Montag darauf zum ersten Mal den Fundort an. Und sofort war klar: Das dauert hier länger. Inzwischen sucht eine Spezialfirma im Auftrag des Kampfmittelbeseitigungsdienstes schon eine Woche lang am Oberseifersdorfer Sportplatz nach Waffen und Munition.

Akribisch nehmen sich die Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes die Fundstelle, den Erdaushub davon und das Umfeld vor. Sie gehen kein Risiko ein. Bevor sie graben, gehen sie zentimeterweise mit hochsensiblen Metall-Detektoren über den Erdboden. Denn sie haben aus dem Loch schon wesentlich mehr herausgeholt, als sich anfangs vermuten ließ. Allein über 2.300 scharfe Patronen von Handfeuerwaffen kamen am ersten Tag zum Vorschein.

"Die genaue Menge wird erst bekannt gegeben, wenn die Grabungen abgeschlossen sind", berichtet der Pressesprecher der Polizeidirektion Kai Siebenäuger. Aber zig Kisten mit verrosteten Waffen - beziehungsweise was davon übrig ist - und Munition wurden bereits geborgen. 

Die Grabungen dauern noch an

Zum Vorschein kamen Panzerfäuste, Sprengkapseln, Teile von Maschinen- oder einfachen Gewehren, großkalibrige Munition und Munition von Handfeuerwaffen. Allein die Anzahl von Letzterem soll im fünfstelligen Bereich liegen.

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Und die Grabungen dauern immer noch an. Zum Glück haben die Oberseifersdorfer Fußballer zwei Rasenplätze zum Trainieren und für ihre Punktspiele. Denn der untere Sportplatz bleibt so lange gesperrt, bis kein Metall-Detektor mehr anschlägt und der Kampfmittelbeseitigungsdienst grünes Licht gibt.

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