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Hier lagerte Zittaus "weißes Gold"

Das Salzhaus auf der Neustadt gehört zu den ältesten und größten seiner Art in Deutschland.

Das Salzhaus vor der Sanierung in den 1990er Jahren. Auf dem Banner links wurde damals für den „Marstall Zittau“ geworben. Als Blickfang fällt je ein Sims als Traufkante an den Giebelseiten auf.
Das Salzhaus vor der Sanierung in den 1990er Jahren. Auf dem Banner links wurde damals für den „Marstall Zittau“ geworben. Als Blickfang fällt je ein Sims als Traufkante an den Giebelseiten auf. © SZ-Archiv

Salz ist unverzichtbar. Seine Bedeutung als Grundnahrungsmittel wurde schon früh erkannt und genutzt. Es gab sogar Verordnungen, die den Grundeigentümern das Bergbaurecht über das Salz entzogen. Auch eine Salzsteuer wurde eingeführt, denn der Handel mit dem kostbaren Gut florierte und entwickelte sich zum lohnenden Geschäft für Kaufleute. Spezielle Handelsgesellschaften, Zünfte und Gilden bildeten sich heraus. Besonders begehrt war das Salz nicht nur als Küchengewürz, ebenso wichtig war es zum Haltbarmachen von Lebensmitteln, als an den Kühlschrank noch nicht zu denken war.

Da es sowohl im Zittauer Land als auch in Böhmen keine Salzvorkommen gab, war man auf die Händler und deren Salzfuhrwerke angewiesen. Sie transportierten das „weiße Gold“ in Fässern, Kästen und Säcken. Folgerichtig erteilte Kaiser Karl IV. Zittau im Jahre 1378 das Stapelrecht für Salz. Es besagte, dass Händler, die in eine Stadt oder deren Nähe kamen, in dieser ihre Waren eine gewisse Zeit lagern und dort auch zum Verkauf anbieten mussten. Laut kaiserlicher Verfügung waren die Gewinne aus diesem Salzgeschäft zum Wohle der Stadt einzusetzen. Akkuratesse und Genauigkeit waren dabei wichtig, weshalb die Verfügung die Anschaffung einer Stadtwaage beinhaltete. So verwundert es nicht, dass bereits 1389 auf der Zittauer Neustadt mitten auf dem Platz eine Salzkammer stand. Da sie sich bald als zu klein erwies, beschloss der Zittauer Rat den Bau eines großen Speichergebäudes an alter Stelle.

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Bedeutung nahm im 17. Jahrhundert ab

1511 wurde damit begonnen. Die dicken Mauern des Hauses umschlossen eine Grundfläche von 53 mal 25 Metern. Als Baumaterial verwendete man zunächst die Steine der alten Salzkammer. Da sie bei weitem nicht reichten, nutzte man für den Weiterbau die Steine des alten Kaiserhauses. Es war 1367 vor den Toren der Stadt errichtet worden, wurde aber kaum genutzt, da es im Schwemmgebiet der Mandau lag.

Als der neue Speicher mit zwei großen Haupttoren an den Giebelseiten fertig war, wurden in den oberen Lagerräumen Salz und Korn verwahrt, das Erdgeschoss wurde als Geräte- und Rüstkammer sowie als Pferdestall genutzt. Deshalb nannte man das Gebäude auch Marstall, während heutzutage der Name Salzhaus am gebräuchlichsten ist. Für größere Lagermöglichkeiten erhöhte man 1572 das Haus um ein weiteres Stockwerk.

Ab dem 17. Jahrhundert nahm die Bedeutung des Salzes ab. Das Zittauer Speichergebäude wurde nun zunehmend als Kornmagazin genutzt. 1713 entstand an der südlichen Seite des Speichers ein Barockhaus. Hier zog die Stadtschmiede ein, in der man die städtischen Pferde beschlug und Kutschen und Karren instand hielt. Damit war das Gebäudeensemble komplettiert. Da es zum Salzhaus hin einen kleinen Hof mit Grünfläche gab, umschlossen von den Mauern weiterer Magazine, sah das alles wie eine kleine Festung aus. Statt der einfachen Bedachung wurde 1730 dem Salzhaus ein neues barockes Mansarddach aufgesetzt. Das Gebäude war nun über 30 Meter hoch, achtgeschossig und erhielt seine heutige Form. In den fünf Dachgeschossen wurden Schüttböden eingefügt, Luken für Seilaufzüge waren gleichfalls vorhanden. Zahlreiche Gauben sorgten für Licht und Luft. Am Nordtor erhielt die große Stadtwaage ihren Platz.

Das Zittauer Salzhaus im Stadtmodell, geschaffen von Buchbindermeister Winkler Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Modell zeigt die Stadt Mitte des 18. Jahrhunderts, es wird von den Städtischen Museen bewahrt.
Das Zittauer Salzhaus im Stadtmodell, geschaffen von Buchbindermeister Winkler Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Modell zeigt die Stadt Mitte des 18. Jahrhunderts, es wird von den Städtischen Museen bewahrt. © SZ-Archiv

1757 kam der Siebenjährige Krieg nach Zittau. Die preußische Armee zog in die Stadt ein und nutzte das Salzhaus zur Lagerung ihrer Mehlvorräte. Der preußische Stadtkommandant machte Zittau zur Festung. Die mit Sachsen eigentlich verbündeten Österreicher wollten die Stadt einnehmen, um ans Mehl zu kommen. Eine ihrer ersten Kugeln, ein Zwölfpfünder, riss zwar ein Loch ins Salzhaus-Dach, doch ohne arge Folgen. Auch den Beschuss mit Brandmunition, bei dem fast die ganze Stadt in Flammen stand, hielt das Salzhaus stand.

Bis das neue Rathaus stand, diente das Gebäude als Verwaltungs- und Tagungsort. Es ersetzte auch die Gewandkammer und war Tanzboden, das Stadtarchiv zog ebenfalls ein. Sogar die Kommunalgarde exerzierte hier, und die 9. und 10. Kompanie des Infanterieregimentes 102 hatten im Gebäude Quartier.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gelangten Flüchtlinge, danach die aus der Heimat Vertriebenen nach Zittau. Wohnraum wurde knapp. Das Salzhaus bot ihn für viele, noch Jahre danach enthielt es Wohnungen. Dennoch blieb es an erster Stelle ein Lagerhaus, wurde es als Kornspeicher genutzt. Jahrzehntelang wurden hier auch Requisiten und Kulissen des Zittauer Theaters eingestellt.

Seit 1995 stand Haus leer

Als sich die 90er Jahre neigten, war eine denkmalgerechte Sanierung des Salzhauses samt Nebengebäuden bitter nötig, denn bereits seit 1995 stand es leer. Über das „Danach“ berieten lange und eingehend die Stadtoberen. Die Idee von einem Parkhaus wurde bald verworfen, schließlich beschloss man eine Nutzung in heutiger Form. Großzügige Spenden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und von Privatleuten halfen. Von 1998 bis 2004 erhielt das Areal sein heutiges Aussehen. Erstmals in seiner Geschichte durchbrach man für Schaufenster und Ladentüren die starken Mauern des Salzhauses.

Verputzt und mit frischem Anstrich versehen, erfolgte schließlich die Wiedereröffnung. Das Interesse war groß. Besucher flanierten durch die Passage unter den Kreuzgewölben, besichtigen die Läden und die Gaststätte im historischen Stil. Eine Bankfiliale, Ämter und Institutionen zogen ein. Handel und Wandel im alten Gemäuer, fast allen gefiel das. Die Eisbar in der Alten Stadtschmiede wurde gleichfalls ein Anziehungspunkt. Ein Plus für die Stadt war der Einzug der Christian-Weise-Bibliothek im April 2002 in zwei der weiträumigen Obergeschosse. Der Anbau eines Liftes ist ebenfalls ein Gewinn für das Haus. Leider gaben in den letzten Jahren viele Händler in den Läden auf, ein immerwährender Wechsel.

Über 500 Jahre steht nun das Salzhaus auf Zittaus Neustadt. Damit gehört es zu den ältesten und größten seiner Art in Deutschland, erhalten in seiner ursprünglichen Form.

Weitere Salzhäuser

  • Görlitz: 1407 Baubeginn auf dem Neumarkt, 1472 Fertigstellung. 1536 entstanden über der Salzkammer Tanz-, Gewand- und Kaufhaus. 1767 Aufsetzen eines Walmdaches. 1851 wurde das Salzhaus abgetragen, nachdem der Salzspeicher ins Waidhaus verlegt wurde.
  • Bautzen: 1782 Bau auf der Ortenburg, 1834 Verlegung des Salzlagers ins Rathaus. 1907 wurde aus dem einstigen Salzhaus ein Gerichtsgebäude. 1971 Einzug des Sorbischen Museums, 1985 bis 1989 Restaurierung.
  • Lauban: 1539 erbaut. Es steht noch heute am alten Platz.

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