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Mahnwache nach Wildwest-Rausschmiss

Mitarbeiter haben sich heute früh gegen die Kündigungen bei MS Powertec gewehrt. Zittaus OB und Mittelherwigsdorfs Bürgermeister setzen ein Zeichen.

Wer ihrer Ansicht nach Schuld an der Misere bei MS Powertec hat, machten die gekündigten Mitarbeiter bei der Mahnwache heute früh klar: Die Mutterfirma MS Spaichingen im Trossinger Ortsteil Schura.
Wer ihrer Ansicht nach Schuld an der Misere bei MS Powertec hat, machten die gekündigten Mitarbeiter bei der Mahnwache heute früh klar: Die Mutterfirma MS Spaichingen im Trossinger Ortsteil Schura. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die beiden grünen Tore zum Betriebsgelände von MS Powertec im Gewerbegebiet Weinau sind geschlossen. Dahinter parken Autos von Leiharbeitern und Beschäftigten der Mutterfirma MS Spaichingen aus dem Trossinger Ortsteil Schura in Baden-Württemberg, die den Betrieb aufrecht erhalten. Davor steht ein Teil der am Dienstag völlig überraschend gekündigten und unter Aufsicht einer Sicherheitsfirma vom Werkgelände entfernten Belegschaft. Sie sind heute, 9 Uhr zu einer Mahnwache zusammengekommen. An eine Weiterbeschäftigung und den Erhalt der Firma auf der Gemeindegrenze von Mittelherwigsdorf und Zittau glauben sie nicht mehr - und kämpfen auch nicht dafür. Stattdessen fordern sie eine faire Abfindung von der Firma. Entsprechend lautet ein Transparent, das die Frauen und in der Mehrzahl Männer in Richtung Betriebsgelände halten: "Gemeinsam stark für eine faire Abfindung". Ein anderes: "MS - In Schura total versagt, in Zittau die Arbeiter vom Hof gejagt".

Zittaus OB Thomas Zenker und Mittelherwigsdorfs Bürgermeister Markus Hallmann (rechts) bezogen heute früh Position und stellten sich an die Seite der gekündigten Mitarbeiter von MS Powertec.
Zittaus OB Thomas Zenker und Mittelherwigsdorfs Bürgermeister Markus Hallmann (rechts) bezogen heute früh Position und stellten sich an die Seite der gekündigten Mitarbeiter von MS Powertec. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

An ihrer Seite stehen Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) und Mittelherwigsdorfs Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein) und setzen ein Zeichen der Solidarität. Wie schon Zenker am Dienstag gegenüber der SZ, findet auch Hallmann klare Worte für die überraschenden Kündigungen der Mitarbeiter und den von einer Sicherheitsfirma flankierten Rausschmiss innerhalb von 90 Minuten. "Die Art und Weise, wie es passiert ist, ist schon sehr gewöhnungsbedürftig", sagt er der SZ. Das erinnere an die Zeiten nach der Wende. Seit dem ist so ein Vorgehen laut SZ-Archiv die absolute Ausnahme. Zenker hat seit Dienstag versucht, mit der Firma Kontakt aufzunehmen. Er scheiterte ebenso wie die SZ.

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Die einst am schnellsten wachsende und als Unternehmen des Jahres in Zittau ausgezeichnete Firma hat wegen der Dieselkrise vor über einem Jahr die ersten Mitarbeiter gekündigt. Nachdem sie reihenweise gegen rausgeschmissene Beschäftigte vor dem Arbeitsgericht verlor, zahlte sie laut der Mitarbeiter in der nächsten Kündigungswelle von sich aus Abfindungen. Den letzten 60 von einst über 150 Mitarbeitern war eigenen Aussagen zufolge während des Rausschmisses am Dienstag mitgeteilt worden worden, dass sie nicht abgefunden werden. Der Betrieb soll Ende des Jahres stillgelegt werden.

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